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Modernes Märchen

(Nicht ganz) alles auf Anfang heißt es in der Antagon-Halle. Der Kulturverein Art-Q spielt noch einmal „Hänsel und Gretel“ – weil das Stück über Flucht und Ankommen bei der Uraufführung so gut ankam.
Unüberwindbare Grenzen? Die Schauspieler machen spürbar, wie sich die Flucht anfühlt. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Unüberwindbare Grenzen? Die Schauspieler machen spürbar, wie sich die Flucht anfühlt.
Frankfurt. 

Dieses Projekt hatte im März dieses Jahres auch über die Stadtgrenzen hinaus für Furore gesorgt: Ein freier Kulturverein tut sich mit Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie der University for Applied Sciences zusammen, lädt auch junge Flüchtlinge ein und inszeniert mit allen ein Musiktheaterstück über Krieg, Flucht, Neuanfang und Heimweh. Jetzt gehen alle wieder zusammen auf die Bühne, an diesem und am nächsten Wochenende wird „Hänsel und Gretel“ in der Antagon-Halle wieder aufgeführt.

Schauspieler aus Irak

In dieser Woche wurde dafür kräftig geprobt. Die jungen Darsteller Alla (28) und Loay (23), beide vor etwas mehr als einem Jahr aus dem Irak geflohen, sind die heimlichen Stars der Produktion. Loay war schon in seiner Heimatregion Diyala, nordöstlich von Bagdad, als Schauspieler in Film und Theater aktiv. „Das war nicht unbedingt mein Traumberuf, aber er macht mir sehr viel Spaß“, sagt er in gutem Deutsch. Natürlich hört man ihm seinen Akzent an, aber am Wortschatz haben sowohl Loay als auch Alla enorm zugelegt, attestiert ihnen auch die Regisseurin Maja Wolff, die schon eine Vielzahl von Theaterprojekten mit Studenten und Laiendarstellern – unter anderem Strafgefangenen – auf die Beine gestellt hat.

Immer sind es Stücke mit musikalischer Kraft und einer eher unkonventionellen Art, Themen anzugehen. Auf die aktuelle Märchenadaption trifft das wieder zu. Und wieder ist beeindruckend zu sehen, wie gut das Ensemble zusammengerückt ist. Der Betrachter vergisst, wer Geflohener und wer von hierzulande ist – jeder ist gleich. Genau das ist der Reiz für alle: „Ich kann mich hier einbringen mit meinen Ideen. Das gibt mir viel Kraft. Die Menschen hier sind wie meine zweite Familie“, sagt Alla. Und Loay ergänzt: „Es gibt viele, die sagen, die Flüchtlinge kämen hierher und nähmen nur das Geld. Ich meine: Wir sind hier, also müssen wir auch etwas beitragen!“

Alla gesteht, immer noch Respekt vor der Bühne zu haben. Und über den „Hausaufgaben“ manchmal zu seufzen. „Man muss den Text gut lernen. Aber Timo Becker und Maja Wolff haben uns da viel geholfen“, sagt er dankbar.

Nachfrage war groß

Wolff erzählt, warum das Team von Art-Q sich für die Wiederaufnahme entschieden hat: „Viele Zuschauer haben uns gesagt, dass sie nach dem Stück viel mehr über Flucht verstanden hätten. Und wir haben gemerkt, dass wir noch viel mehr Karten hätten verkaufen sollen.“ Mühselig war es allerdings, alle Beteiligten wieder zu einem bestimmten Termin in die Probenhalle zu kriegen. „Aber es war faszinierend zu sehen, wie sehr sich alle aufeinander gefreut haben“, so Wolff. Mit großer Herzlichkeit gehen Schauspieler, Tänzer und Musiker miteinander um.

Gespielt wird das Stück so wie vor einem halben Jahr. „Wir mussten nur ein paar Sachen aktualisieren, ein paar AfD-Claims austauschen“, sagt Wolff lachend.

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