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Literaturpreis: Monika Steinkopf tritt aus Jury von "Stadtschreiber von Bergen" zurück

Von Seit 40 Jahren ist Monika Steinkopf mit dem Literaturpreis „Stadtschreiber von Bergen“ verbunden, seit 1995 als Bürgerjurorin. Nun legt sie ihr Amt nieder.
Monika Steinkopf steht vor dem Stadtschreiberhaus. Im Schaukasten am Tor zeigt sie zwei Drucke aus ihrer Edition „Stadtschreiber von Bergen - Poetische Blätter“. Im Hintergrund sind jene Namensplaketten zu sehen, die die neuen Stadtschreiber am Tag ihrer Amtseinführung an der Fassade anbringen. Foto: Leonhard Hamerski Monika Steinkopf steht vor dem Stadtschreiberhaus. Im Schaukasten am Tor zeigt sie zwei Drucke aus ihrer Edition „Stadtschreiber von Bergen - Poetische Blätter“. Im Hintergrund sind jene Namensplaketten zu sehen, die die neuen Stadtschreiber am Tag ihrer Amtseinführung an der Fassade anbringen.
Bergen-Enkheim. 

Monika Steinkopf kennt sie alle: Ob den ersten, den 1996 gestorbenen Wolfgang Koeppen, oder Clemens Meyer, der beim Stadtschreiberfest am 31. August gekürt wird. Die Rede ist von den Trägern des Literaturpreises „Stadtschreiber von Bergen“. Steinkopf kennt sie alle, weil sie von 1978 bis 2014 die Buchhandlung „Berger Bücherstube“ führte und die „Poetischen Blätter“ mit Texten der amtierenden Stadtschreiber herausgab. Und 23 Jahre war sie als Bürgerjurorin der neunköpfigen Jury für die Auswahl des nächsten Stadtschreibers mit zuständig. Nun tritt sie aus der Jury zurück. „Man muss an den Dingen nicht bis zum Ende festhalten. Ich werde in wenigen Tagen 80 und finde, nun ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.“

Zeit für eigene Projekte

Die Stadtschreiberei, sagt Steinkopf, sei „ein wichtiger Teil meines Lebens“. Mitglied der Jury zu sein, habe ihr stets Spaß gemacht. „Die vielen Kontakte bestehen ja weiter.“ Natürlich werde sie die Stadtschreiberei weiterhin aufmerksam begleiten. Aber sie müsse mit ihren Kräften haushalten, habe sie doch noch einige Ideen für Projekte, die sie angehen wolle.

Nur zögerlich erzählt Monika Steinkopf von ihrer Zeit in der Jury – auch weil die Mitglieder Stillschweigen vereinbart haben über ihre jährlichen Beratungen. Die Jury besteht aus vier Fach- und vier Bürgerjuroren sowie dem jeweiligen Ortsvorsteher, Steinkopf war Bürgerjurorin. Nach dem Tod von Peter Härtling, amtierender Stadtschreiber 1977/1978, am 10. Juli 2017 und Steinkopfs Ausscheiden sind zwei Juroren-Plätze vakant.

Heiße Diskussionen

„Jedes Mitglied schlägt einen Autor vor und dann wird diskutiert – und das mitunter heftig. Jeder verteidigt natürlich seinen Vorschlag“, erzählt Steinkopf. Da dauere es bis zur Entscheidung auch mal bis spät in die Nacht. So lange, dass dann überlegt werde, ob man dem neuen Preisträger die Nachricht zu nachtschlafender Zeit überbringe oder erst am nächsten Tag. Die Wahl Jurek Beckers 1982 soll mit rund einer Viertelstunde die kürzeste gewesen sein.

Steinkopfs Verbindung zur Stadtschreiberei ist älter als ihre Jury-Mitarbeit: Sie begann 1978 mit ihrem Plan, in Bergen eine eigene Buchhandlung zu eröffnen. Weil sie das mit dem Literaturpreis verbinden wollte, bat sie Franz Joseph Schneider, den Erfinder des Preises, um ein Treffen. „Wunderbar, kommen Sie“, habe er gesagt – und auf die Frage, wann, antwortete er: „Morgen ist besser als übermorgen. Um 15 Uhr steht der Kaffeetopf meiner Frau auf dem Tisch.“

Lieber als von sich selbst spricht Steinkopf von den Schrtiftstellern. Mit leuchtenden Augen präsentiert sie Anekdoten wie jene über Franz Joseph Schneider. Im Garten des Stadtschreiberhauses erzählt sie, wie Peter Härtling mit Schülern den Ginkgo pflanzte, sucht nach dem Lavendel, den Sherko Fatah – Stadtschreiber 2016/17 – pflanzte und erinnert daran, wie am Tag nach Uwe Timms Einzug 2002 das Gartentor klemmte. Sie erzählt, wie sie beim Ausräumen der Bücherstube sechs ungebundene, signierte Exemplare von Wolfgang Hilbigs (2001/02) letztem Gedichtband fand und gemeinsam mit der Buchkünstlerin Uta Schneider und 37 Studenten aus Stuttgart, Leipzig und Halle einen Designwettbewerb für die Einbände organisierte. Sie erzählt von ihrer ersten Reise nach Schließung der Bücherstube, auf der sie im Berliner Literaturhaus in der Fasanenstraße gleich vier Stadtschreiber traf. Oder von der Präsentation der Wolfgang-Hilbig-Biografie von Michael Opitz 2017 in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig, wo sie mit Clemens Meyer über den Stadtschreiberpreis sprach. „Das ist eine Ehre, die ich noch nicht hatte“, habe er gesagt. Am 31. August wird sie ihm nun zuteil – und Monika Steinkopf wird auf jeden Fall dabei sein.

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