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Tonne für alle Wertstoffe kommt vorerst nicht: Mülltrennung in Frankfurt bleibt kompliziert – Umweltamt fordert Gesetzesänderung

Von Die Grünen wollen bundesweit die Mülltrennung vereinfachen und mehr verwertbare Abfälle sammeln. In Frankfurt ist das schon einmal ausprobiert worden. Dabei hat sich herausgestellt: Eine Tonne für alle Wertstoffe funktioniert nicht besonders gut. Das städtische Umweltamt plädiert für eine Gesetzesänderung.
Das kaputte Bobbycar und der Blumentopf sind zwar aus Plastik, gehören aber trotzdem nicht in die gelbe Tonne, da es sich nicht um Verpackungsabfall handelt. Vor vier Jahren startete Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Mitte) einen Probelauf, um die Mülltrennung zu vereinfachen. Foto: Rainer Rüffer (Rueffer) (Rainer Rüffer (Rueffer)) Das kaputte Bobbycar und der Blumentopf sind zwar aus Plastik, gehören aber trotzdem nicht in die gelbe Tonne, da es sich nicht um Verpackungsabfall handelt. Vor vier Jahren startete Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Mitte) einen Probelauf, um die Mülltrennung zu vereinfachen.
Frankfurt. 

Den Müll richtig zu trennen, ist eine Wissenschaft für sich. Kauft man zum Beispiel eine Pflanze im eingepackten Topf, kommt die Verpackung in die grüne Tonne – sofern sie aus Papier ist. Sollte sie aus Plastik bestehen, ist die gelbe Tonne die richtige Wahl. Der Topf ist zwar auch aus wiederverwertbarem Kunststoff, gehört aber in den schwarzen Restmüllbehälter, weil er nicht als Verpackung gilt.

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Es gibt unzählige weitere Beispiele, die zeigen, wie verwirrend die Regeln zur Mülltrennung sind. Viele Bürger verstehen sie nicht. Deshalb besteht bis zur Hälfte des Inhalts der gelben Tonne aus Müll, der dort gar nicht hineingehört. Künftig soll alles besser werden – wenn es nach den Grünen geht. Deren Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, hat am Osterwochenende die bundesweite Einführung einer einheitlichen Wertstofftonne gefordert. Zuvor war Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit diesem Ansinnen an den Interessen der Recycling-Industrie gescheitert. Zehn verschiedene Privatunternehmen machen ein gutes Geschäft mit der Verwertung von Verpackungen, wofür die Hersteller Lizenzgebühren zahlen müssen. Am Ende bleiben diese Kosten beim Verbraucher hängen.

Zu wenig gesammelt

Vielen Beteiligten ist schon lange klar, dass das heutige System der Mülltrennung nicht besonders sinnvoll ist. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sprach schon vor Jahren von „Volksverdummung“. Ihr geht es nicht nur um das Problem der fehlenden Verständlichkeit. Heilig kritisiert auch, dass eine große Menge von Wertstoffen, die wiederverwertet werden könnten, gar nicht erfasst werden. In Frankfurt etwa werden pro Einwohner und Jahr rund 17 Kilo Wertstoffe gesammelt – in anderen Großstädten kommen bis zu 25 Kilo zusammen.

Deshalb starteten das städtische Umweltdezernat und die Entsorgungsgesellschaft FES vor vier Jahren einen Modellversuch. In ausgewählten Stadtteilen sollten die Bürger nicht nur Verpackungen, sondern ein Jahr lang sämtliche Wertstoffe aus Kunststoff und Metall in die gelbe Tonne werfen – so, wie es die Grünen bundesweit einführen wollen. Das Ergebnis war allerdings ernüchternd: Die Menge der erfassten Wertstoffe hat nur um acht Prozent zugenommen, das entspricht ungefähr 1,25 Kilo pro Einwohner. Erwartet wurde eine zusätzliche Menge von drei bis fünf Kilo. Dieses Ziel wurde deutlich verfehlt. Auffällig waren die Unterschiede in den verschiedenen Stadtteilen: Während im Riederwald nur ein Prozent mehr Wertstoffe erfasst wurden, waren es in Kalbach 22 Prozent.

Andere Städten sind weiter

Allerdings hat sich auch gezeigt, dass längst nicht nur verwertbare Abfälle in die gelbe Tonne geworfen werden. Während des Modellversuchs lag der Restmüllanteil bei 23 Prozent. Damit war die Quote der Fehlwürfe sogar etwas höher als vorher. An den Bürgern waren die neuen Sammelregeln weitgehend vorbeigegangen. Bei einer Befragung gaben 83 Prozent an, die Möglichkeiten der erweiterten Wertstofftonne nicht zu nutzen. Für die FES waren die Ergebnisse ernüchternd. Die Pläne zur Einführung einer erweiterten Wertstofftonne wurden aber auch wegen der ungeklärten Rechtslage nicht weiterverfolgt.

Trotzdem erachtetet es das städtische Umweltamt weiterhin für sinnvoll, gleichartige Stoffe gemeinsam zu sammeln und zu recyceln. Dem stehe aber die derzeit gültige Verpackungsverordnung entgegen. Da die gelbe Tonne derzeit ausschließlich durch Privatunternehmen des dualen Systems bewirtschaftet wird, bleibe den Kommunen „ein Zugriff auf diese rentablen Verpackungsabfälle verwehrt“.

Andere Städte wie Darmstadt oder Wiesbaden haben sich trotzdem entschieden, eine allgemeine Wertstofftonne einzuführen. Für die zusätzlichen Plastik- und Metallabfälle in der gelben Tonne zahlen sie ein Entgelt an die privaten Entsorger. In Darmstadt gibt es das Angebot bereits seit 2014. Nach Einschätzung des städtischen Entsorgungsbetriebs EAD haben sich die neuen Tonnen „bewährt und werden von der Bevölkerung gut angenommen“.

Doch das Frankfurter Umweltamt hält nichts davon, dass jede Stadt einen eigenen Weg geht und den Konflikt mit den privaten Entsorgern der dualen Systeme aushalten müsste. „Eine bundesweite oder gar einheitliche Lösung wäre dies nicht“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Umweltamt plädiert deshalb für eine Regelung, die in ganz Deutschland gilt und mit den dualen Systemen geregelt ist. Das heißt: Bis es so weit ist, bleibt die Mülltrennung in Frankfurt kompliziert.

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