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Prozess: Mutmaßlicher Auftragskiller des Wettbürobetreibers Oliver F. schweigt

Halbzeit im Prozess um den Auftragsmord am Wettbürobetreiber Oliver F., der am 3. Januar 2014 in Sachsenhausen erschossen wurde. Während der mutmaßliche kroatische Auftraggeber Aleksander D. auf der Flucht ist, hüllt sich der angeklagte Serbe Ivan M. in Schweigen.
Foto: Peter Steffen (dpa)
Frankfurt. 

Schwer bewaffnete Polizeibeamte, Einsatzwagen vor dem Gericht und strenge Personenkontrollen beherrschen das Bild der ersten sieben Verhandlungstage vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht. Der Angeklagte Ivan M. (46) bekommt vom Vorsitzenden Richter die Genehmigung, im Gericht keine Fußfesseln tragen zu müssen, „wenn er direkt vor den Wachmännern sitzt“.

M. ist verheiratet und hat eine Tochter. Ihm gegenüber sitzen zwei Nebenklägerinnen, die Töchter des Wettbürobetreibers Oliver F. Er wurde im Alter von 50 Jahren im Windfang vor seinem Geschäft in der Konrad-Adenauer-Straße durch drei Schüsse am 3. Januar 2014 ermordet. „Der Durchschuss in Scheitelhöhe, der Halskopfsteckschuss und auch der Rumpfdurchschuss waren jeweils tödlich“, erklärt der Gutachter.

Auto besorgt

Eine Frau hatte F. gefunden und die Polizei alarmiert. „Er hat noch geröchelt“, sagt sie schaudernd. M. blickt unbeteiligt, streckt sein Kinn in Richtung Decke. Als ein Mithäftling unter dem Schutz dreier maskierter und bewaffneter Polizeibeamte aussagt, trommelt M. mit den Fingern auf sein Bein. Der Autohändler mit dem Spitznamen „Schwabo“ sagt: „Ich dachte erst, M. sei Ladendieb und braucht Autos, um Klamotten zu klauen.“ Erst später habe er mitbekommen, dass „es etwas anderes ist“. M. hatte auch einen grünen Mercedes E-Klasse. „Er sagte, den könne er nicht fahren, da eine Waffe drin war.“ Schwabo hatte eine Aussage bei der Polizei gemacht, die M. belastet. Im Gefängnis haben sich die beiden wieder getroffen. „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. M. sagte, dass meine Aussage ein Problem ist. Denk dran, ich habe Familie, du hast Familie“, soll M. hinzugefügt haben. M. blickt starr, seine linke Hand ballt sich zur Faust.

Angespannt ist M. bei der Aussage eines Freundes, den er seit 1987 kennt. Frank F. (54) handelt mit Oldtimern. Sie haben gemeinsam Geschäfte gemacht. F. hat am 26. November 2013 in seinem Namen eine kleine Wohnung für M. in Frankfurt angemietet. „Ivan hat mir erzählt, dass er von einem arabischen Clan in Berlin bedroht wird. Da habe ich geholfen.“ Auch der grüne Mercedes kommt von F. „Ich brauchte das Auto nicht. Wofür er es benötigt, habe ich nicht gefragt.“ Pikant, dass eben dieser Wagen am Tag des Mordes eine Panne in Neu-Isenburg hatte und der ADAC gerufen werden musste. Eine Telefonüberwachung beweist, dass F. dem Angeklagten geraten hatte, sich unter dem Namen „Gregor“ zu melden. „Er war ja auf der Flucht.“ Als er M. telefonisch nicht mehr erreicht hat, rief F. die Hausverwaltung an, um abzuklären, ob alles okay sei, oder ob er „tot rumliegt“. Darüber, ob M. den vermeintlichen Auftraggeber D. kennt, sagt er: „Ich weiß es nicht. Ich bin nicht neugierig.“ Auch sonst weiß er so gut wie nichts über M. Am Ende der Aussage nicken sich beide lächelnd zu.

Auftraggeber

Der Mord soll von Aleksander D. (49) in Auftrag gegeben worden sein. D. und der Tote waren Partner bei Millionengeschäften. Zeugen bestätigen, dass es regelmäßig zu Streit gekommen ist. Die Wettfirmen der beiden haben fusioniert. Sie haben Investoren gesucht und gefunden. Diese haben ihre Einlagen verloren. Einer soll fünf Millionen Euro eingesetzt haben, ein anderer 250 000 Euro. „D. warf F. vor, in die eigene Tasche zu wirtschaften und umgekehrt. Wir haben da nicht mehr durchgeblickt“, so einer der Investoren. „D. hat gesagt, dass er Unterlagen habe, die beweisen, dass F. betrügt. Und auch, dass er sie der Staatsanwaltschaft gibt.“ Das geschah nicht.

Als der Bruder des Getöteten den Zeugenstand betritt, fließen Tränen. Bei ihm und den Nebenklägerinnen. Auch Michael F. (57) betreibt Wettbüros. „Ich war am Morgen seines Todes im Büro“, sagt er. „Ja, die Firma ist in Schieflage geraten, aber Oliver hat Geld reingesteckt. D. wollte 800 000 Euro haben, war aggressiv und hat Oliver massiv bedroht.“

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

(bi)

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