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Einkaufszentrum: MyZeil-Umbau: 15 neue Restaurants, Außenterrassen und Kino

Von Schöne neue Welt: Zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 2019 wird das Einkaufszentrum MyZeil mit der spektakulären Glas-Trichter-Fassade ab kommendem Februar für bis zu 70 Millionen Euro aufwendig umgebaut. Bis zu vier Terrassen, ein Luxus-Kino sowie 15 Restaurants und Bars sollen „Shoptainment“ bieten. Und dies fast rund um die Uhr.
Dieser Blick in die Tiefe verschwindet.   Zwei der sogenannten „Deckenlöcher“ werden geschlossen, um mehr Aufenthaltsqualität zu erhalten. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Dieser Blick in die Tiefe verschwindet. Zwei der sogenannten „Deckenlöcher“ werden geschlossen, um mehr Aufenthaltsqualität zu erhalten.
Frankfurt. 

Die Vision: Wenn sich die Nacht über die Zeil senkt, ist im MyZeil noch lange nicht Schluss. Cineasten fahren auf Rolltreppen nach oben, im vierten Stock ist der Eingang zur Astor-Film-Lounge im vierten und fünften Stock (dort residierte bisher der Indoor-Spielplatz „Halligalli“, er zieht demnächst aus). Das Premium-Kino lockt mit fünf Sälen und über 400 Plätzen. Zum Konzept gehören Begrüßungsdrink, kostenlose Garderobe und Service-Mitarbeiter, die auch während des Films Gäste in bequemen Ledersesseln versorgen. „Anschließend können die Menschen bei uns etwas essen und trinken gehen, sich unterhalten“, sagt MyZeil-Manager Marcus Schwartz. „Dann sind 15 neue Restaurants und Bars im vierten Stock geöffnet, aber optisch und räumlich voneinander abgetrennt“. Die Neuheit unterm Glasdach hat den Namen „Foodtopia“.

Es wird täglich von 8 bis 2 Uhr geöffnet sein. Und da „der Frankfurter gerne draußen sitzt“, wie Schwartz weiß, sollen Teile der MyZeil-Fassaden für drei bis vier Terrassen aufgebrochen werden – um freie Blicke in Richtung Zeil und das Bankenviertel zu eröffnen. Auch auf dem Dach sollen Drinks geschlürft werden.

Die Restaurants sollen mehr bieten als schnelle Gerichte in der Mittagspause, Snacks oder Kaffee und Kuchen. Das werde kein Foodcourt wie im Skyline Plaza, sondern Casual-Dining. Marc Blum, Chef-Architekt der ECE, lobt auch deshalb die Umbaupläne: „Mit neuen Trends aus der Food-Szene, coolem Design, besonderer Architektur und Ausblicken auf die Skyline wird das neue MyZeil ein ,Hotspot’ werden“. Warmes Licht, mehr Farbe und Materialien wie Holz und Leder sowie Gärten und Möbel im Vintage-Industrie-Stil sollen im ganzen Center für mehr Wohlfühl-Atmosphäre sorgen und „funktionale Mängel“ beheben, so Schwartz. Das 5000 Quadratmeter große Fitness-Studio bleibt wie alle Geschäfte trotz des Umbaus geöffnet. Die Bauarbeiten wird ein Generalunternehmen leisten.

Die MyZeil-Betreiberin ECE (Hamburg) und Manager Schwartz wollen mit der Revitalisierung, zu der auch neue, großzügigere Toilettenbereiche und zusätzliche Rolltreppen etwa vom vierten in den zweiten Stock gehören, die 100 000er-Marke (Kunden pro Tag) „endlich knacken“, so Schwartz. An einem starken Tag kommen derzeit rund 90 000 Menschen. Der Umsatz soll von bisher rund 150 Millionen Euro pro Jahr auf 180 Millionen steigen.

Gastronomie lockt Kunden

Der Umbau soll im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Damit setzt die ECE wie der gesamte Einzelhandel in Deutschland stärker auf Gastronomie, um Kunden trotz Internetkonkurrenz zu locken. Mit Erfolg: „Insgesamt belaufen sich die Umsätze der Händler mit Gastronomieangeboten bereits auf über neun Milliarden Euro jährlich“, heißt es in einer aktuellen Studie des Handelsforschungsinstituts EHI. Danach entfallen mehr als die Hälfte der Gastronomieumsätze – insgesamt rund 5,2 Milliarden Euro – auf den Lebensmittelhandel. Den zweiten Platz nehmen mit zwei Milliarden Euro die bundesweit 480 Shopping-Center ein. Auf Rang drei folgen etwa 5000 Tankstellen mit einer Milliarde Euro.

Die ECE, Familienbesitz der Ottos, ist längst ein Gigant

  Betreiberin des MyZeil ist die ECE, 1965 vom Versandhaus-Pionier Werner Otto gegründet und unter Leitung von Alexander Otto bis heute im Familienbesitz.

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Hintergrund: Die Bedeutung des Verzehrs außer Haus nimmt zu. Und das MyZeil hat schon jetzt nur noch einen Textilanteil von 40 Prozent. Dagegen stieg der Gastronomie-Umsatz in ECE-Centern laut Schwartz von 2010 bis 2015 um 54 Prozent. Im Schnitt werden heute zehn Prozent aller Centerflächen von Gastronomen genutzt. In den Potsdamer Platz-Arkaden und in den Promenaden am Hauptbahnhof Leipzig liegt man laut ECE mit einem Anteil von 15, respektive 25 Prozent bereits darüber.

Während Marktforscher seit Jahren die Verödung der Innenstädte herbeiorakeln, weil Kunden lieber online als zu Fuß einkaufen würden, ist in etlichen europäischen Metropolen und auch in Frankfurt das Gegenteil der Fall: Die Innenstädte brummen.

Keine Kinkerlitzchen

Trotzdem warnt die ECE: „Nach einer Analyse der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung von 2010 sind 48 Prozent aller Einkaufszentren in Deutschland dringend revitalisierungsbedürftig.“ Dabei geht es nicht um Dekoration, Sitzbänke oder Fassadenanstriche, sondern die Neuausrichtung inklusive Umbau der Immobilie. „Die Gründe für verschleppte Modernisierungen reichen vom geringen Bewusstsein für den Revitalisierungsbedarf über komplizierte Eigentümerstrukturen, knappe finanzielle Mittel bis zum fehlenden Know-how“, so ECE. Wer zu spät reagiere, gerate in eine Abwärtsspirale aus Besucherschwund, Umsatzrückgang, Leerstand und Wertverlust der Immobilie. Jedes dritte Center floppe, vor allem kleine. Das MyZeil soll jedenfalls nicht darunter fallen.

Mitarbeiter Portraits der Frankfurter Neuen Presse, aufgenommen am Mittwoch in Frankfurt am Main. Foto: Salome Roessler
Kommentar: Hohe Investition in die Kunden-Emotion

Soziale Medien beginnen zu nerven, echte Menschen im echten Leben zu treffen, ist wieder „in“. Online kann man eben nicht gemeinsam shoppen, trinken, reden.

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