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NS-Vorlesung keine Pflicht für Hessens künftige Lehrer

Von Die Entscheidung um die NS-Vorlesungen von Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer wird weiter kritisiert. Die Vorlesungen gelten nicht mehr als Einführung ins Lehramtstudium. Dies kritisieren neben dem Asta auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Jüdische Studentenverband Hessen.
Frankfurt. 

Prof. Benjamin Ortmeyer leitet die Forschungsstelle NS-Pädagogik und hält an der Goethe-Universität eine Vorlesung und ein vertiefendes Seminar. Darin geht es um die Pädagogik im NS-Staat. Wie berichtet, werden die Vorlesungen auf Beschluss der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) nicht mehr als Einführungsveranstaltung für Lehramtsstudenten anerkannt: Es gibt dafür keine sogenannten „Credit-Points“ mehr. Fakt ist dies bereits seit einem Jahr, es wurde aber erst jetzt öffentlich. „Die Zahl der Zuhörer hat sich seitdem von 400 bis 500 auf etwa 300 reduziert“, sagte Ortmeyer.

Vorlesung oder Seminar?

Unterrichten, Erziehen, Diagnostizieren und Schulentwicklung sind die vier Kernthemen angehender Lehrer. „Einführende Vorlesungen gibt es daher zu diesen Kompetenzfeldern, nicht aber zu Spezialthemen“, schreiben die ABL und die Fachbereiche in ihrer Stellungnahme. „Daher findet man zum Beispiel einführende Vorlesungen zum Thema NS-Pädagogik weder in Frankfurt noch an anderen deutschen oder internationalen Einrichtungen der Lehrerbildung im Pflichtbereich, thematisch verwandte Seminare jedoch als Zusatzangebote.“

Die Dekanin des Fachbereichs 4, Prof. Dr. Diemut Kucharz, ergänzt: „Das Lehrangebot zur NS-Pädagogik, das Herr Ortmeyer seit Jahren regelmäßig anbietet, wird in seiner Tiefe und Konzeption geschätzt. Es gelingt ihm in besonderer Weise, Studierende für das Thema zu sensibilisieren, so dass ich als Dekanin froh bin, dass es dieses Lehrangebot gibt.“ Es sei „weiterhin für Lehramtsstudierende mit entsprechenden ,Credit-Points‘ studierbar – es befindet sich jetzt lediglich in einem anderen Modul, nämlich dem Modul ,Erziehen‘. Ob Vorlesung oder Seminar für die Beschäftigung mit dem Thema das passende Format ist, darüber kann man geteilter Meinung sein.“

Doch in einem Seminar haben nur 60 Teilnehmer Platz, nicht mehrere Hundert, kritisierte der Asta. Auch die GEW und der Jüdische Jugend- und Studentenverband Hessen haben sich jetzt geäußert. Das „Konzept, in zwei aufeinanderfolgenden Vorlesungen mit zusätzlichen Seminaren über die NS-Verbrechen, die NS-Ideologie, aber auch die NS-Pädagogik gründlich zu informieren und diese Frage im Hinblick auf aktuelle Bedeutung zu diskutieren, erscheint uns ausgesprochen solide, tragfähig und ausbaufähig“, erklärt der Jüdische Studentenverband. Die Entscheidung, die Einführungsvorlesung nicht mehr mit Punkten zu belohnen, „kann nicht scharf genug kritisiert werden“. Auch Daniel Katzenmaier, Vorstand des Asta, ärgert sich. Die ABL behaupte, „dass Ortmeyer alle Angebote, Seminare im Pflichtbereich einzurichten, abgelehnt hat. Vielmehr war Ortmeyer nicht bereit, die aktuelle Vorlesung zur NS-Pädagogik abzusagen, die nach dem ,Credit-Point‘-Verbot und der damit einhergehenden Entwertung nur noch für Studierende des Hauptfaches Erziehungswissenschaften angeboten wird.“ Dies sei „ein Beispiel von ständig erlebten kleinen Gemeinheiten gegen einen engagierten Hochschuldozenten.“

Priorität der NS-Zeit

Die GEW kritisiert: „Die entscheidende Frage ist, ob die Beschäftigung mit der NS-Zeit, ihren Verbrechen, ihrer Ideolo-gie und ihrer Pädagogik ein grundlegendes Thema im Studiengang Erziehungswissenschaft und im Studiengang für zukünftige Lehrer sein muss – oder ob es sich um eine untergeordnete Spezialfrage handelt.“ Auch wer nicht Lehramt, sondern Erziehungswissenschaft studiert, soll nach dem Willen des Dekanats mit weniger Ortmeyer auskommen. Seine auf zwei Semester angelegten Inhalte soll er künftig in nur einem Semester vermitteln. „Ich weiß noch gar nicht, wie ich das machen soll“, sagt Ortmeyer.

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