Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 29°C

Juristische Prüfung läuft: Nach Hütten-Brand: Stadt Frankfurt will Elendslager räumen

Von Nach einem Barackenbrand auf der Industriebrache im Frankfurter Gutleutviertel am Wochenende erwägt die Stadt eine Räumung des Lagers, in dem schätzungsweise 60 Rumänen leben. Bislang war eine solche Maßnahme immer mit dem Argument abgelehnt worden, dass „keine Gefahr im Verzug“ sei.
Frankfurt. 

Das Feuer, das zum Ende des Lagers der Rumänen im Gutleutviertel führen könnte, brach am vergangenen Samstag gegen 23.30 Uhr aus. Wie ein Feuerwehrsprecher gestern auf Nachfrage sagte, wurde der Branddirektion um diese Zeit ein „Feuerschein“ auf der Industriebrache an der Gutleutstraße gemeldet. Bei ihrem Eintreffen an der privaten Liegenschaft stellten die Einsatzkräfte fest, dass eine der selbst gezimmerten Baracken in Flammen stand. Wie schon mehrfach berichtet, leben in dem Elendslager schätzungsweise 60 Rumänen in Unterkünften, die sie aus Sperrmüll gebaut haben.

Eine der selbst gezimmerten Baracken in der Reihe links brannte am Samstag gegen 23.30 Uhr vollständig nieder. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Eine der selbst gezimmerten Baracken in der Reihe links brannte am Samstag gegen 23.30 Uhr vollständig nieder.

Das Ordnungsamt nimmt den Brand am Wochenende zum Anlass, um eine Räumung der Industriebrache zu prüfen. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) bestätigte auf Nachfrage eine entsprechende Information der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Stadtrat Frank erinnerte daran, dass das Feuer nicht das erste auf der Liegenschaft gewesen sei. Tatsächlich hatte es dort im vergangenen Jahr, nach Errichtung der ersten Baracken, schon einmal ein Feuer gegeben.

Juristische Prüfung

„Die Bewohner können offenkundig nicht mit Feuer umgehen“, sagte der Ordnungsdezernent gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Obwohl sich die Stadt bemüht habe, die Bewohner des Lagers über Feuergefahren aufzuklären, sei es nun abermals zu einem Brand gekommen. Die juristische Prüfung, die einer Räumung des Privatgeländes zwangsläufig vorausgehen müsse, laufe schon.

Bilderstrecke Rundgang über das Rumänenlager auf der Industriebrache
Das Elendslager auf der Industriebrache im Gutleutviertel wächst immer weiter. Fast 20 Hütten und Zelte stehen dort inzwischen. Ein paar Meter weiter türmen sich neuerdings Berge von Abrissschutt. Ein Insolvenzverwalter hat die Brache übernommen und an einen Projektentwickler vermietet. Unsere Bilderstrecke zeigt Impressionen.Frankfurt am Main, 14.07.2016, Stadtteil Gutleut, Gutleutstrasse, Rumänenlager auf Industriebrache. Hier: Bauschuttlagerung.Frankfurt am Main, 14.07.2016, Stadtteil Gutleut, Gutleutstrasse, Rumänenlager auf Industriebrache. Hier: Bauschuttlagerung.

Der Geschäftsführer der insolventen Gesellschaft, der die Liegenschaft mit den Baracken gehört, sitzt wie berichtet in italienischer Untersuchungshaft und ist deshalb handlungsunfähig. In der Vergangenheit hatte die Stadt eine Räumung mit dem Argument abgelehnt, dass die Hürden für einen Eingriff auf privatem Gelände hoch seien. Solange keine „Gefahr im Verzug“ sei, also kein Risiko für andere von dem Lager ausgehe, seien der Stadt „die Hände gebunden“, hieß es. Auch die Sichtung von Ratten auf der Industriebrache hatte bislang nicht zu einer Räumung des Areals, sondern nur zum Einsatz eines Schädlingsbekämpfers geführt, der Fallen aufstellte.

Veränderte Einschätzung

Ordnungsdezernent Frank betonte gestern, dass sich die Einschätzungen zur Frage, ob „Gefahr im Verzug“ sei, nach dem erneuten Brand verändert habe. Es sei „schon ein Problem, wenn die Bewohner des Lagers nicht sensibel mit Feuer umgehen“. Schon bei einem Ortstermin vor ein paar Tagen, zu dem die Partei „Die Linke“ eingeladen hatte, war der leichtsinnige Umgang der Bewohner mit offenem Feuer deutlich geworden: Die Kameraleute konnten Aufnahmen von einer Art „Lagerfeuer“ machen, das offenbar zum Aufwärmen entfacht wurde und bei dem ganz in der Nähe einer Baracke ein altes Möbelstück verbrannt wurde.

Ein Gaskocher, eine Kerze – der Umgang mit offenem Feuer geht im Barackenlager im Gutleutviertel nicht immer gut. Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Ein Gaskocher, eine Kerze – der Umgang mit offenem Feuer geht im Barackenlager im Gutleutviertel nicht immer gut.

„Die Linke“ forderte bei dem Ortstermin ein „Boardinghaus“, eine Unterkunft speziell für osteuropäische Migranten. Oliver Strank, Vorsteher des Ortsbeirats 1 (auch Gutleutviertel), sprach sich bei dem Termin für eine Räumung der Industriebrache, aber auch für Hilfsangebote für die Rumänen aus dem Elendslager aus. Die Stadt lehnt solche bislang ab.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse