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Vandalismus in jüdischer Ausstellung: Nach der Zerstörung der Abbilder zweier Sportler ermittelt der Staatsschutz der Frankfurter Polizei

Von Seit vergangener Woche erinnert eine Ausstellung auf dem Rathenauplatz an deutsch-jüdische Sportstars bis 1933 und danach. Doch zwei der 17 lebensgroßen Abbilder sind am Wochenende zerstört worden. Waren die Taten politisch motiviert? Der Staatsschutz des Frankfurter Polizeipräsidiums ermittelt.
Die Ausstellung auf dem Rathenauplatz in der Innenstadt zeigt jüdische Sportler, die sich um den Sport in Deutschland verdient machten. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Die Ausstellung auf dem Rathenauplatz in der Innenstadt zeigt jüdische Sportler, die sich um den Sport in Deutschland verdient machten.
Frankfurt. 

Fritz Backhaus spricht Klartext: „Wir sind empört über diese Art des Vandalismus“, stellt der stellvertretende Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt klar. „Wir lassen uns von den Taten aber nicht beirren und präsentieren unsere Ausstellung weiter.“ Die Frankfurter Bürger ruft er dazu auf, die Schau mit dem Titel „Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ zu besuchen. Grund für Backhaus’ Empörung ist, dass unbekannte Täter am Wochenende zwei der insgesamt 17 lebensgroßen Sportler-Abbilder zerstört haben.

Lebensgroße Abbilder

Die Ausstellung auf dem Rathenauplatz, die das Jüdische Museum in Zusammenarbeit mit dem Zentrum deutsche Sportgeschichte, der Eintracht Frankfurt und dem TuS Makkabi Frankfurt präsentiert, wurde am Donnerstag eröffnet. Sie zeigt Abbilder deutsch-jüdischer Sportstars „zwischen Erfolg und Verfolgung“. Es handelt sich um Persönlichkeiten, die sich um die Entwicklung des Sports in Deutschland verdient gemacht haben und in der Zeit des Nationalsozialismus diskriminiert, vertrieben, deportiert und/oder ermordet wurden.

Von diesem Abbild ist jetzt nur noch der abgebrochene Stumpf übrig. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Von diesem Abbild ist jetzt nur noch der abgebrochene Stumpf übrig.

Wie der stellvertretende Museumsdirektor berichtet, wurde in der Nacht zum Samstag zunächst das Abbild der Leichtathletin Lilli Henoch abgebrochen, in der Nacht zum Sonntag folgte dann dasjenige des Fußball-Pioniers Walther Bensemann. Die gut 1,5 Zentimeter dicken und aus Kunststoff bestehenden Aufsteller seien kurz über ihrem Sockel abgebrochen worden. Den Wert schätzt Backhaus auf einen Betrag zwischen je 1500 und 2000 Euro.

Backhaus sagt, dass die Täter – so es denn mehrere waren – „mit roher Gewalt“ vorgegangen sein müssen. Die Aufsteller seien für eine Präsentation im öffentlichen Raum angefertigt worden und deshalb relativ stabil. Schutzvorkehrungen wie zum Beispiel eine Videoüberwachung seien nicht getroffen worden. Erstens habe es an den bisherigen Orten der Wanderausstellung keine Fälle von Vandalismus gegeben, und zweitens habe man Vorkehrungen in einer liberalen Stadt wie Frankfurt nicht für nötig befunden.

Die Polizei sucht Zeugen

Polizeisprecher Andrew McCormack bestätigt die Sachbeschädigungen an den Ausstellungsstücken, über die der Hessische Rundfunk gestern zuerst berichtete, auf Nachfrage dieser Zeitung. Hinweise auf die Täter gebe es bislang keine. Der Staatsschutz, zuständig für politisch motivierte Straftaten, habe die Ermittlungen aufgenommen. Wer Hinweise auf die Täter habe, solle sich telefonisch unter (069) 75 55 31 11 an die Polizei wenden. Diese will die Schau mit mehr Streifen schützen.

Das Jüdische Museum hofft, dass die zerstörten Abbilder schnell ersetzt werden können, die Ausstellung werde jedenfalls wie geplant bis zum 7. Juli weiterlaufen, sagt Backhaus. Im Hinblick auf die Sachbeschädigungen spricht Michael zu Löwenstein, Frankfurter CDU-Fraktionschef, von einer „Tat gegen Freiheit und Toleranz“. Die Union verurteile den „Gewaltausbruch“ gegen die Ausstellung des Jüdischen Museums. Manuel Stock, Fraktionschef der Grünen, nannte den möglichen antisemitischen Hintergrund „beunruhigend“ und die Zerstörungen „eine Schande für unsere Stadt“.

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