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Fluglärm: Nachtflugverbot wurde im Juli hundertfach gebrochen

Trotz des geltenden Nachtflugverbots starteten im Juli 146 Flugzeuge nach 23 Uhr, 133 landeten. Dies ergab eine Auswertung der Bürgerinitiative Sachsenhausen. Auch das Hessische Verkehrsministerium verzeichnete mehr verspätete Starts. Grund dafür waren die starken Gewitter. Die Fluglärmgeplagten sind dennoch sauer.
Im Juli gab es überdurchschnittlich häufig nächtlicher Fluglärm über Frankfurt zu hören. Foto: Patrick Pleul Im Juli gab es überdurchschnittlich häufig nächtlicher Fluglärm über Frankfurt zu hören. Foto: Patrick Pleul
Absolute Ruhe sollte nachts zwischen 23 und 5 Uhr über den Häuserdächern in Oberrad, Sachsenhausen und Niederrad herrschen. Doch im Juli war davon nichts zu spüren. Trotz des höchstrichterlich ausgesprochenen Nachtflugverbots starteten im Juli am Frankfurter Flughafen 146 Maschinen nach 23 Uhr, 133 landeten. „Das führte beispielsweise allein am 10. Juli zu 68 Starts und Landungen zwischen 23 Uhr und 24 Uhr, was pro Minute mehr als eine Flugbewegung mit Lautstärken bis über 80 Dezibel in dieser nächtlichen Zeit bedeutete“, sagt Hanspeter Günster von der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS). Dies habe die Software des IT-Spezialisten gezeigt. Der Lärmgegner hat eine Datenbank entwickelt, mit der er alle Flugbewegungsdaten am Frankfurter Flughafen auswerten kann. Mit seinem „Reportgenerator" greift Günster auf die Daten des Deutschen Fluglärmdienstes sowie von Flughäfen und Airlines im Internet zu, bündelt sie und wertet sie aus.

Günster sagt: „Der Verdacht liegt nahe, dass die Wetterlage häufig als Vorwand genommen wurde, um auf diese Weise verspätete Flüge noch unter zu bekommen. Wir haben daher eine umfängliche Akteneinsicht beantragt, die uns nach dem Umweltinformationsgesetzt gewährt werden .“

Und die starken Gewitter im Juli waren der Grund der verspäteten Starts, wie Wolfgang Harms, Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums sagt. Das Ministerium verzeichnete im Juli 149 verspätete Starts und 116 Landungen. Dahingegen wurden einen Monat zuvor, im Juni, keine Flugbewegungen nach 23 Uhr verzeichnet.

Laut Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2007 können verspätete Starts zwischen 23 Uhr und Mitternacht im Einzelfall durch die Luftaufsicht genehmigt werden, wenn die Verspätung nicht im Einflussbereich der Airlines liegt. Dazu zähle Gewitter nun mal. Landen hingegen dürfen Flugzeuge ohne Weiteres bis 24 Uhr. „Wenn die Landung vor 23 Uhr geplant gewesen wäre“, so Harms.

Die Fluglärmgegner sind dennoch sauer: „Angesichts des tagtäglichen Lärmstresses von durchschnittlich mehr als 1275 Start und Landungen ist diese nächtliche Belastung nicht hinnehmbar und zeigt, dass die vielen Verkündungen zum Lärmschutz seitens der Politik und Fraport Makulatur sind und als gezielte Desinformationen für die Lärmopfer zu bewerten sind“, so Günster. „Angesichts dieser permanenten Verstöße fordern wir die strikte Einhaltung der nächtlichen Flugbeschränkung von 23 bis 5 Uhr.“
 

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