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Heike Winter bekommt das Lachröschen: Närrin wider Willen

Von Es ist der einzige Fastnachtsorden der Welt, der nur an Damen verliehen wird. Dieses Jahr geht das Lachröschen an Heike Winter.
Tulpen hat sie schon, heute bekommt Heike Winter das Lachröschen verliehen. Foto: Heike Lyding Tulpen hat sie schon, heute bekommt Heike Winter das Lachröschen verliehen.
Heddernheim. 

Die Freude an der Fastnacht vermochte erst ihr zweiter Lebensgefährte wachzuküssen. „Als Kind“, so erinnert sich Heike Winter, „fand ich es stets nervig, wenn meine Mutter mich am Sonntagnachmittag in ein Kostüm zwang und in eine Turnhalle drängte.“ Immerhin durfte die junge Heike ihr Karnevalsoutfit spätestens seit der Einschulung selbst auswählen. „Als ganz kleines Mädchen musste ich mal als Rotkäppchen gehen“, sagt sie. „An meiner Mütze hingen Zöpfe – ich sah total bescheuert aus.“ Mit sechs Jahren verkleidete sie sich als Cowboy, mit sieben als Indianer – „so bekam ich wenigstens eine Spielzeugpistole“. Mit acht kehrte sie dem Karnevalstreiben ganz den Rücken.

Nun im Rokoko-Kleid

Nun – 44 Jahre später – wird sie zum ersten Mal wieder in ein Fastnachtsgewand steigen müssen. Heute bekommt sie das „Lachröschen von Klaa Paris“ verliehen. Und damit steht fest: Am Dienstag, 28. Februar, wird sie am 178. Klaa Pariser Fastnachtsumzug teilnehmen. „Dann trage ich ein Rokoko-Kleid“, verrät sie – in ihrer Stimme schwingt zumindest zaghafte Vorfreude mit. Zwei Jahre lang mussten Dietmar Pontow, Vorsitzender der Zuggemeinschaft Klaa Paris, und Statthalter Thomas Dresch auf sie einreden. „Die beiden wollten mir den Orden bereits letztes Jahr verleihen“, erklärt die im Sommer geborene Winter. „Aber ich scheute davor zurück, war eben nie Vereinsmensch.“ Umso mehr freue sie sich über die Hartnäckigkeit der beiden. „Ich fühle mich wertgeschätzt“, stellt sie fest. Dafür hat sie die Narren immer wieder unterstützt, bei Vereinstreffen unter anderem Lebensmittel gesponsert.

Die Heddernheimer Fastnachter seien „eine große Clique mit ganz viel Herz“, sagt die 52-Jährige. Wer dort Mitglied sei, bleibe seinem Verein auch treu. „Die Gesichter wechseln nicht, es kommen höchstens neue hinzu.“ Winters Gesicht kam auf Umwegen . . .

Im Jahr 1964 in Mettlach geboren, wuchs die begeisterte Radfahrerin im Saarland auf, machte zunächst ihr Abitur und im Anschluss eine Lehre zur Industriekauffrau. Doch das erfüllte sie nicht. „So begann ich ein Studium in Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurswesen.“ Danach arbeitete Winter für die Firma Emmerich, schwang sich dort binnen kürzester Zeit zur Vertriebsleiterin auf. „Das war eine tolle Zeit, ich hatte viel Verantwortung“, sagt sie. „Gewiss wäre ich dem Unternehmen lange treu geblieben. Doch es musste Insolvenz anmelden.“ So wechselte sie zu einer Entwicklungsfirma, wo sie auch ihren Ex-Mann Evert Kornmayer kennenlernte.

Alles begann mit Senf

„Er hat schon immer gerne gekocht“, sagt sie. „Als ein gemeinsamer Freund im Jahr 1999 einen Gemüseladen eröffnete, wollten wir für ihn einen Senf kreieren.“ Sie reicherten den würzigen Dip mit Kräutern der Frankfurter Grünen Soße an. „Das sprach sich schnell herum“, so Winter. Immer mehr Gastronomen wollten den Senf kosten – und direkt bestellen. „So fiel unser Entschluss, uns beruflich ganz auf die Produktion regionaler Köstlichkeiten zu fokussieren.“ Im Jahr 2003 eröffnete das Duo in Dreieich zunächst einen Kochbuchverlag. Ab 2009 begann es, Waren zu produzieren und zu vertreiben.

Der Senf ist bis heute im Sortiment. Von ihrem Mann indes hat sich Winter getrennt. „Wir sind nach wie vor gut befreundet“, betont sie. Mittlerweile aber ist sie Partnerin des dritten Gesellschafters der Firma Kornmayer. Alexander Hentschel – 2006 Frankfurter Tollität – habe sie letztlich an die Fastnacht herangeführt. Eine gewisse Karnevalistin schlummerte in ihr aber schon immer: „Sei es nun „Ti amor“ oder „Es steht ein Pferd auf dem Flur“, an Schlagern habe ich seit jeher einen Narren gefressen.“

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