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OB-Kandidatin der Grünen: Nargess Eskandari-Grünberg: Migrantin will an Frankfurts Stadtspitze

Von Sie will als erste Migrantin Frankfurter Oberbürgermeisterin werden: Bei der Wahl in einem Jahr soll die ehrenamtliche Stadträtin Nargess Eskandari-Grünberg für die Grünen antreten. Offiziell nominiert wird die im Iran geborene Psychologin Ende März.
Bei ihrer Ausreise aus dem Iran hat Nargess Eskandari-Grünberg ein einziges Buch mitgenommen, das sie sorgfältig aufbewahrt: Ein Band mit Gedichten des persischen Dichters Hafis. Von diesem war auch Goethe beeindruckt. Foto: Bernd Kammerer (.) Bei ihrer Ausreise aus dem Iran hat Nargess Eskandari-Grünberg ein einziges Buch mitgenommen, das sie sorgfältig aufbewahrt: Ein Band mit Gedichten des persischen Dichters Hafis. Von diesem war auch Goethe beeindruckt.
Frankfurt. 

Den Ort für die Präsentation ihrer OB-Kandidatin hatten die Grünen ganz gezielt ausgesucht. Der Hauptbahnhof hat für Nargess Eskandari-Grünberg einen besonderen Symbolwert: Auf Gleis 7 kam sie im Alter von 20 Jahren allein mit ihrer kleinen Tochter am Heiligabend des Jahres 1985 mit der Regionalbahn vom Flughafen an. Es war der Tag, an dem sie ihre Heimatstadt Teheran verlassen und als politisch Verfolgte Zuflucht in Frankfurt gesucht hat. „Diese Stadt hat mein Leben so geprägt, wie ich es mir nie habe vorstellen können“, sagte die heute 52-Jährige.

Favoritin des Vorstands

Sie studierte Psychologie, promovierte, eröffnete eine eigene Praxis als Therapeutin. 2001 wurde sie ins Stadtparlament gewählt, von 2008 bis 2016 war sie ehrenamtliche Integrationsdezernentin im Magistrat. Ein gelungenes Beispiel für Integration. Auch deshalb war Eskandari-Grünberg Wunschkandidatin des Kreisvorstands der Grünen. „Sie ist eine Persönlichkeit, die Mut ausstrahlt“, betonte Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff. „Sie steht für Vielfalt und Buntheit und ist die richtige Person zur richtigen Zeit.“ Er wies darauf hin, dass Metropolen wie London und Paris bereits ein Stadtoberhaupt mit Migrationshintergrund hätten.

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Eskandari-Grünberg ist sicher eine respektable Kandidatin mit langjähriger Erfahrung in der Integrationspolitik. Aber sie wird es sehr schwer haben, Stimmen außerhalb der Anhängerschaft der Grünen zu gewinnen. Ein Kommentar von Günter Murr.

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Schon im Januar sei Eskandari-Grünberg gefragt worden, verriet seine Sprecher-Kollegin Marina Ploghaus. Die Zusage kam erst nach einiger Bedenkzeit – doch dann mit voller Überzeugung, wie Eskandari-Grünberg selbst sagte. „Ich will die erste Migrantin sein, die in Frankfurt zur Oberbürgermeisterin gewählt wird.“

Den Wahlkampf empfindet sie durchaus als Herausforderung. „Ich weiß, was auf mich zukommt.“ Ihr sei bewusst, dass die politische Auseinandersetzung immer persönlicher werde. Sie hat das schon vor Jahren erlebt, als sie im Streit um den Bau einer Moschee in Hausen attackiert wurde, zeitweise sogar unter Polizeischutz stand. „Ich hoffe, dass es ein respektvoller Wahlkampf wird“, sagte sie.

Nicht nur auf Parteilinie

Den Kampf gegen „rechte Tendenzen“ bezeichnete sie als wichtige Motivation ihres politischen Engagements. „Wir müssen uns gegen die Politik stemmen, die auf Mauern und Abgrenzung setzt.“ Dabei setzt sie auf die Unterstützung ihrer Partei, betont aber auch, dass es um eine Persönlichkeitswahl geht. „Ich bin keine Politikerin, die mit dem Parteiprogramm unter dem Kopfkissen einschläft.“ Sie sei offen für Konzepte, die nicht auf Parteilinie liegen, sagte sie, ohne konkreter zu werden.

Als politische Schwerpunkte nannte sie Sozial-, Kultur-, Planungs- und Verkehrspolitik. „Ich kenne die Probleme von Alleinerziehenden und weiß, wie schwer es ist, als Migrantin eine Wohnung zu finden.“ Dabei wolle sie keine Versprechungen machen, die sie nicht einhalten kann. „Ich will die Forderungen wirklich umsetzen und nicht nur darüber reden.“ Das ist auch ihr Versuch, sich von Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) abzugrenzen.

Dieser wird wieder kandidieren, die CDU schickt die Staatssekretärin Bernadette Weyland ins Rennen. Hinzu kommt der unabhängige Kandidat Volker Stein. Weitere Bewerber sind zu erwarten. Eskandari-Grünberg ist dennoch zuversichtlich, dass sie es in die Stichwahl schafft. „Ich nehme die Kandidatur sehr ernst.“ Sie wolle mehr Stimmen bekommen als zuletzt die Grünen und auch enttäuschte Wähler zurückgewinnen. Nach der Bundestagswahl werde es mit dem OB-Wahlkampf so richtig losgehen.

Zuvor aber muss Eskandari-Grünberg offiziell nominiert werden. Das soll bei einer Mitgliederversammlung am 29. März geschehen. Am Mittwochabend hat der Kreisvorstand den Personalvorschlag bereits den grünen Ortsbeiräten und Sprechern der Stadtteilgruppen präsentiert. Die Euphorie war laut Ploghaus groß.

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