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Karnevalverein zieht die Notbremse: Narren sagen Sindlinger Kinderumzug mangels Teilnehmern ab

Der 1. Sindlinger Karnevalverein (SKV) sagt den Kinderfastnachtszug am Rosenmontag ab. Nicht nur die schwache Beteiligung ist der Grund dafür.
Ausgelassen feierten kleine Narren den Kinderumzug in Sindlingen – 2018 fällt er aus. Foto: Maik Reuß (Maik Reuß) Ausgelassen feierten kleine Narren den Kinderumzug in Sindlingen – 2018 fällt er aus.
Sindlingen. 

„Es tut uns unendlich leid, wir sind sehr traurig. Aber es funktioniert nicht mehr“, sagt Michael Streubel, Vorsitzender des 1. Sindlinger Karnevalvereins (SKV). Bis vorgestern Abend hatten nur die konfessionellen Sindlinger Kindergärten und eine Gruppe aus dem Gallus fest zugesagt, sich am 17. Kinderfastnachtszug zu beteiligen.

Das ist der traurige Negativ-Rekord einer Tendenz, die sich seit Jahren abzeichnet. Trotz vieler persönlicher Ansprachen durch Zugmarschall Michael Czich und weitere Vereinsmitglieder zeigten weder Sindlinger Vereine noch Schulen Interesse. Teilnehmer von außerhalb blieben schon in den vergangenen Jahren weitgehend aus. Öffentliche Aufrufe hätten in den vergangenen Jahren ebenfalls keinen Erfolg gehabt. „Wenn es keiner will, muss man die Konsequenzen ziehen“, bedauert Michael Streubel: „Obwohl viel Herzblut dranhängt, stehen Aufwand und Kosten in keiner Relation.“

Der Aufwand für die Organisation ist hoch. Neben den vielen erforderlichen Genehmigungen müssen Straßen gesperrt, Busse umgeleitet, die entsprechenden Schilder geholt, aufgestellt und wieder abgeräumt werden. Allein 59 Halteverbotsschilder stellte der Verein im vergangenen Jahr in den Straßen Sindlingens auf, baute 18 Absperrschranken und drei Hinweistafeln auf und richtete zwei Umleitungen ein. 6490 Kilogramm Material bewegten die Helfer – die Arbeitsstunden sind ungezählt.

Auflagen steigen

Gleichzeitig steigen Auflagen und sinken Zuschüsse. „Früher reichte der Wagen des Roten Kreuzes. Letztes Jahr mussten wir erstmals einen Rettungswagen mit Sanitäter und Mannschaft stellen“, sagt Streubel. Das verursacht zusätzliche Kosten. Was dieses Jahr eventuell an zusätzlichen Auflagen, etwa wegen der Sicherheit, dazugekommen wäre, ist unbekannt, denn bislang liegen dem Verein die Genehmigungen der städtischen Ämter für den Kinder-Rosenmontagsumzug noch nicht vor.

Nicht zuletzt habe die Stadt den Zuschuss für den Umzug um die Hälfte gekürzt, sagt Streubel. Dass es in den vergangenen Jahren auch immer wieder zu unschönen Szenen kam, weil zum Teil Kinder und Jugendliche Gardemädchen bedrängten und auf der Jagd nach Bonbons rücksichtslos vorgingen, will der Vorsitzende gar nicht eigens erwähnen; allein die schwache Beteiligung in Verbindung mit den wirtschaftlichen und logistischen Aspekten habe zu der Entscheidung geführt.

Der SKV bedauere das, „auch vor dem Hintergrund, dass die angemeldeten Gruppen sicher schon Vorbereitungen getroffen haben“, erklärt der Vorstand in einer Mitteilung. Im Übrigen sei der SKV nicht der einzige Verein, der die Straßenfastnacht aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen aufgeben müsse: Die Stadt Rüsselsheim etwa habe ihren Umzug für dieses Jahr aus ähnlichen Gründen abgesagt.

Alternative gesucht

Nun werde überlegt, welche Möglichkeiten es gebe, 2019 eine andere Fastnachtsveranstaltung für Kinder auf die Beine zu stellen. Der Rosenmontagsumzug war 2002 eingeführt worden. Ursprünglich hatte es in Sindlingen auch einen „regulären“ Umzug gegeben, der aber der Konkurrenz im Umland über die Jahre nicht gewachsen gewesen war.

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