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Neue Ansätze in der Brustkrebstherapie

Sie galt als geheilt, nun ist der Brustkrebs nach zehn Jahren doch zurückgekehrt. Das Schicksal von Popsängerin Anastacia bewegt Menschen in aller Welt. Anlass für die Experten der Frankfurter Universitätsklinik, über neue Ansätze in der Brustkrebstherapie zu informieren.
Sängerin Anastacia ist zum zweiten Mal an Brustkrebs erkrankt. Sängerin Anastacia ist zum zweiten Mal an Brustkrebs erkrankt.
Frankfurt. 

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs, und Patientin nicht gleich Patientin. Doch welche Therapie ist für welche Patientin die richtige? Das ist die hohe Kunst der modernen Brustkrebsmedizin - angesichts der Vielzahl von Therapieansätzen ein Fall für absolute Spezialisten. "Wir haben mittlerweile eine Fülle von Behandlungsmöglichkeiten, aber es gelingt uns noch nicht, all diese Möglichkeiten zu unseren Patientinnen zu bringen", sagt Prof. Dr. Sven Becker, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Uniklinik.

Damit Betroffene die für sie optimale Therapie erhalten, sei es wichtig, dass sie in einem Zentrum behandelt werden, wo Experten der unterschiedlichen Fachrichtungen besonders eng zusammenarbeiten, sagt Becker. Die Frankfurter Uniklinik als eines von zehn onkologischen Spitzenzentren in Deutschland ist so eines. Hier entwickeln Frauenärzte, Radiologen, Pathologen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Psychoonkologen, Humangenetiker und internistische Onkologen individuelle Therapiepläne für ihre Patienten.

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Wird er früh erkannt, ist Brustkrebs in der Regel gut behandelbar. "Bei einem kleinen Tumor, der bei einer 60-Jährigen behandelt wird, liegt die Heilungschance bei fast 100Prozent", sagt Becker. Die Möglichkeit des Brustkrebs-Screenings zur Früherkennung von Mamma-Karzinomen nutzt in Hessen dennoch nur etwa jede zweite Frau zwischen 50 und 69Jahren. Dabei steigt die Zahl der Erkrankungen. Bundesweit diagnostizieren Mediziner pro Jahr 72000neue Mamma-Karzinome. 17200Frauen sterben jährlich an Brustkrebs. Demgegenüber stehen 80 bis 85Prozent der Patientinnen, die nach der Therapie als geheilt gelten.

Apropos Therapie: Deren zentraler Bestandteil ist nach wie vor die Operation, wobei Mediziner heute bei drei von fünf Patientinnen die Brust erhalten können. Je nach Platzierung und Sitz des Tumors bieten sich unterschiedliche Operationsverfahren an. "Das sind komplexe Operationen, die derjenige am besten macht, der sie regelmäßig macht", betont Becker einmal mehr, dass Brustkrebspatientinnen sich nur in die Hände von Spezialisten begeben sollten. Bei 40Prozent der Betroffenen müssen die Chirurgen die Brust entfernen, können diese aber durch eine Plastik ersetzen, je nach Befund unmittelbar oder nach einem Jahr.

Wissenschaft für sich

Doch mit der Operation allein ist es nicht getan. Chemotherapie und Bestrahlung schließen sich an. Mittlerweile gibt es zahlreiche Medikamente. "Man muss sehr genau wissen: Was ist für meine Patientin nun das Richtige?", weiß Becker. "Hier auf dem neusten Stand zu bleiben, ist eine Wissenschaft für sich." Dabei ist gerade die Chemotherapie mitentscheidend für den Heilungserfolg. "Sie soll dem vorbeugen, vor dem wir am meisten Angst haben: nämlich, dass der Tumor streut", erläutert Becker. Weil die Materie so komplex ist, schreibt die Uniklinik derzeit eine eigene Professur für Brustkrebs aus.

Auch in der Strahlentherapie gibt es neue Ansätze. Neben der klassischen Bestrahlung und der ebenfalls etablierten Brachytherapie (eine lokale Bestrahlung, die über kleine Hohlnadeln direkt in der Brust erfolgt) forschen Mediziner an der Uniklinik an der intraoperativen Bestrahlung: Dabei wird der Tumor entfernt und das umliegende Gewebe noch während der Operation bestrahlt. Eine Methode, die Frauen die meist sechs Wochen dauernde Strahlentherapie ersparen könnte, deren Wirksamkeit aber noch nicht ausreichend belegt ist.stef

(stef)
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