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Bauprojekt: Neue Idee: Wohnen über der Schule

Von Bisher war es für Projektentwickler schwer vorstellbar, in einem Wohngebäude auch andere Nutzungen wie Büros oder eine Kindertagesstätte unterzubringen. Doch die Zeiten ändern sich: Investoren haben der Stadt vorgeschlagen, Gebäude mit Schulen im Erdgeschoss und Wohnungen darüber zu bauen. Beispiele aus anderen Städten gibt es bereits.
In Linz ist eine Schule in einem Hochhaus geplant: Sie soll in den unteren beiden Geschossen des „Bruckner Towers“ untergebracht werden. Der Schulhof befindet sich auf der anderen Seite des Turms. Simulation: AWG Architekten In Linz ist eine Schule in einem Hochhaus geplant: Sie soll in den unteren beiden Geschossen des „Bruckner Towers“ untergebracht werden. Der Schulhof befindet sich auf der anderen Seite des Turms. Simulation: AWG Architekten
Frankfurt. 

Der Druck ist groß: In den kommenden fünf Jahren wird die Zahl der Schüler in Frankfurt um 9000 steigen. Doch mit der Eröffnung neuer Schulen kommt die Stadt nicht hinterher – es fehlen geeignete Grundstücke. In der vergangenen Woche hat der Magistrat deshalb bereits neue Wege eingeschlagen und ein bisheriges Bürogebäude in Bockenheim angemietet, um es für Bildungszwecke zu nutzen.

Günter Murr
Kommentar

clearing

Doch nach Einschätzung von Baudezernent Jan Schneider (CDU) kann das nur ein erster Schritt sein. Er hat von der Immobilienmesse Expo Real in München vor wenigen Tagen eine andere Idee mitgebracht: Dort hat er mit Projektentwicklern gesprochen, die angeboten haben, Kombi-Gebäude zu errichten: Im Erdgeschoss die Schule, in den darüber liegenden Stockwerken Wohnungen. Schneider zeigt sich derartigen „Hybridbauten“ gegenüber aufgeschlossen: „Ich kann mir das gut vorstellen“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Bei Kindertagesstätten haben wir das bereits gemacht. Warum sollte es nicht auch bei Schulen funktionieren?“

Nach 25 Jahren umnutzen

Für die Stadt hätte dieses Vorgehen den Vorteil, dass sie im Wettbewerb um rare Baugrundstücke nicht mit privaten Entwicklern, die viel höhere Preise bieten können, konkurrieren muss. Außerdem müsste sie die Schule nicht selbst bauen, was angesichts des in den kommenden Jahren anstehenden Pensums kein unwesentliches Argument ist. „Das entlastet die Verwaltung“, sagt Schneider. Aber auch die Investoren würden profitieren. Wenn sie Schulräume an die Stadt vermieten, hätten sie für große Flächen sichere Einnahmen. Zudem könnten die meist vorgeschriebenen Freiflächen sinnvoll für den Schulhof genutzt werden.

Der Baudezernent führt noch ein weiteres Argument ins Feld: Wenn die Stadt die Räume für eine Schule nur miete und nicht selbst baue, sei sie viel flexibler. „Vielleicht brauchen wir in 25 oder 30 Jahren gar nicht mehr so viele Plätze in den Schulen.“ Dann könnten die Räume umgebaut werden, etwa für Einzelhandel, Gastronomie oder Wohnungen.

Schon in der Vergangenheit hat die Stadt beim Schulbau mit privaten Investoren zusammengearbeitet. Vier Bildungseinrichtungen wurden in öffentlich-privater Partnerschaft errichtet. „Das hat sich bewährt“, meint Schneider. Entscheidend sei, vernünftige Verträge abzuschließen. Räume in einem „Hybrid-Gebäude“ zu mieten, sei noch etwas anderes. „Aber wir wären da noch flexibler.“

Frank Alexander, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Hermann Immobilien, sieht jedoch Hindernisse bei der Vermarktung von Wohnungen in solchen Kombi-Gebäuden. „Schulen haben immer einen gewissen Lärmpegel“, sagt er. In ihrer Nähe zu wohnen sei deshalb gerade bei älteren Menschen nicht sehr beliebt. „Die wollen morgens kein Gekreische hören.“ Denkbar sei aber, sich bei der Zielgruppe auf Familien zu konzentrieren. Schneider teilt diese Bedenken nicht. „Es ist viel lauter in Wohnungen, die neben einer Schule liegen.“ Außerdem seien die meisten Menschen tagsüber nicht zu Hause.

Linz macht es vor

Bereits die frühere Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne) hatte vor einigen Jahren prophezeit, dass man künftig Schulen in Hochhäusern haben werde. Ein derartiges Projekt gibt es in Deutschland bisher nicht, wohl aber in Österreich. In Linz soll auf dem Gelände der ehemaligen Bruckner-Universität bis 2020 der 80 Meter hohe „Bruckner Tower“ entstehen. Die Architekten der Büros „AllesWirdGut“ und Hertl haben in den unteren beiden Geschossen Räume für eine Privatschule und eine Kindertagesstätte vorgesehen. Dieser Sockelbau formiert sich ringförmig um den Schulhof. Der Eingang zu den Wohnungen in den Obergeschossen befindet sich auf der anderen Seite.

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, kennt solche Hybrid-Hochhäuser vor allem aus Asien und den USA. Er ist aber überzeugt, dass sie sich auch in Deutschland durchsetzen werden. „Wir müssen sorgfältig mit unseren Flächen umgehen.“ Bisher aber hätten sich Bauherrn kaum darauf eingelassen, da sich Gebäude mit nur einer Nutzung besser verkaufen ließen.

Doch dieser Widerstand bröckelt: In der Großen Gallusstraße entsteht der „Omniturm“, das erste Hochhaus in Deutschland, in dem sich sowohl Büros, als auch Wohnungen befinden. Im benachbarten Projekt „Four“ auf dem früheren Deutsche-Bank-Areal werden ebenfalls Büros, Wohnungen, Hotels und eine Kita gemischt – für Schmal ist das vorbildlich. Der Architektur-Fachmann kann sich prinzipiell auch eine Schule im Hochhaus vorstellen. „Warum sollte das nicht funktionieren?“ In Hongkong sei es seit Jahrzehnten selbstverständlich, die verschiedenen Nutzungen einfach übereinanderzustapeln. „Das ist überall dort angesagt, wo der Boden knapp ist.“ Auch die Stadt Frankfurt müsse sich deshalb überlegen, was sie mit ihren begrenzten Flächen macht.

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