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Sicherheit: Neue Polizeieinheit gegen Dealer im Bahnhofsviertel

Von 200 bis 300 Drogendealer sind nach Schätzung des Frankfurter Polizeipräsidenten im Bahnhofsviertel unterwegs. Im Kampf gegen die kriminellen Geschäfte hat am Freitag eine neue Polizeieinheit mit fast 140 Beamten ihre Arbeit aufgenommen. Manche Anwohner des Quartiers bezweifeln trotzdem, dass sich die Situation verbessern wird.
Die Polizeikontrollen rings um den Hauptbahnhof gehen weiter – dank der neuen Regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit, die am Freitag ihre Arbeit aufnahm. Archivfoto: dpa Foto: Boris Roessler (dpa) Die Polizeikontrollen rings um den Hauptbahnhof gehen weiter – dank der neuen Regionalen Einsatz- und Ermittlungseinheit, die am Freitag ihre Arbeit aufnahm. Archivfoto: dpa
Frankfurt. 

Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill hatte gestern viele gute, aber auch schlechte Nachrichten zu vermelden: Zu den guten gehörte, dass die Besondere Aufbauorganisation (BAO), welche die Polizei vor gut einem Jahr im Kampf gegen die Drogendealerszene im Bahnhofsviertel gründete, insgesamt sechs Crackküchen – fünf in Frankfurt, eine in Flörsheim – schließen konnte. Zu den schlechten gehörte, dass sich die Schließungen kaum auf den Straßenhandel im Bahnhofsgebiet auswirkten. Bereswill zeigte sich aber recht zuversichtlich, dass sich die Lage durch die weitere Polizeiarbeit verbessern wird.

Zusammen mit Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) und Landespolizeipräsident Udo Münch kam Bereswill gestern in das fürs Bahnhofsviertel zuständige 4. Revier. Anlass war die Überführung der zeitlich befristeten BAO mit 100 Beamten in eine dauerhafte Regionale Einsatz- und Ermittlungseinheit (REE). Genau 137 Polizisten – mehr als ursprünglich geplant – werden in der neuen Schwerpunkteinheit für das Bahnhofsgebiet arbeiten. Unterstützt werden sie von zehn Beamten des Rauschgiftkommissariats.

Staatsminister Beuth sprach im Hinblick auf die REE von der größten operativen Einzeldienststelle Hessens. Die Landespolizei lege vor, weil das Frankfurter Bahnhofsviertel und die Sicherheitslage dort auf das ganze Land ausstrahle. Frankfurts Polizeipräsident Bereswill betonte, dass das 4. Polizeirevier ganz unabhängig von der REE fünf zusätzliche Polizisten erhält, damit die Zahl der Streifen von drei auf vier erhöht werden kann.

Hohe Kosten

Zum Leiter der neuen Schwerpunkteinheit ernannte Beuth gestern Polizeioberrat Markus Sabais. Der Großteil der REE ist im Gebäude des 4. Reviers und der übergeordneten Direktion Mitte in der Gutleutstraße angesiedelt. Für die 16 Ermittler wurden Räume in einem benachbarten Bürohaus angemietet. Bereswill bezifferte die Kosten für die Ausstattung der REE und die nötigen Umbaumaßnahmen auf insgesamt 300 000 Euro. Hinzu kämen 204 000 Euro für die Miete und Nebenkosten der angemieteten Räume.

Bereswill zeigte sich überzeugt, dass sich der finanzielle und personelle Aufwand im Bahnhofsviertel auszahlen wird. Er verwies auf die Arbeit der nun ausgelaufenen BAO: Seit November 2016 haben die Polizisten fast 250 000 Einsatzstunden geleistet und mehr als 32 500 Personen durchsucht. Daraus resultierten gut 8700 Ermittlungsverfahren. Die Beamten stellten knapp 46 Kilogramm Rauschgift sicher, fast jeden zweiten Tag kam ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft.

Der Polizeipräsident verwies auch auf die positive Auswirkung der erhöhten Polizeipräsenz auf die allgemeine Kriminalitätslage und führte als Beispiel die Diebstähle an: Die Zahl der Taschendiebstähle im Bahnhofsgebiet sei von 2015 bis 2017 um 46 Prozent gesunken, die Zahl der Diebstähle aus Hotels und Gaststätten um 49.

Nützliche Videokameras

Bereswill betonte den Nutzen polizeilicher Videoüberwachung für die Strafverfolgung: Mit der mobilen Kamera an der Ecke Niddastraße/Düsseldorfer Straße seien in den vergangenen Wochen sieben Drogendeals dokumentiert worden, die Aufnahmen sollen nun als Beweismittel in Strafverfahren eingebracht werden. Wie berichtet, ist im Bahnhofsviertel die Installation von Videotechnik am Kriminalitätsschwerpunkt Taunusstraße/Elbestraße vorgesehen. Die veraltete Überwachungsanlage am Bahnhofsvorplatz/Kaisersack soll erneuert werden.

Bereswill schätzte die Zahl der Straßendealer im Bahnhofsgebiet auf 200 bis 300. Es gebe zwar unterschiedliche Dealerszenen, die ihre Ware an unterschiedlichen Orten verkauften, „die klassische Trennung zwischen Cannabis- und Crackdealern ist aber aufgehoben“. Die Zahl der Zwischenhändler, welche die Straßendealer beliefern, schätzte Bereswill auf 30 bis 50.

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