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Aufregung im Frankfurter Stadtteil: Neue Praxis auf dem Riedberg: Kassenpatienten bleiben draußen

Von Zwei Hausärzte gibt es auf dem Riedberg – viel zu wenig, finden die 12 000 Bewohner. Abhilfe könnte eine neue Praxis bringen. Doch diese behandelt nur Privatpatienten und Selbstzahler. Das sorgt für Missmut im Stadtteil.
In der Ernst-Abbe-Straße, direkt am Riedberg-Zentrum, wird am 1. März die neue Privatpraxis ihre Türen öffnen. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA In der Ernst-Abbe-Straße, direkt am Riedberg-Zentrum, wird am 1. März die neue Privatpraxis ihre Türen öffnen.
Riedberg. 

Es ist schon wieder passiert: Ein Patient wurde von beiden auf dem Riedberg ansässigen Allgemeinmedizinern abgewiesen und musste einen Arzt in einem anderen Stadtteil aufsuchen. Mit Fieber. Das ist kein Einzelfall, erklärt Ortsvorsteherin Carolin Friedrich (CDU), die nicht zum ersten Mal über diese Probleme informiert wurde. „Solche Beispiele zeigen immer wieder, dass die Arztdichte im Stadtteil zu dünn ist“. Sie hoffte umso mehr, dass sich die Lage durch eine neue Praxis in den kommenden Monaten vielleicht etwas entspannen könnte.

Facebook-Diskussion

Am 1. März eröffnen Dr. Umer Hameed, Facharzt für Allgemeinmedizin, und Dr. Matthias Kaul, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, ihre Gemeinschaftspraxis in der Ernst-Abbe-Straße 2. Allerdings gibt es einen Haken: In der Praxis werden nur Privatpatienten und Selbstzahler behandelt. Bei Facebook sorgte diese Nachricht in den vergangenen Tagen für einen Sturm der Empörung. „Wieder eine Praxis, die zuerst an das eigene, dann erst an das Wohl der Patienten denkt“ oder „Kassenpatienten sind zweite Wahl und bringen kein Geld für die Villa, das Boot und den Ferrari“ sind nur zwei wütende Kommentare.

Es gibt jedoch auch Riedberger, die die Aufregung ihrer Nachbarn über die neue Privatpraxis nicht nachvollziehen können. „Es ist eine private Arztpraxis, die hier aufmacht und nicht das Ende der Welt“, lautet einer der Kommentare. Auch Stefan Müller, Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsbeirat 12 (Kalbach, Riedberg) mischte sich in die Diskussion ein. „Nur mal so ganz nebenbei: Eine selbstständige Tätigkeit in Form einer Arztpraxis wird kritisiert. Aber eine selbstständige Tätigkeit in Form eines Imbissbetriebes wird mit Petition unterstützt. Verstehe das, wer will“, versuchte er die Wogen zu glätten.

Ortsvorsteherin Carolin Friedrich sieht das ähnlich wie ihr Parteikollege. „Eine Arztpraxis ist ein Unternehmen. Zudem belebt Vielfalt das Geschäft. Ich finde gut, dass es bald einen weiteren Arzt auf dem Riedberg geben wird“. Die Eröffnung zeige aber auch, dass der Bedarf auf dem Riedberg für weitere Ärzte definitiv vorhanden sei. Auch wenn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) dies anders sehe.

Diese hatte auf einen Antrag des Ortsbeirates, die hausärztliche Versorgung auf dem Riedberg zu verbessern, deutlich reagiert. Weil Frankfurt als überversorgt gilt, seien neue Niederlassungen von kassenärztlichen Praxen in Frankfurt nicht möglich. Bei 116,63 Prozent liege der aktuelle Versorgungsgrad in der Mainmetropole, die Grenze bei 110 Prozent. Berechnet wird die Versorgung allerdings für ganz Frankfurt und nicht für die Stadtteile. So kommt es dort zu großen Unterschieden bei der Ärztedichte. Während es auf dem Riedberg zumindest zwei Allgemeinmediziner gibt, ist zum Beispiel in Berkersheim kein einziger ansässig. In der Innenstadt hingegen gibt es deutlich mehr Ärzte

„Die Ärzteversorgung ist nicht nur ein Problem auf dem Riedberg, sondern in ganz Frankfurt und Deutschland. Das Problem liegt an unserem System. Wenn sich dort nichts ändert, wird die Situation auch nicht besser“, erklärt Umer Hameed, der für die Neueröffnung auf dem Riedberg in seiner kassenärztlichen Praxis in Höchst kürzer treten wird. Dort teilt er sich die Räume mit zwei Kollegen, die Hälfte seiner Arbeitszeit wird er künftig dort verbringen.

Mehr Behandlungszeit

„In einer normalen Praxis werden die Patienten im Drei-Minuten-Takt abgefertigt. In der Privatpraxis werde ich mehr Zeit für die Patienten haben. Zeit, die man in vielen Fällen auch braucht“, sagt Hameed. Er ist sich durchaus bewusst, dass es sich bei einer zeitintensiven Behandlung in der heutigen Zeit fast schon um Luxus handelt.

Dass er sich als Standort für seine neue Praxis den Riedberg ausgesucht hat, hat zunächst einen recht einfachen Grund: Er wohnt dort. Allerdings weiß Hameed auch, dass es sich bei vielen Riedbergern um Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen handelt. „Hier im Stadtteil lebt ein ganz anderes Klientel als andernorts in Frankfurt“, sagt er und lässt durch diese Aussage erahnen, dass er keine Furcht hat, dass zu wenige Patienten kommen.

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