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Flüchtlinge in Frankfurt: Neue Quartiere für Flüchtlinge

Die Gerüchteküche war in Rödelheim in den vergangenen Tagen hochgekocht. Mal war von 300, mal von 500 Flüchtlingen die Rede, die im Stadtteil untergebracht werden sollen. Derzeit wohnen etwa 160 Flüchtlinge im Stadtteil. Das stellten Vertreter des Sozialdezernats im Ortsbeirat 7 vor. Dabei wurde bekannt, dass in den Praunheimer Werkstätten übergangsweise bis zu 200 Menschen unterkommen sollen.
Rödelheim/Praunheim. 

3900 Flüchtlinge sind derzeit in Frankfurt untergebracht: 1950 davon sind als Asylbewerber und Kontingentflüchtlinge der Stadt zugewiesen, dazu kommen 1400 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge sowie 600 Menschen, für die das Land zuständig ist, und die noch auf Hessen verteilt werden. In Rödelheim wohnen derzeit 160 Flüchtlinge. 60 von ihnen sind schon länger da und auf drei Standorte, zwei Wohnheime und ein Hotel, verteilt. Neu hinzugekommen ist das Hotel am Wasserturm. Dort wurden kurzfristig rund 100 Menschen untergebracht, Platz ist dort für bis zu 123 Personen.

Die Gerüchte, die in den vergangenen Wochen in Rödelheim die Runde machten, nahm das Sozialdezernat zum Anlass, in der Sitzung des Ortsbeirats 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) einiges richtig zu stellen. Denn im Stadtteil kursieren Zahlen fernab jeder Realität, von bis zu 500 Flüchtlingen war die Rede.

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Rödelheim versteht sich von jeher als Stadtteil, in dem unterschiedliche Kulturen, Ethnien und Nationalitäten friedlich zusammenleben.

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„Wir sind derzeit an allen Stadtteilen dran, schauen überall nach geeigneten Unterkünften – und überall entstehen Gerüchte“, sagte Manuela Skotnik, Referentin der Frankfurter Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). „Über die tatsächlichen Standorte sprechen wir aber erst, wenn wir alles abgecheckt haben und alles passt. Und dann holen wir auch die Ortsbeiräte ins Boot.“

Dass dies in Rödelheim nicht der Fall war, liege an der Kurzfristigkeit. „Das Hotel sollte eigentlich noch nicht an der Reihe sein“, sagte Peter Schäfer, Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe in Frankfurt, der die Verteilung der Flüchtlinge koordiniert.

Ursprünglich sei es vorgesehen gewesen, es vom 15. November oder 1. Dezember an zu belegen. „Nach der Erhöhung der Zuweisung mussten wir aber früher handeln.“ Dass habe auch zu Problemen geführt, zum Beispiel fehlender Bettwäsche. Doch diese seien längst behoben.

Angebote vermitteln

In Rödelheim wurde derweil in den vergangenen Wochen geplant, wie die Flüchtling im Stadtteil willkommen geheißen werden können. Das lobte Schäfer zwar, betonte aber auch: „Respektieren Sie die Integrität der Bewohner. Wir legen Wert darauf, dass die Unterkünfte keine offenen Häuser sind.“

Er verstehe, dass die Menschen helfen wollen. Es sei aber kontraproduktiv, wenn unkoordiniert Tüten mit Kleidung abgegeben oder Freizeitangebote gemacht würden. „Wenden Sie sich an uns. Wir vermitteln gerne Angebote aus den Stadtteilen.“

„Dann schaffen wir das“

Dass Hilfe und Engagement aus den Stadtteilen gewünscht und auch notwendig sei, hatte auch Stadtrat Markus Frank (CDU) zuvor deutlich gemacht. Er war in die Ortsbeiratssitzung gekommen, um die Arbeit der Stadtpolizei und des Präventionsrates im Ortsbezirk 7 vorzustellen („völlig unauffällige Stadtteile“). Es sei ganz klar auch Aufgabe der Bürger, einen Beitrag zu leisten. Darüber, dass sich schon jetzt so viele engagieren, sei er sehr froh. „Ein bisschen Zusammenrücken, ein bisschen Gelassenheit zu bewahren, steht uns gut an. Und wenn wir das tun, dann schaffen wir das auch“, betonte Frank.

Gelassen blieb der Stadtrat auch, als der Stadtverordnete Patrick Schenk (BFF) von ihm bestätigt wissen wollte, dass ein großer Teil der Verbrechen in Frankfurt von Migranten verübt werde. Frank verwies nicht nur auf die Delikte am Flughafen, die meist einen Migrationshintergrund hätten, sondern erklärte auch sehr deutlich: „Die Flüchtlinge, die jetzt gekommen sind, hatten noch gar keine Gelegenheit, irgendetwas anzustellen.“ Applaus. Stadtverordnete Ursula Busch (SPD) empfahl allen, die dieser Stimmungsmache trauten, sich die Statistik selbst anzuschauen. „Verstöße gegen das Aufenthaltsbestimmungsgesetz können in der Regel nur von Migranten verübt werden, in Sachen Wirtschaftskriminalität ist diese Gruppe dagegen unterrepräsentiert.“ Gelächter. Die Flüchtlingsdebatte und die Kriminalität von Migranten zusammenbringen zu wollen, „ist ein bisschen ein Fauxpas“.

Pläne beibehalten

Noch nicht in Betrieb, aber für Anfang des Jahres geplant, ist die Öffnung der alten Praunheimer Werkstätten als Flüchtlingsunterkunft. Ursprünglich waren in dem Gebäudekomplex, den die Konversionsgrundstücksgesellschaft (KEG) kaufen will, verschiedene Projekte geplant – unter anderem eine Wohngruppe für Mitarbeiter der Praunheimer Werkstätten, Räume für Künstler und Platz für den Jugendclub Praunheim. „Wir rücken auch nicht von diesen Plänen ab“, betonte KEG-Chef Rainer Wrenger, doch die Unterbringung von Flüchtlingen habe Priorität. Die Versorgung übernehme der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Dessen Vorsitzender Peter Hovermann berichtete, dass maximal 200 Menschen in den Werkstätten untergebracht werden sollen. Alleinstehende Männer sowie Familien, räumlich voneinander getrennt.

In Rödelheim ist bereits ein Fest für Flüchtlinge geplant. Nach dem Anbringen der drei neuen Schilder „Rödelheim – Ein Stadtteil gegen Rassismus“ soll am 13. November ein großes Fest mit prominenten Rednern, Zauberei und Trommelei, leisen und lauten Tönen, Kabarett und Festbankett im Saal der Cyriakusgemeinde, Alexanderstraße 37, steigen. Wer Flüchtlingen helfen möchte, wendet sich indes am besten an die zentrale Rufnummer (0 69) 68 09 73 50 oder schaut unter www.frankfurt-hilft.de im Internet.

(sim)
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