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Frankfurter Hells Angels & ein Erpresser: Neue Spur zum Reemtsma-Lösegeld?

Dieser Prozess wird garantiert ein Medien-Spektakel: Es geht um die Reemtsma-Millionen, es geht um Hells Angels - und es geht um einen dubiosen Erpresser, der den Rockern viel Geld abgeknöpft haben soll.
Das Gebäude des Justizzentrums Aachen: Hier beginnt am Mitwoch ein Prozess gegen einen Mann, der laut Anklage aus der Entführung von Jan Philipp Reemtsma Kapital schlagen wollte. Foto: dpa Foto: Henning Kaiser (dpa) Das Gebäude des Justizzentrums Aachen: Hier beginnt am Mitwoch ein Prozess gegen einen Mann, der laut Anklage aus der Entführung von Jan Philipp Reemtsma Kapital schlagen wollte. Foto: dpa
Frankfurt/Aachen.  Die verschwundene Millionen-Beute aus der Reemtsma-Entführung ist wieder ein Fall für die Aachener Richter, zumindest indirekt. Ein 62-Jähriger soll laut Anklage gewusst haben, dass zwei Rocker der Hells Angels aus dem Frankfurter Rotlichtmilieu einen Teil des Lösegelds gewaschen haben. Die Rocker sollen ihm 80.000 Euro gezahlt haben, damit er mit seinem Wissen nicht zur Polizei geht - monatlich zwischen 2000 und 3000 Euro in den letzten sechs Jahren. Von nächstem Mittwoch an (15. Oktober) muss sich der Mann wegen Erpressung in besonders schwerem Fall verantworten. Der Mann hat bisher zu den Vorwürfen geschwiegen.

Seine 59 Jahre alte Schwester wird der Beihilfe beschuldigt. Sie bestreitet die Tat. Die Polizei hatte den Mann auf Mallorca gefasst, die Frau in Aachen.

Die Entführung des Hamburger Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma 1996 gilt als eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte. Sie dauerte fast fünf Wochen. Reemtsma kam gegen das mit 30 Millionen Mark bis dahin höchste bekannte Lösegeld in Deutschland frei. Zwar erhielten die Täter lange Haftstrafen, doch nur ein kleiner Teil der Beute wurde entdeckt. Immer wieder führten Spuren nach Aachen.
Bilderstrecke Die Reemtsma-Entführung
Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist frei. Nach 15 Jahren Haft verlässt er am Montag im Auto seines Anwalts das Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel. Foto: dpa... unter anderem hätte er in Deutschland eine Fußfessel tragen müssen. Die gemeinsame Überwachungsstelle der Länder mit Sitz in Bad Vilbel kontrolliert mit diesem am Knöchel befestigten Sender gefährliche Schwerverbrecher.Fahndungserfolg: Diese Polizeibilder und Fingerabdrücke wurden nach der Festnahme Drachs am 30.3.1998 in Buenos Aires gemacht. Er war mit einem gefälschten britischen Paß nach Argentinien eingereist und wollte ein Konzert der Rolling Stones besuchen.


In einem ersten Prozess hatte ein Geldkurier, ein vorher unauffälliger Mann, umfassend ausgepackt und auch Namen der beiden Kontaktleute genannt, die nach ihm in Aachen verurteilt wurden. Der vor Gericht überraschend naiv wirkende Mann wurde 2002 wegen versuchten Mordes, Geldwäsche und Verstoßes gegen das Waffengesetzes zu fünf Jahren Haft verurteilt.

2006 wurde in Aachen der Bruder des Reemtsma-Entführers wegen Geldwäsche zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein früherer Knast-Kumpel und Freund des Reemtsma-Entführers legte 2008 wiederum in Aachen ein umfassendes Geständnis ab. Er hatte dafür gesorgt, dass große Teile des Lösegeldes versteckt und weggeschafft wurden. Er wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er glaube nicht, dass von dem Geld noch etwas übrig sei, hatte der Mann damals gesagt: "Ich denke, das ist alles verbraucht, irgendwo versickert, durch Fehlplanung und
Fehlinvestition."

Die Staatsanwaltschaft Aachen hat sich vor dem Prozess nicht auf die Frage eingelassen, ob es jetzt Chancen gibt, dem Lösegeld auf die Spur zu kommen. Als Zeugen sind nach Angaben des Gerichts auch die Rocker vorgeladen, die den Mann monatlich fürs Schweigen bezahlt haben sollen. Kaum vorstellbar allerdings, dass sie auspacken. Das Urteil wird für den 28. Oktober erwartet.


Hintergründe zur Entführung:

Gegen R. wird wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit dem bei der Reemtsma-Entführung im Jahr 1996 ermittelt. Foto: Guardia Civil
Geldwäsche Reemtsma-Lösegeld: Rocker-Erpresser ist in Deutschland

Gemeinsam mit seiner Schwester soll er Rocker erpresst haben. Ihre Drohung: Sie werden die Hintergründe zum verschwundenen Reemtsma-Lösegeld aufdecken. Nun wurde Horst R. nach Aachen überstellt.

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Auf Mallorca ist ein führendes Hells-Angels-Mitglied aus Frankfurt verhaftet worden. Foto: dpa
Polizei gegen Rocker in Deutschland und Spanien Reemtsma-Entführung: Spur des Lösegeldes führt nach ...

Seit rund 18 Jahren sind Fahnder auf der Suche nach dem Millionen-Lösegeld aus der Reemtsma-Entführung. Nun gibt es eine neue Spur. Sie führt in die Rockerszene – und nach Frankfurt.

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Das Polaroid-Foto zeigt Jan Philipp Reemtsma (überblendet) bei seinen Entführern. Das Foto wurde den Angehörigen als Lebensbeweis übermittelt. Foto: dpa
Reemtsma-Entführung: Wochen des Horrors

1996 wird Jan Philipp Reemtsma entführt und durchlebt Todesangst. Drahtzieher Thomas Drach wird zwei Jahre später in Südamerika gefasst und ist seit heute wieder auf freiem Fuß. Eine Chronologie der Ereignisse.

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Der Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma wird seine Entführung nie wieder vergessen können. Foto: Bodo Dretzke/Hamburger IfS
Jan Philipp Reemtsma: Ein starkes Opfer

Sein Entführer ist frei. Doch das bis heute verschwundene Millionenlösgeld wird Thomas Drach nicht ungestört verprassen können. Dafür will Reemtsa sorgen.

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Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach verlässt das Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel in Hamburg. Foto: dpa
Reemtsma-Entführer will ins Ausland

Vor 15 Jahren kam der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ins Gefängnis. Seit dem heutigen Montag ist er wieder auf freiem Fuß. Unser Special fasst die spektakulären Ereignisse rund um die dramatische Entführung zusammen.

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(dpa)
 
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