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Musikschule: Neuer Präsident braucht langen Atem

Von Elmar Fulda, der neue Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, tritt in wenigen Tagen sein Amt an. Seine größte Aufgabe: Er muss dafür sorgen, dass der Neubau der Hochschule auf dem Kulturcampus Bockenheim endlich losgeht und gut wird.
Prof. Christopher Brandt (links) und Prof. Elmar Fulda. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Prof. Christopher Brandt (links) und Prof. Elmar Fulda.
Frankfurt. 

Eine Wohnung hat er schon gefunden: Prof. Elmar Fulda wird ab 1. Oktober die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMDK) leiten. Für den Münchner, der noch in Weimar arbeitet, eine neue Umgebung: „Ich kannte bislang nur den Flughafen und den Hauptbahnhof“, sagte Fulda.

Für den jetzigen Präsidenten der HfMDK, Prof. Christopher Brandt, ist es kein Konkurrenzverhältnis. Doch, natürlich habe er, Brandt, in den vergangenen zwei Jahren, da er seine Heimathochschule kommissarisch leitet, überlegt, ob er für das Amt kandidieren werde. „Ich habe mich dann entschieden“, sagte er. Gegen die Kandidatur. Brandt will seiner künstlerischen und pädagogischen Aufgabe wieder näher kommen. Schon in den vergangenen zwei Jahren als Chef der einzigen  hessischen Hochschule für Musik und darstellende Künste

blieb Brandt, Professor für Gitarre, auf der Bühne. Er gab Konzerte. „Als Gitarrist kann man nicht einfach aufhören und zwei Jahre später wieder anfangen“, sagt er. Nicht nur, dass man aus der Übung komme. Auch die Kontakte gehen verloren, die Meisterschüler suchten sich andere Ausbilder und, und, und. So fiel seine Entscheidung für die Musik, für die Studenten, gegen das höchste Amt. Das zweithöchste jedoch, das des Vizepräsidenten, wird er behalten. Als Vizepräsident ist er auch 2016 ins Amt des Präsidenten aufgerückt, als Nachfolger von Thomas Rietschel. Und von Anfang an lediglich „kommissarisch“.

„Es hat alles seine Vorteile“, sagt Brandt. Ein Hochschul-Leiter, der wie er schon an der HfMDK studiert hat und buchstäblich jeden und alles kennt, könne schon voraussehen, wie die anderen auf diesen oder jenen Vorschlag reagieren werden. „Dagegen sieht jemand, der von außen kommt, wie Prof. Fulda, alles ganz anders und kann auch mutiger sein.“

Elmar Fulda – ein Regisseur, der diese künstlerische Tätigkeit zugunsten der Hochschulleitung aufgegeben hat – ist zurzeit Vizepräsident der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar. „Jetzt, wo ich weggehe, sehe ich, wie schön Weimar ist“, sagt er. Die Entscheidung gegen das Regieführen ist schon 2017 erfolgt, als er Vizepräsident in Weimar  wurde. „Ich habe Familie, der Beruf fordert mich – da musste ich Prioritäten setzen.“

Auch wenn, sagt er, ein Regisseur nicht unbedingt ein Tyrann sei, vielmehr ein Ideengeber, der den andere zu dem inspiriert, was sie sein könnten – also eher Lehrer als Diktator – so sei das Regiefach doch auch geeignet, um zu lernen, was man in Führungspositionen brauchen könne. „Ein Regisseur an der Spitze einer Hochschule, der die Fäden zusammenhalten und sich selbst zurücknehmen kann, ist nicht schlecht“, sagt er.

Die HfMDK wird in den kommenden Jahren ein neues Gebäude erhalten. Vor dem Stress, der einem Bauherrn bevorsteht, hat Fulda jedoch keine Angst. „Ich baue gerne.“ Brandt ist froh, die Angelegenheit so weit verfolgt und eingetütet zu haben, „dass jetzt jemand mit frischen Ideen das alles umsetzen kann.“

Fulda sieht hinsichtlich des Neubaus keine Schwierigkeiten. Ein zum Präsidenten gewählter Kandidat, Robert Höldrich, hatte vor Jahresfrist sein Amt nicht angetreten, weil Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) ihm keine zusätzlichen finanziellen Zusagen machen wollte. Zusätzlich über die 100 Millionen Euro hinaus, die im Rahmen des Programms Heureka für den Neubau der HfMDK im Etat stehen. Fulda hingegen, ein Jahr später, kommt gerade aus Wiesbaden zurück. „Mir wurde der rote Teppich ausgerollt“, sagt er. Mehr Geld? „Das Ministerium hat Unterstützung unserer Vorhaben in den Bereichen Ton- und Videostudio und Digitalisierung signalisiert. Darüber freuen wir uns sehr.“ Keine offenen Fragen mehr? Na dann...

Als gebürtiger Münchener ist Elmar Fulda eine Ausnahme: er spricht kein Wort Bayerisch. „Bei uns zuhause gab es das nicht“, sagt er. Nach dem Studium ging der 54-Jährige in die Selbstständigkeit, wurde freier Regisseur für Musiktheater, ehe er 2005 als Professor für szenische Darstellung an die Musikhochschule Weimar wechselte. Jetzt freut er sich auf die neue Aufgabe in Frankfurt: Das kleine Nest voller großer Genies auf einen neuen, schöneren Baum setzen – in eine neue Hochschule für die Musik und die darstellenden Künste . Ob allerdings seine Amtszeit von sechs Jahren dafür ausreicht, steht noch dahin. Ganz unmöglich ist es nicht. Darin sind sich Brandt und Fulda einig. Wie in vielem anderen auch.

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