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Fußball überwindet Grenzen: Neues Projekt soll noch gezielter die Integration durch Sport fördern

Von Interkulturelle Fußballturniere sind nicht neu: Sie sollen bewusst die Integration fördern. Damit dies noch besser funktioniert, arbeiten der Sportkreis Frankfurt und der Evangelische Verein für Jugendsozialarbeit zusammen: mit einem Turnier, dass Neuankömmlinge und Frankfurter beim „Futsal“ zusammenbringt.
In einer Spielpause ihrer Teams köpfen sich Muhammed Ismail (links) und Mehdi ein paar Bälle zu. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski In einer Spielpause ihrer Teams köpfen sich Muhammed Ismail (links) und Mehdi ein paar Bälle zu.
Fechenheim. 

Den Ball mit dem Kopf in der Luft zu halten, ist gar nicht so einfach. „Der springt nicht so gut“, sagt Mehdi (15), wirft den Ball hoch und köpft ihn Muhammed Ismail (20) zu – hin und her fliegt der Futsal-Ball. Er ist kleiner als ein normaler Fußball, und ja, er springt nicht so gut, denn das ist Absicht bei dieser Hallenfußball-Variante. Aber die Jungen haben Spaß, zehn Mannschaften aus ganz Frankfurt treten in der Fabriksporthalle in der Wächtersbacher Straße 80 an. Sie haben sogar extra dafür trainiert: Vier Wochen lang hat Futsal-Trainer Asif Razi von Cosmos Höchst sie in Regeln und spezielle Spielweisen eingeführt.

Nicht einfach nur Spaß

Was für die Jungen Spaß ist, hat für Thomas Kimmig vom Sportkreis Frankfurt und Tony Arefin vom Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit einen tieferen Sinn: Alle, die hier spielen, kamen in dem vergangenen zwei Jahren nach Frankfurt – und der Fußball soll ihre Integration beflügeln. An diesem Tag sind die Flüchtlinge noch unter sich. „Zum nächsten Turnier sollen auch andere Frankfurter Mannschaften kommen“, sagt Tony Arefin. Von Vereinen, aber auch Hobbykicker oder Teams der Bolzplatzliga.

Fast jeder Junge mag Fußball – weshalb der Sport als Hilfsmittel der Integration gut geeignet sei, sagt Thomas Kimmig. Bei jenen Mannschaften, die hier antreten funktioniert das bereits.

Mehdi etwa tritt für das Team der Mosaik-Gemeinde Frankfurt Nordwest an. „Wir spielen einmal pro Woche auf einen Kleinfeld der Ernst-Reuter-Schule. Das Spiel ist offen für alle, und so kommen neben Frankfurter Jungs auch viele Flüchtlinge“, sagt Pastor Jason Lim. Einer von ihnen ist Mehdi, der vor einem Jahr aus Afghanistan kam. „Natürlich macht es Spaß im Verein, meine Teamkameraden sind nett, auch das Training ist toll. Aber dort treffe ich meine Freunde und wir spielen einfach miteinander.“

Integration durch Fußball

Das Integration über den Fußball funktioniert, sieht auch Odette Barbosa de Lima vom Verein „Offenes Haus der Kulturen“, der die Flüchtlinge im „Labsaal“, der früheren Uni-Mensa in Bockenheim, betreut. „Dank des Sportvereins Blau-Gelb können wir einmal in der Woche in der Sophienschule spielen.“ Einige der Jungen kommen immer noch, obwohl sie längst ausgezogen sind, eine eigene Wohnung haben oder mit ihrer Familie nach Höchst oder Griesheim zogen. Der ein oder andere spielt inzwischen auch in Vereinen, etwa bei Blau-Gelb. „Und Muhammed Ismail hat jetzt sogar eine Einladung von Borussia Dortmund zum Training mit der zweiten Mannschaft bekommen.“

Der ist sichtlich stolz wegen dieser Chance, auch wenn der Traum vom Profifußball nicht an erster Stelle steht. „In meiner Heimat, in Syrien, habe ich als Software-Programmierer gearbeitet. Ich habe Fußball gespielt, aber nicht in einer der oberen Ligen“, sagt Muhammed Ismail. Bevor es nach Dortmund geht, muss er seine Deutschprüfung bestehen, sagt er. Und Barbosa de Lima hofft, dass ihm auch die Behörden keine Steine beim Umzug in den Weg legen.

Einige der Jungen spielen inzwischen in Vereinen – und mit Hilfe des Turniers wollen die Veranstalter das noch verstärken, sagt Tony Arefin. „Gerade für die bereits Volljährigen ist das wichtig, weil sie weniger Unterstützung bekommen als Minderjährige. Aber auch für sie ist die Teilhabe am öffentlichen Leben und eine soziale Anbindung wichtig.“

Sein Verein hat die sozialpädagogische Betreuung von 40 Intea-Berufsschulklassen übernommen, in denen viele Flüchtlinge sind. „Wir machen in der Schule eine Ausstellung über Flucht, bringen sie mit deutschen Schülern in Workshops oder über Biografie-Werkstätten zusammen, so dass sie mehr über einander erfahren.“ Aber das sei Teil des Schulalltags, quasi „Integrationsarbeit“. „Beim gemeinsamen Fußballspiel hingegen ist alles entspannt. Das ist eine ganz andere Ebene als in der Schule.“

 

Wer sich für das Turnier
interessiert kann per E-Mail an info@sportkreis-frankfurt.de Kontakt zu den Organisatoren aufnehmen.

 

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