Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C

Mainova dreht bei Fernwärme auf: Neues Verbundsystem vermeidet jährlich 100 000 Tonnen Kohlendioxid

Von Zehn Jahre hat die Mainova an der 13,5 Kilometer langen Fernwärmeleitung zwischen der Nordweststadt und Niederrad gearbeitet. Am Donnerstag ist der Verbund von vier Heizkraftwerken in Betrieb gegangen. Der Energieversorger sieht darin einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz.
Werksleiter Holger Knapp demonstriert, wie heißes Wasser aus dem Heizkraftwerk West in die Fernwärmeleitungen gepumpt wird. Foto: Heike Lyding Werksleiter Holger Knapp demonstriert, wie heißes Wasser aus dem Heizkraftwerk West in die Fernwärmeleitungen gepumpt wird.
Frankfurt. 

Abfall wird das ganze Jahr über produziert. Deshalb rauchen die Öfen im Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt ohne Unterbrechung. Die Anlage arbeitet an sich sehr effizient, sie erzeugt nicht nur Strom, sondern auch Wärme, mit denen Wohnungen in der Nordweststadt oder im Mertonviertel geheizt werden. Im Sommer allerdings wird die anfallende Wärme nicht benötigt – und deshalb, wie es die Mainova formuliert, „in der Atmosphäre abgekühlt“. Das bedeutet: Es wurde die Luft geheizt.

Jetzt aber gibt es die Möglichkeit, die Wärme quer durch die Stadt bis nach Niederrad und weiter zum Flughafen zu leiten, wo der Bedarf größer ist. Möglich wurde das durch eine 13,5 Kilometer lange Fernwärmeleitung, die von der Nordweststadt über die Universitätsstandorte Westend und Bockenheim zu den Heizkraftwerken Messe, West und Niederrad führt. Zehn Jahre hat das Projekt gedauert, 150 Millionen Euro hat die Mainova investiert. Davon entfielen 60 Millionen Euro auf den Ausbau der Fernwärme, rund 90 Millionen Euro auf den Umbau von Kraftwerken. Unter anderem wurden im Heizkraftwerk West eine neue Turbine sowie zwei gasbefeuerte Hilfsdampferzeuger für die Spitzenlast installiert.

Den Main unterquert

Bei der Verlegung der Rohre mit drei Metern Durchmesser gab es einige Hindernisse zu überwinden. Der Main musste ebenso in 15 Meter Tiefe unterquert werden wie das Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs. Allein diese beiden Projekte, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden, kosteten zusammen 14 Millionen Euro. Jetzt ist der Kraftwerksverbund in Betrieb, und das bringt nach Angaben von Mainova-Vorstandschef Constantin H. Alsheimer erhebliche ökologische Vorteile. 100 000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid würden künftig jedes Jahr eingespart. „Das entspricht der Menge, die eine Million Kühlschränke produzieren“, sagte er. Die verstärkte Nutzung der Fernwärme sei die kostengünstigste Form des Klimaschutzes.

Vorstandschef Alsheimer und Aufsichtsratschef Uwe Becker nehmen den Fernwärmeverbund in Betrieb. Bild-Zoom Foto: Heike Lyding
Vorstandschef Alsheimer und Aufsichtsratschef Uwe Becker nehmen den Fernwärmeverbund in Betrieb.

Die Einsparung kommt vor allem deshalb Zustande, weil die Wärme aus dem Müllheizkraftwerk besser genutzt wird und dafür weniger fossile Brennstoffe – das Heizkraftwerk West im Gutleut wird größtenteils mit Steinkohle betrieben – verfeuert werden müssen. Außerdem konnten veraltete dezentrale Anlagen wie das alte Heizwerk der Universität an der Gräfstraße in Bockenheim und das Blockheizkraftwerk am Palmengarten stillgelegt werden. Die Uni spielt beim Ausbau der Fernwärme eine entscheidende Rolle. Schon 2001 schloss das Land mit der Mainova einen Rahmenvertrag, wonach Liegenschaften des Landes – neben der Uni ist das zum Beispiel das Polizeipräsidium – mit Fernwärme versorgt werden. „Das garantiert uns eine gewisse Grundlast“, sagte Alsheimer. Künftig kommt auch die University of Applied Sciences, die frühere Fachhochschule, am Nibelungenplatz dazu. Dazu wird eine Stichleitung von der Adickesallee verlegt. An den Kosten beteilige sich das Land mit rund einer Million Euro, sagte Bernadette Weyland (CDU), Staatssekretärin im Hessischen Finanzministerium. Von der zusätzlichen Leitung profitierten auch andere: Der Investor, der auf dem Areal des ehemaligen Marienkrankenhauses Wohnungen bauen will, habe sein Engagement ausdrücklich vom Fernwärmeanschluss abhängig gemacht. Durch den neuen Verbund ist die Mainova auch offen für neue Kunden. „Die Nachfrage ist hoch“, sagte Alsheimer.

Weiterer Ausbau offen

Offen ist allerdings noch der weitere Ausbau des Netzes. So gibt es Überlegungen für eine Leitung quer durch die Innenstadt, um auch das Heizwerk an der Kurt-Schumacher-Straße anzuschließen. Dafür müsste unter anderem die Berliner Straße aufgegraben werden. Ob und wann die Pläne realisiert werden, steht noch nicht fest. Auch ein Bau einer Fernwärmeleitung nach Osten zum Biomasse-Kraftwerk Fechenheim ist bisher noch nicht konkret geworden. Insgesamt betreibt die Mainova in Frankfurt ein 290 Kilometer langes Fernwärmenetz, in dem bis zu 130 Grad heißes Wasser fließt.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse