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Schlagzeilen im Sommer: Neustart im Wirtschaftsclub Rhein-Main

Von Im Spätsommer ging es im Wirtschaftsclub Rhein-Main hoch her. Es ging um Kompetenzstreitigkeiten, Vorteilnahme, Bereicherung – bis hin zum Vorwurf der Veruntreuung von Geldern. Nun versucht der Club den Neustart. Der "Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft" dürfte dem zum Opfer fallen.
Wirtschaftsclub Rhein-Main e.V. am Rathenauplatz Foto: Heike Lyding Wirtschaftsclub Rhein-Main e.V. am Rathenauplatz
Frankfurt. 

Thomas Kremer ist ein ausgeglichener Mann. Der Unternehmensberater der Kronberger b-k-p Consulting steht seit Juli als Präsident dem Wirtschaftsclub Rhein-Main vor.

In dem 66 Jahre alten Verein rumorte es in diesem Jahr ordentlich – der im Sommer abgewählte Präsident des Clubs, Oliver Weiß, monierte die Intransparenz einer GmbH, die 2015 extra für die Verleihung des „Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft“ gegründet wurde. Dabei handelt es sich um das Aushängeschild des Clubs.

Allerdings konnte der alte Vorstand des Wirtschaftsclubs nicht nachvollziehen, wie und warum Gelder aus dem Verein in diese GmbH transferiert wurden – die Geschäftsführer der GmbH, allesamt auch im Vorstand des Wirtschaftsclubs, verweigerten dem Vernehmen nach die Einsicht von Unterlagen (wir berichteten).

Präsident Thomas Kremer Bild-Zoom
Präsident Thomas Kremer
Die Innovationspreis-Gala verursachte laut Informationen von Insidern ein hohes Minus. „Allein die Ausrichtung des Innovationspreises 2016 führte zu einem sechsstelligen Verlust. Genaue Zahlen liegen uns leider nicht vor, da man sich unzulässigerweise weigert, dem Vorstand des Vereins Rechenschaft abzulegen“, sagte der damalige Präsident Oliver Weiß.

Diese Schulden wurden damals offenbar zum großen Teil mit Vereinsgeldern ausgeglichen. Zum jeweiligen Ausgleich der Schulden dieser Galas – insgesamt weit über 100 000 Euro – gab es kein Okay von der Mitgliederversammlung, obwohl hier über das Geld der Mitglieder verfügt wurde.

Kommission eingesetzt

Kremer will nun einen radikalen Neustart. Aber einen ausgeglichenen, wie es seinem Naturell entspricht. Zur Klärung der Vorwürfe hat er eine Prüfungskommission samt Rechtsanwalt installiert, die nach seinen Worten nicht nur die Buchführung der vergangenen fünf Jahre, sondern auch die einzelnen Vorwürfe detailliert in mehreren Wochen Arbeit geprüft hat.

„Es lässt sich festhalten, dass es aus juristischer Sicht keine Bemängelungen aufzuzeigen gab“, sagt Kremer. Allerdings gibt er zu, dass vor allem die Höhe der gezahlten Provisionen zur Akquise von Sponsorengeldern in der Höhe von 20 Prozent „ein Geschmäckle haben“. Zumal diese Praxis, wie Recherchen dieser Zeitung ergaben, den Sponsoren nicht bekannt war.

Kremer greift nun durch: „Der Vorstand hat sich entschlossen, die satzungskonformen aber gerügten Zahlungen von Provisionen für die Anwerbung von Partnern und Förderern mit sofortiger Wirkung vollständig abzuschaffen.“

Neustart also. Allerdings wohl ohne den ehemals prestigeträchtigen „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft“. Hier scheint das finanzielle Risiko für den Verein dem neuen Vorstand doch zu hoch zu sein. Der Preis soll in Zukunft nur noch ausgelobt werden, wenn man einen Hauptsponsor findet. Da dieser aber einen sehr hohen sechsstelligen Betrag mitbringen müsste, ist der Preis wohl Geschichte. Die Sprachregelung aus dem Club dazu ist eindeutig: „Für den ,Innovationspreis der deutschen Wirtschaft‘ wird ein alternatives Betreibermodell diskutiert, da die mittlerweile sehr hohen Kosten der Organisation dieses seit 35 Jahren deutschlandweit ausgeschriebenen Preises nicht mehr alleinig von einem Verein getragen werden können. Gespräche hierzu sind aktiv im Gange“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung, die heute verbreitet werden wird.

Neue Akzente

Der neue Vorstand möchte nun andere Akzente setzen: mit Rednerabenden und Firmenveranstaltungen, die für die rund 1000 Mitglieder wieder interessante Netzwerkplattformen bieten. Als Redner für 2017 konnten laut Kremer Politiker wie Christian Lindner (FDP), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Omid Nouripour (Grüne) sowie mehrere Vorstandsvorsitzende namhafter Konzerne gewonnen werden. Ebenso soll das „Golfturnier der Deutschen Wirtschaft“ in seiner bekannten Form ab Herbst 2017 wieder fortgeführt werden. Dieses Turnier ist seit über 35 Jahren eines der Markenzeichen des Clubs. Für jüngere Mitglieder will Kremer den Club mit einer Reihe unter dem Titel „Young Professionals“ interessant machen. Der Coach und Professor Christian Zielke soll mit gezielten Angeboten vor allem Berufseinsteiger erreichen.

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