E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Stadtteilfest in Ginnheim: Nicht alle wollten nur feiern

Ginnheimer Vereine und Initiativen feiern in der Platenstraße ein Stadtteilfest. Weil das städtische Wohnungsbauunternehmen ABG dort auch seinen Geburtstag begeht, ist einigen nicht nach Feiern zumute. Während der Festrede des Oberbürgermeisters kommt es sogar zu einer kleinen Rangelei.
Oberbürgermeister Peter Feldmann schaut sich die Rangelei zwischen Roland Frischkorn und den Aktivisten skeptisch an. Oberbürgermeister Peter Feldmann schaut sich die Rangelei zwischen Roland Frischkorn und den Aktivisten skeptisch an.
Ginnheim. 

Der Sturm scheint vorbei, als Frankfurts Oberbürgermeister und ABG-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Feldmann (SPD) um 14 Uhr ans Mikro tritt. Feldmann freut sich, dass er noch nie so gut umsorgt und empfangen worden sei wie auf dem Ginnheimer Stadtteilfest, das an diesem Samstag zum ersten Mal steigt und bei dem gleichzeitig der 125. Geburtstag der ABG, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, gefeiert wird.

Doch der Gegenwind setzt ein, als Feldmann lobt, wie sehr sich die ABG seit ihrer Gründung für günstigen Wohnraum in Frankfurt einsetzt, dafür, dass auch Busfahrer und alleinerziehende Mütter sich Wohnungen leisten können. Der Applaus ist dünn und Feldmann auf einmal nicht mehr so willkommen wie anfangs noch gedacht. Dann stürmen Mitglieder der Initiative „Eine Stadt für Alle! Wem gehört die ABG?“ die Bühne und kritisieren die ABG für ihre Wohnungspolitik, die sich aus ihrer Sicht nicht für ihre Mieter einsetzt, sondern lediglich für ihre eigenen finanziellen Interessen. Roland Frischkorn, Mitarbeiter der ABG-Geschäftsleitung, reißt ihnen das Mikro aus der Hand. Dann liest Feldmann selbst die Stellungnahme der Initiative.

Bis wenige Tage vor der Veranstaltung standen das Stadtteilfest und der Geburtstag der ABG unter keinem guten Stern: Das Wohnungsbauunternehmen und die Initiativen hatten vereinbart, ein gemeinsames Fest für den Stadtteil steigen zu lassen, inklusive der Geburtstagsfeier der ABG. Weil deren Firmenlogo oben auf der Einladung prangte und die Initiativen unten als Veranstalter und Mitorganisatoren standen, fühlte sich mancher Verein in Ginnheim brüskiert, schließlich wäre die Feier ohne deren Stände eine kleine gewesen.

Ohne die ABG hätte es wohl aber auch kein Fest gegeben. „Sie hat für die Bühne, für Infrastruktur wie Strom gesorgt“, sagt Rachid Rawas, Vorsitzender des Vereins Ideal, der das Fest mit organisiert hat, und versucht ein wenig die Wogen zu glätten.

 

Harsche Kritik

 

Daniel von der Initiative „Eine Stadt für Alle! Wem gehört die ABG?“ ist dennoch nicht nach Feiern zumute. Dass sich die ABG hier in der Platenstraße mit ihrer sozialen Wohnungspolitik rühme, grenze für ihn an „Heuchelei“, sagt er. „Für Frankfurter Mieter der ABG gibt es zu viele offene Fragen, als dass sich das Unternehmen feiern sollte. Zum Beispiel zur Nachverdichtung und zur Bindung von Sozialwohnungen“, findet Daniel. Dass man die Party daher störe – damit müsse die ABG leben.

Auch Carlos aus Ginnheim, der in der Platenstraße Unterschriften gegen die Mietpolitik der ABG sammelt, will nicht gratulieren. „Ich zahle 10 Euro pro Quadratmeter. Wie soll ich mir das mit meiner niedrigen Rente noch länger leisten können“, fragt er.

Roland Frischkorn hält indes nichts von den Aktionen und wirft den Initiatoren schlechten Stil vor: „Wer Respekt fordert, sollte diesen auch zeigen und nicht stören.“

 

Stadtteilfest geht weiter

 

Letzten Endes bestimmen jedoch die fröhlichen Gesichter den Platz in der Platenstraße. Zum ersten Mal lassen Ginnheimer Initiativen und Vereine das Stadtteilfest steigen und stellen sich dabei vor. Auch der benachbarte Zirkus Zarakali und die Ginnheimer Feuerwehr sind mit von der Partie. Auf der Bühne stehen die Frankfurter Rapper „Azzis mit Herz“ und die blinden Musiker von „Blind Foundation“.

Helmut Rieker vom Ginnheimer Gewerbering ist zwar kein Mieter der ABG, hat allerdings Verständnis, wenn diese sich über zu hohe Mieten aufregen. Dennoch: „Beim Stadtteilfest sollte das aber nicht ausgetragen werden. Das Fest soll dazu dienen, die Menschen zusammenzubringen und sie nicht voneinander zu entfernen“, findet Rieker.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen