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Nicht nur Louis Armstrong war da

Gefeiert wird erst im Sommer, aber das Jubiläum ist jetzt: Die Jahrhunderthalle an der Pfaffenwiese wird 50 Jahre alt – und hat sich wieder zur Erfolgsstory entwickelt.
Viele Topstars standen auf der Bühne der Jahrhunderthalle. Zwei Jahre nach der Eröffnung im Jahr 1963 zählte der legendäre us-amerikanische Jazz-Trompeter Louis Armstrong zu den ersten.	Fotos: dpa / Reuß (2) / Privat Viele Topstars standen auf der Bühne der Jahrhunderthalle. Zwei Jahre nach der Eröffnung im Jahr 1963 zählte der legendäre us-amerikanische Jazz-Trompeter Louis Armstrong zu den ersten. Fotos: dpa / Reuß (2) / Privat
Höchst. 

Mit einem Festakt wurde am 11. Januar 1963 das 100-jährige Bestehen der Hoechst AG in der gerade frisch fertiggestellten Jahrhunderthalle gefeiert. Eine symbolische Mark war sie dann 1999 wert, als sie von der Hoechst-AG-Immobilien-Management-Tochter Areatis an die Deutsche Entertainment AG (DEAG) in Berlin verkauft wurde: Der inzwischen denkmalgeschützte Kuppelbau, 1962 / 63 errichtet, passte nicht in die Umstrukturierung und Neuausrichtung des Chemiekonzerns, der sogar noch 40 Millionen Mark Zuschuss für das bereits geplante Kulturprogramm drauflegte, um die Halle loszuwerden.

Inzwischen ist die Jahrhunderthalle, seit November 1999 unter der Leitung von DEAG-Managerin Uschi Ottersberg, wieder auf der Erfolgsspur: Die Halle finanziert sich nicht nur über Konzerte und Comedy, sondern ist das erfolgreichste Haus Deutschlands, was Großveranstaltungen wie Haupt- und Aktionärsversammlungen angeht. Zu den Kunden gehören der ADAC, Aventis Pharma, Deutsche Börse, Telekom, Commerzbank, Fraport, Merck, Pfizer und andere. Seit dem Wechsel wird die frühere Jahrhunderthalle Hoechst als Jahrhunderthalle Frankfurt vermarktet.

Tagungshotel fehlt noch

Aus dem Tagungshotel, das auf dem 120 000 Quadratmeter großen Grundstück gebaut werden sollte und über das schon 1999 gesprochen wurde, ist allerdings noch nichts geworden. Trotzdem wird die Halle profitabel betrieben – Verluste hatte es anfangs bei der von der früheren Hoechst AG initiierten Klassik-Reihe gegeben, die allerdings 2002 – drei Jahre nach dem Verkauf – zum Bedauern der Abonnenten eingestellt wurde.

Als die Halle auf dem freien Feld zwischen Zeilsheim und Unterliederbach gebaut wurde – übrigens auf Sindlinger Gemarkung –, hatte sie schnell einen Spitznamen weg, an den sich heute kaum noch jemand erinnert: Winnackers Wirtschaftswunderwarze. Der markante Kuppelbau, von der nahen A 66 und aus dem Vordertaunus gut sichtbar, wurde in der Ära des Hoechst-Vorstandsvorsitzenden Karl Winnacker (1903–1989) geplant und in Angriff genommen; der Architekt Friedrich Wilhelm Krämer bekam den Auftrag. Er gehörte zur "Braunschweiger Schule", einer in den 1950er und 1960er Jahren angesehenen Architekturrichtung. Andere Spitznamen waren "Pyramidom", frei nach dem Hoechster Schmerzmittel Pyramidon, oder schlicht "Iglu".

Damals Ungewöhnliches

Krämer schuf für die damalige Zeit Ungewöhnliches: Die runde Kuppel steht auf einer rechteckigen Basis, in der das Foyer und die kleineren Säle untergebracht sind. Die Kuppel selbst hat einen Durchmesser von 100 Metern und bietet dank ihrer Lamellendecke eine einzigartige Akustik. Der Kuppelsaal ist 4800 Quadratmeter groß und bietet Platz für bis zu 4800 Personen. Ein großer Pylon, der 1994 nach einem Sturmschaden neu aufgerichtet werden musste, stellte mit seinen 50 Metern Höhe den Radius der Kuppel dar.

Für viele ist die Halle so etwas wie eine Rock-Pilgerstätte: Hier spielten James Brown, Jimi Hendrix, hier gab Janis Joplin 1969 ihr einziges Konzert in Deutschland. Bei Hendrix randalierten Fans und warfen die vordere Glasfront der Jahrhunderthalle ein. Das führte zu einem Schaden von 40 000 Mark und der Erkenntnis, dass es für Rockkonzerte Sicherheitspersonal braucht. Eines der ersten Gastspiele gab allerdings 1963 das "Theater des Westens" mit "My Fair Lady"; die ersten Jahre waren zudem von Ringermeisterschaften, Basketballspielen und Tischtennis-Turnieren geprägt. Symphoniekonzerte, Operettenabende, Schlagerparaden und Volksmusik sorgten für eine ausverkaufte Halle.

Für die "Wiener Eisrevue" wurde die Halle gar zur Kunsteisbahn. Das ZDF drehte mehrere Shows der erfolgreichen Reihe "Der Goldene Schuß" mit "Onkel Lou" von Burg. Dabei, so erzählt man, soll der damalige hessische Landesvater Georg August Zinn mit der berühmten Armbrust nur deshalb nicht getroffen haben, weil er auf dem Fernsehschirm den Schatten des Ballons für den Ballon selbst hielt.

Duke Ellington, Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong waren da, aber auch Freddy Quinn, Hildegard Knef, Mireille Mathieu, Charles Aznavour – die Liste ist nach 50 Jahren endlos. Die "Ära Hocks" war eher geprägt von Namen wie Herbert von Karajan, Daniel Barenboim oder Georg Solti. Jetzt orientiert sich das Programm an der Nachfrage; Subventionen gibt es keine, Klassik-Abonnements sind ein unrentables Spartenangebot. Aber die Halle hat einen großen Namen, und wer sich die Autokennzeichen auf dem Parkplatz ansieht, weiß: Das Einzugsgebiet erstreckt sich über ganz Süddeutschland bis hinauf nach Hannover.hv

Das Programm ist im Internet unter www.jahrhunderthalle.de zu finden.

(Holger Vonhof)
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