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Stadtteil-Serie (Teil 4): Nied, ein Stadtteil zwischen Wassern

In unserer Serie haben wir in dieser Woche Nied unter die Lupe genommen. Der Stadtteil an Main und Nidda hat viele Probleme.
Ein Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Nied an deren Eingang in der Dürkheimer Straße. Der Bau der Unterkunft hat in Nied für Verängstigung gesorgt. Mittlerweile heißt es in Nied, dass sich die Flüchtlinge bereits besser integriert hätten als andere Mitbürger mit ausländischen Wurzeln. Bilder > Foto: Ben Kilb Ein Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in Nied an deren Eingang in der Dürkheimer Straße. Der Bau der Unterkunft hat in Nied für Verängstigung gesorgt. Mittlerweile heißt es in Nied, dass sich die Flüchtlinge bereits besser integriert hätten als andere Mitbürger mit ausländischen Wurzeln.
Nied. 

Das Privileg, direkt zwischen zwei Flüssen zu liegen, fällt als einzigem Frankfurter Stadtteil Nied zu. Im Norden grenzt der Ort an die Nidda, im Süden an den Main. Nied bildet das Mündungsdreieck der beiden Gewässer und ist über Frankfurt hinaus bekannt für die romantischen Flussaltarme entlang der Niddaauen.
Doch der Stadtteil hat es schwer, mit seiner Wasserlage für sich zu werben. Nied gilt vielen als einer der heruntergekommensten Stadtteile. Die Arbeitslosigkeit und Kriminalität sind im Vergleich zu den meisten anderen Orten in der Mainmetropole hoch, Einwohner klagen über integrationsunwillige Mitbürger, zunehmende Anonymität, Ladenleerstand und ein fehlendes Gemeinschaftsgefühl. Alteingesessene Nieder haben sich daher entfremdet von ihrem Stadtteil. Feste werden dort, wenn überhaupt, nicht mehr so groß gefeiert wie früher. Mancher Bürger traut sich nach Einbruch der Dunkelheit aus Angst vor Überfällen nicht mehr auf die Straße.

Aus Sicht der Nieder unternimmt die Stadt zudem wenig bis gar nichts, um dem gebeutelten Stadtteil zu helfen. „Es kommt einem halt so vor, als ob alles Schlechte von Frankfurt hier abgeladen wird und die Stadt nur dort Hand anlegt, wo die Reichen wohnen“, sagt Kioskbesitzer Roger Probst, der in Nied groß geworden ist, aber nur noch wenig Verbundenheit mit seiner Heimat verspürt. Es wirkt, als spülten die beiden Flüsse, an denen der Stadtteil liegt, das Negative nach Nied.
Fakt ist, dass der Ort seinen aus dem Keltischen stammenden Namen dem Fluss Nidda verdankt. Eingemeindet zu Frankfurt wurde das einstige Bauern- und Fischerdorf Nied im April 1928. Heute zählt der Stadtteil rund 20 000 Einwohner, die trotz all der Schwarzmalerei von ihrem Stadtteil das Vereinsleben einigermaßen intakt gehalten haben. Rund 50 Vereine finden sich im 3,72 Quadratkilometer großen Nied. FNP-Reporter Ben Kilb hat den Ort mit seiner Kamera erkundet.

Beliebtes Flussufer

Blick auf die Nidda-Stromschnellen bei Nied. Das Wildwasser ist durch Renaturierungsmaßnahmen in einem Altarm der Nidda entstanden. Das alte Niddawehr musste dafür verschwinden. Fischen bieten die Stromschnelle die Möglichkeit, den Fluss auf und ab zu schwimmen.

 


Ein Blick auf die Nidda-Stromschnellen bei Nied: Das Wildwasser ist durch die Renaturierung eines Altarms der Nidda entstanden. Das alte Niddawehr musste dafür verschwinden. Fische können daher nun problemlos den Fluss auf- und abschwimmen.

 

„Man muss keine Angst haben“

Mounir (18) und Tunsi (18) sind in Nied aufgewachsen, fühlen sich wohl dort und haben auch nicht vor, den Stadtteil zu verlassen. "Nied hat oft einen miesen Ruf, was aus unserer Sicht aber nicht gerechtfertigt ist. Angst muss man auf den Straßen Nieds nicht haben. Die Menschen hier halten zusammen, egal ob mit deutschen oder fremden Wurzeln", sagt Tunsi, der zudem findet, dass schlechte Erfahrungen einzelner auf ganze Kulturkreise im Stadtteil projeziert würden.

 


Mounir (18) und Tunsi (18) sind in Nied aufgewachsen, fühlen sich hier wohl und haben auch nicht vor, den Stadtteil zu verlassen. „Nied hat oft einen miesen Ruf, was aus unserer Sicht aber nicht gerechtfertigt ist. Angst muss man auf den Straßen nicht haben“, sagt Tunsi, der außerdem findet, dass „die Menschen hier zusammenhalten, egal ob mit deutschen oder fremden Wurzeln“.

 

Das Trennende zwischen Nord und Süd

Blick auf die Mainzer Landstraße, die Nied von Osten nach Westen durchzieht. Viele Gründe, im Stadtteil anzuhalten, liefert Nied entlang der Mainzer nicht.

 


Ein Blick in Richtung Westen auf die Mainzer Landstraße, die Nied von Osten nach Westen durchzieht – oder doch eher trennt? So empfinden die Hauptstraße samt der parallel verlaufenden Straßenbahnschienen viele Nieder. Deshalb fordern sie seit Jahren Verbesserungen und eine Umgestaltung. Doch die behördlichen Mühlen mahlen langsam, auch wenn am Nieder Tor etwas passieren soll.

 

Kompromiss Kerbeplatz

Der Kerbeplatz an der Nidda in Nied. Die Stadt hat hier in den letzten Jahren Geld in Verschönerungsmaßnahmen investiert. Der Platz wurde begrünt, Bänke wurden aufgestellt. Aus Sicht vieler Nieder war das jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Der Kerbeplatz an der Nidda in Nied. Die Stadt hat hier in den vergangenen Jahren weit mehr als 100 000 Euro in Verschönerungsmaßnahmen investiert. Der Platz wurde begrünt, Bänke wurden aufgestellt. Die neue Gestaltung ist allerdings ein Kompromiss zwischen Stadtgrün, Spiel- und Sportfläche sowie der Nutzung als Kerbe- oder Zirkusplatz. Aus Sicht vieler Nieder war dies daher nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, auch wenn die Kerb weiterhin am Niddaufer gefeiert werden kann.

Von der Kritik zur Integration

Der Hausmeister der Flüchtlingsunterkunft in Nied steht an deren Eingang in der Dürkheimer Straße. Der Bau der Unterkunft, die seit dem Frühjahr bezogen ist, hat in Nied für Verängstigung und Kritik gesorgt. Die insgesamt fünf zweigeschossigen Häuser bestehen aus Holzmodulen und bieten 34 Wohneinheiten. Insgesamt können hier rund 140 Menschen untergebracht werden. Und mittlerweile heißt es in Nied, dass sich die Flüchtlinge bereits besser integriert hätten als andere Mitbürger mit ausländischen Wurzeln.

Brennpunkt Hochhäuser

Blick auf sozialen Wohnungsbau in der Dürkheimer Straße in Nied. Das Hochhausviertel in der Dürkheimer Straße hat noch immer den Ruf eines sozialen Brennpunktes, auch wenn es solche Orte laut offizieller Sprechart in Frankfurt nicht mehr gibt.

 


Blick auf sozialen Wohnungsbau an der Dürkheimer Straße in Nied. Das Hochhausviertel rund um die Dürkheimer Straße hat noch immer den Ruf eines sozialen Brennpunktes, auch wenn es solche Orte laut offizieller Sprechart in Frankfurt nicht mehr gibt. Viele Nieder aber sehen das durchaus anders.

 

Unsichere Kioskbesitzer

Wenn etwas inflationär in Nied vorhanden ist, dann sind das Kaugummiautomaten. Wohl in keinem anderen Frankfurter Stadteil finden sich mehr alten Kästen. Während andernorts in Frankfurt Kaugummiautomaten abmontiert wurden, stehen sie in Nied sinnbildlich für einen in die Jahre gekommenen Stadtteil.

 


Erika und Volker Adler (links) führten jahrelang den „Kiosk am Treppchen“ an der Mainzer Landstraße in Nied. Vor etwa zwei Monaten hat nun Robert Probst die Geschäfte übernommen. Sie alle beschweren sich über den Sittenverfall, der seit Jahren in Nied anhalte. „Viele trauen sich hier abends nicht mehr auf die Straße. Der Umgangston ist rauer geworden“, sagt Erika Adler. Die früheren und der aktuelle Kioskbesitzer klagen vor allem über Osteuropäer und Nordafrikaner, die den Stadtteil „unsicher machen“.

 

Mitten in der Tristesse

Ein Café im Ortsmittelpunkt mit der Katholischen Markuskirche im Hintergrund. Im tristen Nied ist dies noch einer der schönsten Orte.

 


Das Eis-Café Riviera im Ortsmittelpunkt mit der Katholischen Markuskirche im Hintergrund. Im tristen Nied ist dies noch einer der schönsten Orte. Allerdings stehen auch hier die Stühle auf Parkplätzen.

 

Blick auf den Eschbach bei Harheim. Der Bach entspringt im Taunus und mündet am Rand von Harheim schließlich in der Nidda. Neben dem Stadtteil liegt auch das Harheimer Ried, das vielen Vögeln aus Brutplatz dient. Zur Brutzeit im Frühjahr sollte das Ried zum Schutz der Tiere jedoch nicht betreten werden.
Stadtteil-Serie (Teil 1) Der unbekannte Stadtteil: Harheim

46 Stadtteile hat die Stadt Frankfurt. In der neuen FNP-Serie "Der unbekannte Stadtteil" erkundet FNP-Reporter Ben Kilb jede Woche einen davon. Im Blickpunkt steht heute der etwas eigensinnige Stadtteil Harheim.

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Deutschland, Fechenheim, Mai 2017: Ebenfalls ein Bild, das man wohl nur in Fechenheim findet: Werner Weischedel und seine Frau Anne reiten mit zwei Schimmeln über den Linneplatz. Im Schlepptau haben beide zwei wei�e Schäferhunde sowie einen Rehpinscher, den die anderen Hunde als Herr im Haus akzeptieren, weil er der älteste Hund von Werner Weischedel ist.
Stadtteil-Serie (Teil 2) Fechenheim: Das Dorf in der Stadt

In unserer Stadteil-Serie haben wir Fechenheim unter die Lupe genommen. Trotz Industrie wurde hier der ursprüngliche Charakter bewahrt.

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BU: Petra Westermann (2.v.l.) mit ihrem Team in Westermann's Restaurant "Die weiße Lilie" auf der oberen Berger Straße. Bereits seit 30 Jahren arbeitet Westermann in dem Restaurant mit spanischer Küche und ist damit die dienstälteste Wirtin im Stadtteil
Stadtteil-Serie (Teil 3) Bornheim, pardon: Bernem - die Stadt in der Stadt

In unserer Stadtteilserie haben wir in dieser Woche Bornheim unter die Lupe genommen. Dort findet sich eigentlich fast alles, was der Mensch zum Leben braucht.

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Wer von der Niederräder Landstraße Richtung Niederrad kommt, kennt diesen Anblick: Das denkmalgeschützte Frauenhoftor und die dahinter liegende Mainfeld-Siedlung. Beide sind Niederräder Wahrzeichen, auch wenn letztere wohl nie unter Denkmalschutz gestellt wird.  Fotos: Michael Faust
Stadtteil-Serie (Teil 5) Niederrad, ein Ort der Gegensätze

In unserer Serie haben wir in dieser Woche Niederrad unter die Lupe genommen. Während im Süden ein ausgedehntes Villenviertel liegt, ist das Mainfeld ein Sorgenkind.

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