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Stadtteil-Serie: Nieder-Erlenbach: Die Idylle am Bach

Wohl kaum einen Ort in Frankfurt prägen Landwirtschaft und Obstbau so sehr wie Nieder-Erlenbach, Frankfurts nördlichsten Stadtteil. Nahe an Bad Vilbel oder Bad Homburg gelegen, ist der Stadtteil landschaftlich wie ökonomisch bereits der Wetterau zuzuordnen. FNP-Reporter Ben Kilb hat sich in Nieder-Erlenbach umgeschaut.
Nieder-Erlenbach. 

Ein Dutzend landwirtschaftlicher Betriebe und vier Gärtnereien gibt es hier, denen der Wetterauer Lößboden gute Erträge ermöglicht.

In der über 1340-jährigen Historie des 779 im Lorscher Kodex erstmals erwähnten Ortes Arilbach hat dieser mehrmals den Besitzer gewechselt. Verschiedene Klöster, die Reichsstadt Frankfurt, Preußen und das Großherzogtum Hessen-Darmstadt hatten im Lauf der vergangenen Jahrhunderte abwechselnd das Sagen, bevor Nieder-Erlenbach nach Frankfurt eingemeindet wurde . Die Menschen im Ort lehnten sich dagegen jedoch weitaus weniger auf als ihre Nachbarn aus Nieder-Eschbach oder Harheim. Schließlich hatte Nieder-Erlenbach schon Schlimmeres erlebt. Etwa zwei Großbrände, die den Ort im 16. Jahrhundert zwei Mal fast völlig zerstörten.

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In den vergangenen Jahren wuchs der Stadtteil durch seine zahlreichen Neubaugebiete. Zwei weitere sind in der Planung: „Westrand“ entlang der Umgehungsstraße und „Südlich Am Riedsteg“ am neuen Friedhof. Sind diese bezogen, wächst der Stadtteil auf 5700 Einwohner.

Die nötige Infrastruktur für das Bevölkerungswachstum muss noch geschaffen werden. Im Moment gibt es einen Supermarkt und einen Discounter, eine Grundschule, eine private Förderschule mit Wohngruppen sowie die private Anna-Schmidt-Schule. Die Autobahn A 661 ist sechs Kilometer entfernt, schneller ist man auf der B 3a in Bad Vilbel. Nur drei Buslinien verbinden Nieder-Erlenbach mit anderen Frankfurter Stadtteilen. Einige Einwohner wünschen sich daher einen Anschluss ans U-Bahn-Netz. Mit dem Ortsbeirat 13 verfügt der Stadtteil über ein eigenes Parlament. Kennenlernen können die Neubürger die Alteingesessenen am besten auf der Kerb, die mindestens seit dem Jahr 1537 stattfindet.

Seinen Namen verdankt der Ort dem gleichnamigen Mittelgebirgsbach, der im Taunus entspringt und sich ein paar Kilometer vor seiner Mündung in die Nidda im Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim auch durch Nieder-Erlenbach schlängelt. Einen Beitrag zum Aufbau der Fischbestände leistet der engagierte Angelsportverein Erlenbach, der hier aber nur selten angelt.

Es plätschert: Romantisch schlängelt sich der Erlenbach durch Nieder-Erlenbacher. Der Bach trug einst den Namen Arilbach. Er entspringt im Taunus, mündet in Bad Vilbel-Massenheim in die Nidda und galt im 18. Jahrhundert als forellenreichstes Gewässer des Vordertaunus. Vor 30 Jahren jedoch gab es keine Fische mehr. Die Angler des Stadtteils halfen, ihn zu reinigen, so dass hier nun auch wieder Forellen laichen. Im Jahr 2011 warnte das Bundesamt für Risikoschutz, es gebe gefährliche EHEC-Bakterien im Bach. Gemüsebauern im Stadtteil erlitten massive Umsatzeinbußen. Die Meldung entpuppte sich aber als Fehlalarm.

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Fachwerkhäuser und enge Straßen: Nieder-Erlenbach hat seinen dörflichen Charakter bewahrt. Im alten Ortskern stehen liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser. Doch die Gassen sind eng und kurvig. Nur mit Mühe können Busse das Nadelöhr in der Straße Alt-Erlenbach passieren. Eine Lösung sollte das Konzept „Shared Space“ bringen. Verkehrsschilder wurden abmontiert, die Rad- und Autofahrer sowie Fußgänger sollten aufeinander mehr Rücksicht nehmen. Das missglückte allerdings und so wurde der Versuch nach drei Jahren wieder beendet. Heute ist die Straße im alten Ortskern ein „verkehrsberuhigter Bereich“.

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Sage über Schneider: Am Ortsrand von Nieder-Erlenbach stößt man auf das sogenannte „Schneiderkreuz“. Seinen Namen verdankt es einer Schere, die darauf eingeritzt ist. Nach mündlicher Überlieferung sollen sich hier vor langer Zeit zwei Schneider gegenseitig erschlagen haben. Allerdings handelt es sich nicht mehr um das Original-Kreuz, da dieses in den 1970er-Jahren gestohlen wurde.

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Ein Schloss als Seniorenresidenz: Heinrich Ludwig von Lersner aus der gleichnamigen Frankfurter Patrizierfamilie ließ das Lersner’sche Schloss im Jahr 1768 errichten. Seiner Familie diente es als Wohnsitz, außerdem betrieb sie dort eine Pferdezucht. Ende des 19. Jahrhunderts wurden an dem barocken Herrenhaus bauliche Veränderungen vorgenommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Familiengut verkauft. Vor einigen Jahren wurde es aufwendig saniert und beherbergt heute eine Seniorenwohnanlage.

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Alter unbekannt: Das genaue Baujahr der Evangelischen Kirche ist nicht  bekannt. Im Stadtteil erzählt man aber, dass sie mehr als 800 Jahre alt ist. 1955 wurde der Innenraum neu geordnet, der östliche Teil der Nordempore wurde abgebrochen und die Kanzel an ihren ursprünglichen Platz gestellt.

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Ein Treffpunkt für Skater: Samstagsnachmittags trifft man Johannes Wicht (Mitte) auf der Skateanlage am Rand des Stadtteils. Meistens sind Anna (16) und Lian (9) dabei. Wicht betreut die Jugendlichen, die dort skaten, leitet Workshops auf der Anlage. Weil er ihre Leidenschaft teilt, steigt er oft auch selbst aufs Board. Dass die Skateanlage seit zwei Jahren wieder ein beliebter Treffpunkt für Kinder und Jugendliche ist, ist dem Nieder-Erlenbacher Ortsbeirat zu verdanken. Der hatte seit dem Jahr 2010 die Sanierung der Anlage gefordert. Fünf Jahre später nahm die Stadt 77 000 Euro in die Hand und ließ die Anlage sanieren.

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Botschafter des Apfelweins: Andreas „Bobo“ Schneider sieht sich als Botschafter des Apfelweins. Seine edlen Schoppen keltert er aus mehr als 100 historischen Sorten, die auf großen Streuobstwiesen am Ostrand des Stadtteils wachsen. Die preisgekrönten Bio-Produkte schenken mittlerweile sogar Sternerestaurants aus. „Bobos“ Eltern, Albert und Waltraud Schneider, gründeten den „Obsthof am Steinberg“ bereits im Jahr 1965.

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Eine scharfe Pizza: Die Pizza „Bunga Bunga“ hat es in sich. Kreiert hat sie Salvatore Indovino (rotes Hemd), Inhaber der Pizzeria da Bruno. Die Zutaten Zucchini, Krabben, Peperoniwurst, Broccoli, und Spinat sollen die Manneskräfte stärken. In dem Stehlokal,Neue Fahrt 10, trifft sich Jung und Alt aus dem Stadtteil. Bruno Milani gründete das Lokal 1979, es war die erste Pizzeria im Stadtteil.

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Streitbarer Landwirt: Im Winter hat Matthias Mehl nicht ganz so viel zu tun. Er bewirtschaftet mit seiner Familie in sechster Generation einen Ackerbaubetrieb mit Zuckerrübenanbau und Getreidesaatgutvermehrung. Viele Jahre lang war Mehl Nieder-Erlenbachs Ortsvorsteher, seit diesem Jahr ist er ehrenamtlicher Stadtrat. Für Schlagzeilen sorgte der streitbare Kreislandwirt, als er sich mit den Umweltschutzverbänden Bund und Nabu gegen die Pläne von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wandte, im Frankfurter Norden einen neuen Stadtteil zu bauen.

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