Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C

Mitarbeiter begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen: Niederrad: Kontakte knüpfen in der Kleiderkammer

Der Sommer gönnt sich dieser Tage eine Pause, nicht so die Mitarbeiter der Kleiderkammer für Geflüchtete des Gemeindezentrums St. Jakobus. Nach fast zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit ziehen die Mitarbeiter Bilanz und gewähren uns einen Einblick in ihren Alltag.
Initiatorin Monika Nicol sucht derzeit vor allem Sommerkleidung. Tofiq (li.) und Afcwrki helfen ihr beim Durchsuchen der Spenden. Foto: Michael Faust Initiatorin Monika Nicol sucht derzeit vor allem Sommerkleidung. Tofiq (li.) und Afcwrki helfen ihr beim Durchsuchen der Spenden.
Niederrad. 

Auf den ersten Blick wirken die beiden hellen Räume der Kleiderkammer für Geflüchtete im ersten Stock des Gemeindezentrums St. Jakobus wie eine kleine moderne Modeboutique. Vor einer roten Backsteinwand stehen Kleiderstangen mit Hemden, Hosen und Shirts Einige sich neugierig umschauende Menschen stöbern in den Klamotten und halten hin und wieder ein schönes Stück an. Zur Zeit ist leichte Sommerkleidung unter den zumeist männlichen Kunden besonders gefragt. Längst ist die Kleiderkammer jedoch mehr – aus der Spendenausgabe wurde ein Ort der Begegnung.

Deutsche Witze zum Tee

Im Raum nebenan, der Teestube, sitzen fünf junge Männer im Alter von 20 bis 30 Jahre aus Eritrea um einen Tisch und unterhalten sich bei Kaffee, schwarzem Tee und Kuchen über einen Ausflug ins Speyerer Technikmuseum. Was sie gesehen und was ihnen gefallen habe, fragt Werner Beddrich, der das Sprachcafé leitet. „Am besten hat mir der Rolls Royce gefallen“, berichtet Anur Zeyn. „Ja, und der 3D-Film, der blaue Planet“, fügt ein anderer hinzu.

„Wir sind ein offener Treff und unterhalten uns hier über Gott und die Welt“, kommentiert Beddrich das Gespräch mit einem Lächeln. Er leitet das Sprachcafé und bietet darüber hinaus auch Deutschunterricht an. „Wir sind ein ganz gemischter Haufen, aber wir reden nur Deutsch in der Runde. Vom Diktat bis Witze erzählen machen wir hier alles mögliche. Und viel Zucker in den Kaffee“, ergänzt Beddrich und bringt damit alle zum Lachen.

Auch Mohamed Majd Abu Ras genießt die entspannte und freundschaftliche Atmosphäre in der Gemeinde. Der 23-Jährige kam zunächst auch um Hilfe zu erhalten, nun packt er selbst mit an. Für das Zuckerfest, die Abschlussfeier des Fastenmonats Ramadan, hat er für alle gekocht. Bei Reis mit Erbsen und Rindfleisch feierten 25 Leute gemeinsam in den Gemeinderäumen, wie er auf einem Handyfoto zeigt.

Das Projekt entstand im November 2015 im Rahmen des Netzwerks Migration Frankfurt, einer gemeinsamen Initiative der Paul-Gerhardt-Gemeinde und der Gemeinde Mutter vom Guten Rat. Als die Initiatorinnen Monika Nicol und Birgit Lenz den Entschluss fassten sich für geflüchtete Menschen zu engagieren und die Kleiderkammer ins Leben riefen, war jedoch der Erfolg und vor allem die Entwicklung noch nicht abzusehen. Aber es dauerte nicht lange bis klar geworden sei, mit Kleidung alleine ist es nicht getan. „Die Menschen kamen mit Schreiben, die sie nicht verstehen oder wir begleiteten sie bei Behördengängen, daraus sind auch enge private Kontakte entstanden“, berichtet Nicol.

Auch das Sprachcafé hätte sich so ganz nebenbei ergeben, ergänzt Birgit Lenz. Die Menschen seien gekommen, um mit anderen in Kontakt zu treten und Deutsch zu sprechen. Irgendwann hätten sie Kaffee und Kuchen mitgebracht.

Helfer willkommen

Nach fast zwei Jahren ehrenamtlicher Arbeit ziehen die Mitarbeiter eine positive Bilanz. „Unsere Arbeit wird angenommen, die Leute sind hilfsbereit und sehr dankbar“, resümiert Nicol. Ihr einziger Wunsch sei, „dass sich mehr Bürger ehrenamtlich engagieren“. Wenn jeder einen kleinen Beitrag leiste, gäbe es kein Flüchtlingsproblem mehr, bemerkt Birgit Lenz und lädt interessierte Menschen auf einen Tee oder ein nettes Gespräch in die Teestube ein. „Das hilft auch, Berührungsängste abzubauen.“ Außerdem erfahren die Gäste viel von anderen Kulturen und Religionen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse