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Stadtteil-Serie, Teil 35: Niederursel: Wo einst die Mühlen klapperten

FNP-Fotograf Ben Kilb hat sich im Rahmen unserer Stadtteil-Serie diesmal im „Mühlendorf“ umgesehen.
Niederursel. 

Das Plätschern des Urselbachs bestimmt die Geräuschkulisse in Niederursel. Bloß das Quietschen der U-Bahn-Räder stört alle paar Minuten die Ruhe. An vielen Orten im Stadtteil fühlt man sich aufgrund der hohen Dichte an Fachwerkhäusern und Hofreiten wie in einer Frankfurter Variante des Hessenparks. Die vielen Mühlen im Dorf wurden im Lauf der Jahrhunderte jedoch aufgegeben. 34 waren es einst, Getreide und Papier wurden dort hergestellt, Tabak getrocknet. Doch die Idylle im Stadtteil trügt ein wenig. Als Niederursel im Jahr 1910 eingemeindet wurde, hatte der Ort schon einige bewegte Jahrhunderte hinter sich. Mit wechselnden Besitzverhältnissen. Davon zeugen heute noch zwei Rathäuser. Denn die Stadt Frankfurt und die Grafen von Solms-Rödelheim hatten den Ort unter sich aufgeteilt, bis die Preußen im Jahr 1866 für ein geeintes Dorf sorgten.

Die Ruhe im Stadtteil hielt aber nur einige Jahrzehnte: Bis in die 1990er-Jahre verstopften täglich Tausende Autos den alten Ortsteil. Dann sorgte der Bau der Umgehungsstraße von der Nordweststadt nach Oberursel schlagartig für Stille. Nun aber fürchten sich viele vor der Rückkehr der alten Verhältnisse. Auf den Feldern zwischen Niederursel, Praunheim und Steinbach soll einer neuer Stadtteil für 30 000 Menschen entstehen. Auch im Mühlendorf regt sich Widerstand. Doch ein Spaziergang entlang des Mühlenwanderwegs lohnt sich immer. Im alten Ortskern lassen sich zudem etliche gepflegte Fachwerkfassaden bestaunen, von denen die älteste aus dem Jahr 1581 stammt. Die anthroposophische Bildungsstätte „Der Hof“ in Alt-Niederursel lädt zur Kaffee und Kuchen und zahlreichen Veranstaltungen in ihrer restaurierten Hofreite. Trotz aller Dörflichkeit ist Niederursel kein kleiner Stadtteil. Über 15 000 Menschen leben dort auf einer Fläche von rund acht Quadratkilometern, wobei ein Großteil allerdings im Viertel Nordweststadt wohnt, das zum Niederurseler Ortsbezirk gehört. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1132.

Schöner Wohnen

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Blick in die einstige Tabakmühle im Niederurseler Krautgartenweg, wo einst Tabak zum Trocknen aufgehängt wurde: 34 Mühlen – so viele wie in keinem anderen der heutigen Stadtteil – gab es einmal im Ort. Sie alle wurden vom Urselbach in Gang gehalten. Heute klappert keine mehr, doch viele Mühlengebäude wie diese existieren noch. In der Schilamühle haben sich Betriebe niedergelassen, in das denkmalgeschützte Gebäude auf dem Hofgut Obermühle sind fünf Mehrfamilienhäuser mit 35 Eigentumswohnungen eingegliedert worden.

Mehrere Jahrhunderte im Besitz zweier Herren

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Als einziger Frankfurter Stadtteil verfügt Niederursel über zwei ehemalige Rathäuser. Eines davon, das „Frankfurter Rathaus“ hat die Adresse Alt-Niederursel 38, das Pendant heißt „Ehemaliges Solm-Rödelheimsches Rathaus“ und steht nur ein paar Meter weiter südlich mit der Hausnummer 29. Dieses Kuriosum verdankt Niederursel dem Umstand, dass der Ort mehrere Jahrhunderte lang zwei Herren gehörte. Im Jahr 1437 hatte der damalige Vogt Henne von Ursel die Rechte am Dorf wegen Geldnöten an die Stadt Frankfurt und gleichzeitig an einen Ritter aus dem Taunus verkauft, der seinen Teil später an die Herren von Solms-Rödelheim veräußerte. Erst im Jahr 1866 vereinigte sich Niederursel unter preußischer Herrschaft.

Na denn Prost!

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Nur wenige Meter vom Stadtrand entfernt findet sich eine von Frankfurts schönsten Landgaststätten. Wer mit der U-Bahn nach Niederursel fährt, der tritt vom Bahnsteig praktisch in den „Lahmen Esel“, wo Thomas Metzmacher seit fast 25 Jahren die Geschäfte führt. Die Gaststätte hat sich bestens gehalten, existiert sie doch schon seit dem Jahr 1807. Bis Anfang der 1970er Jahre war die Gaststätte in Familienhand. Danach wurde sie zum Pachtbetrieb, in dem Metzmacher und seine Mannschaft Frankfurter und regionale Küche servieren.

In neuem Glanz

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Die evangelische Gustav-Adolf-Kirche erinnert mit ihrem Namen an das traurigste Kapitel der Niederurseler Geschichte zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert. Die Pest, mehrere Großbrände und Plünderungen vor allem im Dreißigjährigen Krieg erschütterten den Ort. Die Kirche trägt den Namen des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der gegen Kaiser und katholische Liga den deutschen Protestantismus verteidigte. Das Gotteshaus selbst entstand dagegen 1927/1928 nach Plänen von Gerhard Planck und Martin Elsaesser, von dem unter anderem auch die Frankfurter Großmarkthalle stammt. Unlängst wurde der Innenraum restauriert. Dabei erhielt er auch seine alte Farbigkeit zurück.

Vom Feldberg bis zur Nidda

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Der Urselbach entspringt nahe des Großen Feldbergs im Taunus. Bei Heddernheim mündet er in die Nidda. Unterwegs trägt er aber zur Niederurseler Ortsidylle bei.
Früher speiste der 18,5 Kilometer lange Bach zahlreiche Mühlen im Stadtteil. Aktuell bereitet der Bach aber Sorgen: Gesundheitsexperten haben in ihm im vergangenen Jahr multiresistente Keime gefunden, die gegen viele Antibiotika-Mittel widerstandsfähig sind. Als Quellen davon kommen Kläranlagen, aber auch landwirtschaftliche Betriebe infrage.

Das lange Warten auf einen neuen Platz

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Munir trainiert die F-Jugend der Spielvereinigung 1919 Niederursel. Die jungen Fußballer müssen weiterhin oft mit dem Hartplatz Vorlieb nehmen. Seit über 20 Jahren kämpft der Verein für einen Kunstrasenplatz. Doch weil der Urselbach hin und wieder über sein Ufer tritt und der Bau eines neuen Platzes sich nicht mit dem Landschaftsschutz vereinbaren lässt, konnte die Stadt dem SV Niederursel bislang noch nicht helfen. Erfolge feiert der Verein dennoch, wie die drei Aufstiege des Frauenteams in fünf Jahren zeigen.

Herr der Hühner

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Seit mehr als 200 Jahren betreibt die Familie Stark Landwirtschaft in Niederursel. Heute ist das Familienoberhaupt Martin Stark, auf dessen Burghof seine Hühner im Jahr rund acht Millionen Eier legen. Seit kurzem widmet sich Stark nicht mehr nur der Landwirschaft, sondern betreibt auf seinem Hof auch eine Konzert-
und Partylocation.

Kaffee, Kuchen & Kultur

Bild-Zoom Foto: Ben Kilb

Blick auf das Café der Begegnungsstätte „Der Hof“, der von Anthroposophen betrieben wird: Geboten werden zudem Seminare und Vorträge mit den Themen Pädagogik, Therapie, Kultur, Gesundheit und Spiritualität. Im „Hof“ finden sich zudem ein Naturkostladen, eine Bildhauerei sowie Praxen von Ärzten und Therapeuten.

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