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Ausverkauf bei Kostümverleih: Noch reichlich Kostüme zu haben

Der Ausverkauf beim Kostümverleih Jansen endet nicht wie geplant zum Jahresende, sondern erst nächsten Mai oder Juni. Kunden sind vor allem Experten – aber vielleicht ist ja auch etwas für die morgen beginnende Karnevalskampagne dabei.
Lydia Jansen vor den Bildern der zahlreichen Prominenten, die zu den Kunden des Kostümverleihs gehörten. Foto: Heike Lyding Lydia Jansen vor den Bildern der zahlreichen Prominenten, die zu den Kunden des Kostümverleihs gehörten.
Eschersheim. 

„Hier bleiben wir nicht, sagte ich damals zu meinem Mann. Die Halle, eine ehemalige Autowerkstatt, war rabenschwarz, ölverseucht“, erinnert sich Lydia Jansen an den Umzug des Traditionsunternehmens Kostümverleih Jansen von der Gutleutstraße 30 nach Alt-Eschersheim. Sie blieben dennoch und etablierten den Fundus des 1913 gegründeten Verleihs zu einer nationalen Größe.

Im vergangenen Jahr aber entschloss sich die Witwe zum Abverkauf der rund 100 000 Kostüme und Accessoires, darunter wertvolle alte Raritäten, die bei Theatern und Sammlern hochgeschätzt sind. Keine finanzielle Schieflage bestand, nur der Wunsch nach mehr privater Zeit, auch für die Enkel. Während sich daraufhin Interessenten aus ganz Deutschland die Klinke in die Hand gaben, wurde Lydia Jansen klar, so schnell geht das nicht. Eigentlich sollte schon bis Jahresende alles weg sein. Viele Gespräche mit Kunden, namentlich Stadttheater und Filmleute, die sie seit Jahrzehnten kennt, Sonderwünsche, das sorgfältige Abwägen, was im Familienbesitz bleibt und was verkauft werden kann – all das brauche Zeit.

Abschied aus einem Zuhause

„Wir verkaufen daher aus dem Fundus noch bis Mai oder Juni nächsten Jahres“, wandert ihr Blick durch die noch gut gefüllte Halle. Wenn sie in den langen Gängen links und rechts nach Textilien greift, etwa eine restaurierte Rokoko-Seidenweste hervorholt, die der Unternehmensgründer Johann Caspar Jansen (1878 – 1956), ein Uniformschneider, anfertigte, spürt man, dieser Abschied ist auch der aus einem gefühlten Zuhause. Gleichzeitig freut sie sich auf das, was danach kommt. Das Grundstück wird verkauft und neu bebaut, Wohnungen entstehen. Harmonisch soll das Familienwohnhaus aus dem 19. Jahrhundert integriert werden. Lydia Jansen zeigt in ihrem Büro auf eine Postkarte aus der Zeit um 1900. „Wo wir sind, war einmal die Apfelweinwirtschaft ,Zur Schönen Aussicht‘, alles ringsum war unbebaut, alles frei und mit Spazierwegen, auf denen die Gäste kamen.“

Im Treppenhaus der großen Halle sind die Emailschilder versammelt, mit denen der Gründer am Haus auf seinen „Kostümverleih für Theater, Oper, Varieté und den privaten Gebrauch“ aufmerksam machte. Zunächst an der Bergerstraße, dann Elbestraße 19, erster und zweiter Stock. Anfangs schneiderte Johann Caspar Jansen noch im eigenen Wohnzimmer. Schnell stieg die Nachfrage. „Seinerzeit war Frankfurt eine richtige Vereinsmeier-Stadt. Fast jeder Karnevalverein hatte seine Theatergruppe“, sagt Lydia Jansen, die ihre Friseurausbildung beim Londoner Starfriseur Vidal Sassoon abrundete. Schon lange ist sie Expertin in Sachen Kostümgeschichte, von ihrem Schwiegervater Hans Otto Jansen (1906 – 1998) und ihrem Ehemann, dem Enkel des Gründers, Gerhard Jansen, lernte sie das Geschäft von der Pike auf. Aus der Vorkriegszeit hat sie noch hunderte Gehröcke, die auf Träger warten, die solche raren Kleinode zu schätzen wissen.

„Mein Schwiegervater konnte sehr gut mit Liesel Christ“, erzählt Lydia Jansen. Ganze Wände sind den Prominenten gewidmet, die sich hier für Bühne und Film einkleiden ließen, Mario Adorf, Dennis Hopper, Otto Waalkes und viele mehr. „In den fünfziger Jahren kamen dann die von Städten organisierten historischen Festzüge auf. Noch 1990 belieferten wir an einem Wochenende ein Stadtfest mit rund 2500 Kostümen.“

Eine Erinnerungstafel

Beim Abverkauf wird deutlich: „Es sind weniger die Frankfurter, die kommen, als Experten aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Die Weltkriegsuniformen samt Zubehör waren sofort weg.“ Auch hätten sich Gewandmeister renommierter Theater Schätze geholt, Waffen und „Dinge, die man heute so nicht mehr finden“, sagt die Chefin. Noch reichlich zu haben sind Mittelalter-Schuhe, Kostüme für Prinzenpaare, Rokoko-Pracht, Kaiserin Sissi-Chic sowie Kleider und Uniformen aus der napoleonischen Zeit. Mit vielem ließe sich auch modernes Interieur aufpeppen und dekorieren, etwa mit einem nostalgischen „Schärmsche“, Regenschirm, oder mit den riesigen Tierköpfen. Wenn der neue Wohnkomplex steht, wird in dessen Foyer eine alte Reklametafel im Kinostil an den Verleih erinnern, „das ist ausgemachte Sache, das Schild bekommen sie geschenkt“, kündigt Lydia Jansen an.

Verkaufsoffen zum Karneval

Der Kostümverleih Jansen, Alt-Eschersheim 2, hat am morgigen Samstag zum Karnevalsstart von 10 bis 15 Uhr geöffnet.

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