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Ausstellung: Notsituationen damals und heute

Von Zum 100-jährigen Bestehen des Frankfurter Gesundheitsamts blickt die Ausstellung „Auf Herz und Nieren. Geschichte des Frankfurter Gesundheitswesens“ im Institut für Stadtgeschichte auf die Anfänge im Mittelalter und die bittere Zeit im Ersten und Zweiten Weltkrieg zurück.
Kuratorin Sabine Börchers vor Wandtafeln und Exponaten der Ausstellung im Karmeliterkloster. Foto: Michael Faust Kuratorin Sabine Börchers vor Wandtafeln und Exponaten der Ausstellung im Karmeliterkloster.
Frankfurt. 

Heimtückisch wird die zunehmend abgemagerte Hausfrau von einem Skelett umarmt. Was wie eine makabre Karikatur anmutet, ist die illustrierte Statistik „Unterernährung und Sterblichkeit in Frankfurt am Main 1914–1918“. Nach dem kriegsbedingten „Steckrübenwinter“ wird das Frankfurter Gesundheitsamt im April 1917 gegründet. Zehn Jahre später kämpft der Gesundheitsdezernent Karl Schlosser mit der nächsten Katastrophe und funktioniert während der Grippewelle 1927 die Berufsschule in der Moltkestraße zu einem Krankenlager um.

Es beginnt im Jahr 1381

Auch heute muss das Frankfurter Gesundheitsamt auf solche Notsituationen vorbereitet sein. „Wie vorbildlich das funktionieren kann, hat sich bei der Evakuierung der betroffenen Krankenhäuser für die Entschärfung der Fliegerbombe gezeigt“, lobt René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts. „Und doch gibt es auch eine schreckliche Geschichte unseres Gesundheitswesens, der wir uns stellen müssen.“ Gemeint ist die Zeit des Nationalsozialismus, als die Gesundheitsbehörde die Gründung eines Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene sowie Zwangssterilisationen und die „Vernichtung unwerten Lebens“ in der Landesheilanstalt Hadamar unterstützte. Der historische Rundgang beginnt im Dormitorium des Karmeliterklosters mit dem Jahr 1381 und zeigt die Urkunde, mit der Johann Wolff von Luzern als erster Frankfurter Stadtarzt namentlich bekannt wurde. „Seine Ernennung war damals ein besonderer Vorgang und zeigt, dass sich die politisch Verantwortlichen in der Messestadt Frankfurt schon früh für die Gesundheit der Bevölkerung einsetzten“, erklärt die Kuratorin Sabine Börchers.

Passend zum Katalog „Aufklärung, Vorsorge, Schutz“ (an der Kasse für 19,95 Euro erhältlich) und den erklärenden Wandtafeln hat sie die Ausstellung um einige Exponate aus der Medizingeschichte angereichert: Eine Harnröhrenspritze zum Verabreichen von Quecksilber gegen Syphilis aus dem 18. Jahrhundert und ein Instrumentierkasten „Kleiner Chirurg“ mit Knochensäge und Zange von 1895 sind darunter, ebenso der Spuckbehälter „Blauer Heinrich“ zum Schutz vor Tuberkulose und Wachsmodelle infizierter Gliedmaßen und Geschlechtsteile, sogenannte Moulagen, aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Stadtarzt Spieß

Nach der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte ist die Karikatur „Die Riechecommission“ aus dem Stoltzemuseum ein weiterer Hingucker: Sie ist eine Anspielung auf die Luftverschmutzung durch die Industrie und den ersten nach der Annexion Frankfurts durch die Preußen 1866 eingesetzten Stadtarzt Alexander Spieß. Neben den Kriegen und Nöten der folgenden Jahrzehnte gab es auch Sternstunden: Hier entwickelte Paul Ehrlich das Medikament Salvarsan, das die Farbwerke Hoechst ab 1910 zur Behandlung von Syphilis herstellten. In den Nachkriegsjahrzehnten wurden Tuberkulose, Pocken und Umweltmedizin sowie die Prostitution und die Drogenszene der 1970er Jahren zu neuen Herausforderungen. Die Ausstellung ist bis 8. April montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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