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Uwe Beckers Verzicht auf die Oberbürgermeisterkandidatur: OB-Kandidaten: Auch eine kluge Taktik kann scheitern

Von Warum hat Bürgermeister Uwe Becker (CDU) auf die Oberbürgermeisterkandidatur seiner Partei verzichtet? War es freiwillig? Oder geschah es auf Druck? Eine Analyse.
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Bernadette Bild-Zoom Foto: Christian Christes (Christian Christes)
Bernadette

Frankfurt. Einmal Wiesbaden und zurück: So lässt sich die Karriere der Staatssekretärin im Finanzministerium, Bernadette Weyland (CDU), zusammenfassen. Die 59-Jährige wird 2018 als Oberbürgermeisterkandidatin in Frankfurt für die CDU antreten. Seit über drei Jahren ist Weyland Staatssekretärin, zuvor war sie Stadtverordnetenvorsteherin. Als die beliebte und durch ihr Frankfurter Amt bekannte Politikerin den Ruf nach Wiesbaden erhielt, hieß es, der Frankfurter CDU-Kreisvorsitzende Uwe Becker habe Weyland weggelobt, um eine Konkurrentin um die Oberbürgermeisterkandidatur loszuwerden. Jetzt verzichtet Becker freiwillig und überlässt ihr den Vortritt. Was ist das der Grund?

„Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Dieser Spruch ist in Wahlkampfzeiten aktueller denn je. Rein formal wäre Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker ein ausgezeichneter Kandidat. Seit mehr als zehn Jahren gehört er in verschiedenen Funktionen im Magistrat der Stadtregierung an. Der 47-Jährige ist beschlagen in allen Themen der Stadtpolitik. Er ist solide und zuverlässig. Und dennoch: Warum sollten die Wähler Becker zum Oberbürgermeister wählen, wenn die Alternative Peter Feldmann (SPD) heißt? Becker arbeitet loyal mit Feldmann im Magistrat zusammen. Wie also hätte Becker 2018 bei der Wahl gegen Feldmann bestehen sollen? Diese Frage trieb neben Becker maßgebliche Spitzenpolitiker der CDU um. Offenbar verstärkte sich zunehmend der Eindruck, mit Uwe Becker als OB-Kandidat setzte die CDU auf Platz, nicht auf Sieg.

Beckers Autorität als Kreisvorsitzender hat bereits bei der Nominierung der Bundestagsdirektkandidatin im Wahlkreis 183 gelitten. Die Basis entschied sich gegen Beckers Empfehlung für die 50-jährige Bettina Wiesmann. Becker hatte sich für den 66-jährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Römer, Michael Prinz zu Löwenstein, ausgesprochen. Wer weiß, wie die Basis bei einer – allerdings unwahrscheinlichen – Kampfkandidatur zwischen Weyland und Becker entschieden hätte?

Weylands Förderer

Selbstverständlich wird darüber spekuliert, welchen Einfluss die Landesregierung in Wiesbaden auf Beckers Entscheidung genommen hat. Der Frankfurter Michael Boddenberg ist als Chef der CDU-Landtagsfraktion in Wiesbaden ein mächtiger Mann. Er gilt als Weylands Förderer, auch wenn ihm eine Zeit lang eigene Ambitionen auf die Frankfurter Oberbürgermeisterkandidatur nachgesagt wurden. Auch bei der Nominierung Wiesmanns als Frankfurter Bundestagsdirektkandidatin sprach Boddenberg ein gewichtiges Wort und empfahl Wiesmann. Wie groß der Wiesbadener Einfluss auf Beckers Entscheidung war, ist aber offen.

Im Gegensatz zu Becker kann Weyland unbelastet von Stadtpolitik und Koalitionsdisziplin Wahlkampf machen. Die 59-Jährige legt oft eine unkonventionelle Frische an den Tag. Viele erinnert sie in ihrer Art an die Alt-Oberbürgermeisterin Petra Roth. Schon als Weyland das erste Mal als OB-Kandidatin im Gespräch war, bezeichneten sie Parteifreunde als „Petra Roths kleine Schwester“. Wobei Roth sich keineswegs als Förderin von Weylands politischer Karriere hervorgetan hatte.

Im Gegensatz zum stets diplomatischen Becker spricht Weyland auch Klartext. Das kann auch mal schiefgehen, muss aber trotzdem nicht schädlich sein. Denn viele Wähler haben das glattgeschliffene, kantenlose Politikerdeutsch satt. Für Oberbürgermeister Feldmann ist Weyland eine undankbare Herausforderin. Mit ihrer Tatkraft und Energie könnte sie Feldmann etwas weinerlich aussehen lassen, wenn dieser beispielsweise über die Kinderarmut in Frankfurt klagt.

Jetzt loben CDU-Mitglieder und Kommentatoren einhellig Beckers Rückzug, weil Weyland als CDU-Kandidatin die besseren Chancen hätte. Käme sie in die Stichwahl, könnte sie als Frau weit mehr mit Stimmen der Grünen rechnen als ein männlicher CDU-Bewerber, lautet ein Argument.

Erinnerung an 2011

Doch Vorsicht ist geboten. Als Petra Roth (CDU) vorzeitig als Oberbürgermeisterin aus dem Amt schied und Ende 2011 Boris Rhein zum OB-Kandidaten der CDU machte, wurde das als genialer Schachzug gelobt. Es ging aber schief. Auch damals hatte Becker zurückstehen müssen. Doch mit seinem neuerlichen Verzicht macht er deutlich, dass er es mit dem Motto seines politischen Antriebs ernst meint: „Das Leben ist viel zu kurz und wichtig, um es nur an sich selbst zu verschwenden.“ Das sagt nur einer, der den persönlichen Ehrgeiz nicht über alles stellt.

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