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Stadtteil-Serie (Teil 8): Oberrad - Das Gärtnerdorf

In unserer Stadtteil-Serie haben wir in dieser Woche Oberrad unter die Lupe genommen. Hier wird die Hälfte der Stadtteilfläche landwirtschaftlich genutzt.
Oberrad. 

Geprägt wird Oberrad von der Offenbacher Landstraße – die Verkehrsader durchzieht den Stadtteil von Westen nach Osten. Deren teils maroder Zustand, einige in die Jahre gekommene Häuser, Leerstand von Ladenlokalen und einige Brachen erwecken den Eindruck eines doch etwas vernachlässigten Stadtteils. Im Moment wird die Offenbacher Landstraße saniert. Die Arbeiten dauern bis Anfang 2018 – Verkehrsbehinderungen sind an der Tagesordnung. Umschauen sollte man sich deshalb andernorts in Oberrad. Und dabei schnell feststellen, dass der Stadtteil weit mehr zu bieten hat als gedacht.

Bekannt ist Oberrad als das „Gärtnerdorf“, was daran liegt, dass fast die Hälfte des Ortes, etwa 130 Hektar, von zwölf landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet wird.

Bekannt ist Oberrad wegen der sieben Kräuter für die Grüne Soße, die auf den Gemüsefeldern und -gärten im Norden und Süden des Stadtteils angebaut werden. Doch selbst über die Feldergrenzen hinaus ist die Oberräder Vielfalt noch nicht erschöpft. Am Mainufer liegt das Rudererdorf. Dieses ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Frankfurter.

Nur wenige Meter davon entfernt liegt die Gerbermühle, die einst erst als Getreidemühle und dann als Farb- und Schleifmühle diente und zwischen den Jahren 1814 und 1815 von Johann Wolfgang von Goethe, Frankfurts berühmtesten Sohn, bewohnt wurde.

Eingemeindet zu Frankfurt wurde Oberrad im Jahr 1900. Während des Zweiten Weltkrieges wurden etwa 90 Prozent des Stadtteils durch alliierte Luftangriffe zerstört und ab 1951 in größerem Umfang wieder aufgebaut. Weil die Bebauung Oberrads aber nie an die nahe gelegenen Innenstädte von Offenbach oder Frankfurt angeschlossen wurde, hat sich der Stadtteil seinen dörflichen Charakter halbwegs bewahrt.

Aufgrund von rund 13 000 Einwohnern, die aus vielen Nationen stammen, spiegelt sich der Metropolcharakter Frankfurts allerdings auch im „Gärtnerdorf“ wieder.

Blick auf die Skyline

Blick von einem Wohnhaus in der Oberräder Wehrstraße auf die Felder des Stadtteils, sowie die Frankfurter Skyline und den Taunus im Hintergrund.

Zwölf landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften in Oberrad zusammen eine Fläche von rund 130 Hektar, was fast die Hälfte der Gesamtfläche des Stadtteils ausmacht.

Kämpferischer Gärtner

Rainer Schecker ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten im Gärtnerdorf Oberrad. Seinem Betrieb in der Straße „Im Teller“ im Norden des Stadtteils sind auch ein Café und eine Milchbar angeschlossen.

Schecker baut die sieben Kräuter für die Grüne Soße in seinem Familienbetrieb an und hat sogar erkämpft, dass die Leibspeise der Stadt ein EU-Gütesiegel bekommen hat.

Heimat von fünf Rudervereinen

Fünf Rudervereine haben im Rudererdorf Oberrad ihre Heimat und betreiben dort auch allesamt Gaststätten mit Biergärten. Die Treppen zum Mainufer waren bis vor ein paar Tagen noch gesperrt.

Die Stadt teilte mit, dass Risse im Beton für Einsturzgefahr sorgten. Ein Gutachten brachte aber Entwarnung: Noch sind die Risse nicht tief genug, um die Stabilität zu gefährden.

Letzte Ruhestätte

Nach dem Hauptfriedhof und dem Friedhof Westhausen ist der Waldfriedhof Oberrad die drittgrößte Bestattungsfläche in Frankfurt. Das Bild zeigt den Blick auf die Trauerhalle.

Etwa 7000 Gräber finden sich auf dem 20,5 Hektar großen Areal. Aufgrund seines verwunschenen Erscheinungsbildes sind die Dimensionen des Waldfriedhofs nicht zu überblicken. Ortsfremde können sich hier leicht verlaufen.

Unbeliebter Treffpunkt

Die Abendsonne taucht den Buchrainplatz im Herzen Oberrads zwar in schönes Licht. Allzu beliebt ist der Platz im Stadtteil aber nicht.

Die Stadt ließ ihn bis zum Jahr 2013 sanieren. Seitdem stört viele Oberräder der kühle Charakter des Platzes. Bis auf Markttage und ein paar andere Feste ist der Platz nur selten stärker bevölkert.

Stillstand in der Offenbacher

Die Bauarbeiten zwischen der Scheerengasse und dem Buchrainplatz legen die Offenbacher Landstraße noch bis zum Februar 2018 auf einer Länge von 560 Metern lahm.

Während der Arbeiten werden Gleise ausgetauscht, der Asphalt erneuert und ein Radweg eingerichtet. Zehn Millionen Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand.

Grillen mitten im Grünen

Der Scheerwald am Rand des Stadtwalds im Norden Oberrads ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hunderte finden sich hier an schönen Wochenende zum Grillen und zum Feiern ein.

Leider sorgen die Hinterlassenschaften der Ausflügler immer wieder für großen Unmut bei Mitarbeitern des Grünflächenamtes sowie Anwohnern.

Unbewohnte Ecken

Ein Auto steht zwar vor diesem leerstehenden Haus an der Offenbacher Landstraße. Doch das Gebäude ist unbewohnt. Im Stadtteil gibt es mehrere solcher Objekte.

Oft verwildern diese Grundstücke. Wenn sie nicht zu Müllhalden verkommen, sind sie auf den ersten Blick aber dennoch irgendwie faszinierend.

Idylle am Maunzenweiher

Der Maunzenweiher am Ortsrand von Oberrad liegt nahe A 661. Kurz nach einem Regenguss am Nachmittag präsentiert er sich von seiner schönsten Seite.

Eine Kuhle befand sich hier, bevor das Gewässer entstand. Töpfer aus der Gegend bauten darin einst Lehm ab. Im Lauf der letzten Jahrhunderte füllte sich die Kuhle mit Regenwasser.

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