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Ehrenamt: „Oberräder des Jahres“ liebt Ebbelwei

Von Dieter Gaul engagiert sich seit mehr als drei Jahrzehnten ehrenamtlich in verschiedenen Oberräder Vereinen. Für diesen Einsatz wurde er am Samstagabend im Depot am Buchrainplatz vom Bürgerverein des Stadtteils zum „Oberräder des Jahres 2017“ gekürt.
Der wahre Spross einer Oberräder Gärtnerfamilie kann sich nur im „Gemüsedorf“ wohlfühlen: Dieter Gaul, frisch gekürter   „Oberräder des Jahres“, hält den Bembel gut fest, schließlich wird er daraus bald seinen geliebten Ebbelwei trinken. Zur Not auch auf dem kühl-karg gestalteten Buchrainplatz, den viele Oberräder noch immer nicht mögen. Foto: Michael Faust Der wahre Spross einer Oberräder Gärtnerfamilie kann sich nur im „Gemüsedorf“ wohlfühlen: Dieter Gaul, frisch gekürter „Oberräder des Jahres“, hält den Bembel gut fest, schließlich wird er daraus bald seinen geliebten Ebbelwei trinken. Zur Not auch auf dem kühl-karg gestalteten Buchrainplatz, den viele Oberräder noch immer nicht mögen.
Oberrad. 

Ein kräftiger Wind weht über den Oberräder Buchrainplatz und die Händler des Wochenmarktes bauen ihre Stände ab. Auf der anderen Seite steht Dieter Gaul (61), der kurz einen Blick auf das Geschehen wirft und feststellt, dass es doch recht kühl geworden ist. Viele Menschen sind nicht mehr auf dem Markt unterwegs.

Der Buchrainplatz ist das Zentrum von Oberrad, auch wenn die Fläche keine wirkliche Einheit bildet – so rollen Straßenbahnen über das Rondell und dröhnt der Kraftfahrzeugverkehr auf der östlichen Seite in Richtung Sachsenhausen oder in Richtung Main, respektive nach Offenbach. Nur derzeit sind die Straßenbahnen „ausgesperrt“, weil die Sanierung der jahrzehntelang vernachlässigten Offenbacher Landstraße eine Großbaustelle nach sich zog.

Dieter Gaul kennt Oberrad in allen seinen Facetten. Im Jahr 1956 geboren, entstammt er mütterlicherseits einer Oberräder Gärtnerfamilie. Er lebt mit seiner Frau in seinem Elternhaus, wo auch sein heute 34-jähriger Sohn aufgewachsen ist. Seit mehr als drei Jahrzehnten engagiert sich Gaul ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen, war Gründungsmitglied des Skiclubs Oberrad im Jahr 1984, drei Jahre danach des Vereinsrings Oberrad und 2005 des Heimat- und Geschichtsvereins.

Ein Amt abgegeben

In diesem Jahr hat Gaul sein Amt als Kassierer im Vereinsring abgegeben und seine Aufgaben nach 30 Jahren an seine Nachfolgerin Karin Knechtel weitergereicht. Für Eugen Müller, Vorsitzender des Bürgervereins Oberrad und seine Mitstreiter, war dies der Anlass, das große Engagement von Gaul zu würdigen und ihn einstimmig zum „Oberräder des Jahres 2017“ zu küren.

Seit dem Jahr 2000 verleiht der Bürgerverein diesen Titel an Menschen, die sich um den südlichen Stadtteil besonders verdient gemacht haben. In den ersten Jahren wurde der Titel manchmal auch an zwei Personen vergeben.

Mit Dieter Gaul sind es bereits mehr als 20 Oberräder, denen diese Ehre zuteil geworden ist. Sich für den Stadtteil zu engagieren, ist für Gaul selbstverständlich. Er ist sprichwörtlich ein „Hansdampf in allen Gassen“, eben einer, der gern anpackt. Seit der Gründung des Skiclubs Oberrad ist Gaul dort ununterbrochen als Kassierer tätig, seit 2011 hat er diesen Posten auch beim Heimat- und Geschichtsverein inne. Über sein Engagement verliert er keine großen Worte. „Ich bin lieber einer, der aus der zweiten Reihe heraus agiert“, sagt er. Im Vorstand eines Vereins zu sein, bedeute, das Vereinsleben aktiv mitzugestalten.

Dass Dieter Gaul sich überhaupt so stark engagieren kann, hat er auch seiner Ehefrau Daniela zu verdanken, betont er. „So etwas geht nur mit einer sehr verständnisvollen und verlässlichen Partnerin an der Seite, die dieses Engagement akzeptiert und toleriert“, betont er. Denn das freiwillige Engagement in den Vereinen nehme viel Zeit in Anspruch.

Bei Vereinsfest funkt es

Seit 37 Jahren sind Dieter und Daniela Gaul verheiratet, im kommenden Jahr bereits seit 40 Jahren ein Paar. Dann möchten die beiden auf ihre erste Kreuzfahrt gehen und zum Nordkap schippern. „Reisen ist ein Hobby von uns“, erzählt Gaul. Und wo hat sich das Ehepaar einst kennengelernt? „Natürlich“ bei einem Vereinsfest, genauer dem Sommerfest der Tennisabteilung der Spielvereinigung 05 Frankfurt-Oberrad (Spvgg). Dort war Dieter Gaul von 1982 bis 1996 im Vorstand tätig.

Selbst aktiv Sport zu treiben gehöre heute nicht mehr zu seinen großen Leidenschaften, schildert der 1,90 Meter große Hüne. Er fahre jedoch immer noch sehr gerne Ski, jedoch nicht als Langläufer. „Vor denen habe ich größten Respekt. Das habe ich ausprobiert und weiß, wie anstrengend das ist“, sagt er. Der Alpin-Stil liegt ihm mehr.

Wann immer er kann, besucht er die Spiele seiner Lieblingsmannschaft Eintracht Frankfurt im Stadion. Schon als kleiner Bub hat er die Spiele angeschaut. Kaum erzählt Gaul das, blinkt sein Handy-Display. „Eine Erinnerung. Noch zwei Stunden bis zum Anpfiff gegen Hoffenheim“, sagt er und lacht.

Neben dem Faible für Vereinsarbeit, Reisen und Fußball ist er vor einigen Jahren auch auf den Geschmack von Ebbelwei gekommen. „Früher habe ich nur Bier oder süß Gespritzten getrunken“, gesteht er. Doch nun keltert er mit Freunden das Frankfurter Nationalgetränk und ist auch Mitorganisator des Oberräder Apfelweinfestivals.

Und was gefällt dem „waschechten Oberräder“ besonders gut am Stadtteil? „Wenn man, wie ich, aus einer Gärtnerfamilie kommt, wird einem die Liebe zum Stadtteil bereits in die Wiege gelegt. Ich möchte nirgendwo anders leben.“

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