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Occupy aus Künstlersicht

In New York hat die Polizei die Occupy-Anhänger inzwischen vertrieben, in Frankfurt besteht ihr Camp seit Monaten ungestört. Jetzt erschien das erste Buch darüber.
Die Fotografen Bernd Kammerer (l.) und Ashkan Sahihi mit ihrem Buch. Bilder > Die Fotografen Bernd Kammerer (l.) und Ashkan Sahihi mit ihrem Buch.
Frankfurt. 

Inzwischen gehört das Occupy-Camp am Willy-Brandt-Platz schon fast zum Stadtbild. Man hat sich an sie gewöhnt, die kleine Zeltstadt, die Plakate und die bunte Mischung aus Menschen, die dort seit geraumer Zeit campieren. Am Main harren die Protestler gegen das Establishment von Wirtschaft, Banken und Politik besonders lang aus. So lang, dass Frankfurt mit dem Camp an der New Yorker Wall Street zu den Geburtsstätten der Anti-Banken-Bewegung gezählt werden.

Michele Sciurba, Geschäftsführer der Galerie "Art Virus", wollte diesem Protest ein Gesicht geben und ihn verewigen. Dafür holte er sich zwei Fotografen sowie acht Autoren ins Boot. Zusammen erschufen sie den Bildband "Occupy – eine Bewegung, die keine sein dürfte".

"Ich war sehr gespannt, wie die Kunst auf Occupy reagiert", sagt Sciurba. Er hatte die Idee, die Camps der zwei Städte gegenüberzustellen und jedes auf eine andere Art festzuhalten. "Es ist nicht nur eine Gegenüberstellung Frankfurt – New York. Sondern auch die einer journalistischen Linse gegen eine konzeptionelle Herangehensweise", erklärt Fotograf Ashkan Sahihi. Er arbeitet weltweit und konzeptionell, er hat die Bilder in New York geknipst "Ich habe die ersten Tage lang digital fotografiert und war sehr unzufrieden, da ich das Gefühl im Camp nicht richtig einfangen konnte", erzählt Ashkan. Er sei so verzweifelt gewesen, dass er Galerist Sciurba schon absagen wollte. Doch schließlich fand Ashkan noch die richtigen Mittel. "Ich habe die Sache entschleunigt und analog fotografiert", erzählt er.

Herausgekommen sind Schwarz-Weiß- Fotografien, die viele außergewöhnliche Menschen sehr nah und authentisch porträtieren. "Mir gefällt das Bild ,Enough‘ am besten", sagt Regisseurin Annette Ernst über diesen Teil des Buches. Es zeigt einen Mann, mutmaßlich ein Arbeiter, vor dem Camp. Er ist in eine Tageszeitung vertieft, die titelt: "Enough". "Dieses Foto sagt einfache alles aus", ergänzt Ernst noch.

Ganz unterschiedlich wirkt der zweite Teil des Buches, dessen Bilder von Fotograf Bernd Kammerer stammen, der auch für diese Zeitung arbeitet. Er nahm Frankfurter Demonstranten vor seine Linse. Kammerers Farbbilder sind Momentaufnahmen, die oft so gut die Gegensätze der Demonstranten und Geschäftsleute einfangen, dass man munkeln könnte, sie seien gestellt. Sind sie aber nicht, sondern das Ergebnis von Geduld und Ausdauer, beteuert der Profi. Auch dieses Foto: Auf einem Verkehrsspiegel steht in roter Schrift: "Guten Morgen, Mr. Banker". Darin spiegelt sich ein Mann in Anzug und Krawatte, der gerade auf die Uhr sieht. "Ich musste lange warten, bis jemand kam, der nach Banker aussieht. Dann lief er vorbei und schaute auch noch auf die Uhr – perfekt."

"Ich bin auf das Ergebnis sehr stolz", sagte Sciurba auf der Vernissage in der Art Virus Galerie (Bergesgrundweg 3), wo Bilder und Buch vorgestellt wurden. Letzteres ist für 19,90 Euro zu haben. Da sich niemand an Occupy bereichern will, geht ein Teil des Erlöses an die Frankfurter Tafel.wch

(wch)
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