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Aufhebung des Pflichtzölibats: Offener Brief: Pfarrer mahnt Reformen in katholischer Kirche an

In ihrem offenen Brief an das Kölner Domkapitel und Papst Franziskus attestieren elf Priester des Erzbistums Köln zum Goldenen Priesterjubiläum der Katholischen Kirche eine „Bunkermentalität“, fordern die Ordination von Frauen, die ökumenische Kommunion und die Aufhebung des Pflichtzölibats, um der Vereinsamung von Priestern im Alter vorzubeugen. FNP-Mitarbeiter Gernot Gottwals sprach mit Pfarrer Willi Hoffsümmer, der den Brief unterzeichnete und sich an diesem Mittwoch der Diskussion in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen stellt.
Zwei der Unterzeichner des offenen Briefs: Willi Hoffsümmer (links) und Gerhard Dane zitieren Bibelstellen und stehen dabei am Taufbecken von St. Georg in Bedburg Alt-Kaster. Zwei der Unterzeichner des offenen Briefs: Willi Hoffsümmer (links) und Gerhard Dane zitieren Bibelstellen und stehen dabei am Taufbecken von St. Georg in Bedburg Alt-Kaster.

Herr Hoffsümmer, welche Reaktionen und Antworten haben Sie und Ihre Kollegen bisher auf den offenen Brief bekommen?

WILLI HOFFSÜMMER: Wir haben großes Medieninteresse erfahren. Doch innerhalb der Kirche wurde von „kleinen Schritten“ gesprochen und ganz nach oben vertröstet – wie immer. Wir sind ja Weltmeister im Aussitzen.

Sie sind nun 75 Jahre alt, wurden vergangenes Jahr offiziell in den Ruhestand versetzt, betreuen aber als Subsidiar (unterstützender Priester) weiterhin sechs Pfarreien. Ist die Unzufriedenheit über die personelle Situation der Auslöser, einen solchen Brief zu schreiben?

HOFFSÜMMER: Nein, denn ich bin gesundheitlich fit und habe Freude an der Arbeit mit den Menschen in meinem schönen Beruf. Deshalb wurde mein Vertrag mit den Pfarreien um ein Jahr verlängert. Und mir bleibt immer noch genügend Zeit, um zum Beispiel das jährliche Sportabzeichen zu machen.

Haben Sie persönlich oder Ihre Kollegen Angst vor der Einsamkeit im Alter?

HOFFSÜMMER: Viele Kollegen würden sich gerade im Alter schon die Geborgenheit einer eigenen Familie wünschen. Bei mir ist das anders: Nach einem ausgefüllten Arbeitstag bin ich abends auch froh, Zeit für mich zu haben. Einsam kann man auch in einer unglücklichen Ehe sein.

Welche Hoffnungen und Erwartungen hatten Sie, als Sie mit Ihren Kommilitonen ihr Theologiestudium 1961 unter Papst Johannes XXIII. begannen?

HOFFSÜMMER: Als Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil einberief, war das für uns, als ob er ein Fenster aufstößt, um frische Luft reinzulassen. Wir hofften, er würde bald den Pflichtzölibat abschaffen. Dieser Papst, der viel zu früh starb, hatte wirklich den Mut zu historischen Veränderungen.

Warum wurden eingeleitete Reformen in der Liturgie, der Stärkung der Ortskirche sowie der Öffnung zu anderen Religionen unter den nachfolgenden Päpsten nicht konsequent weiterverfolgt?

HOFFSÜMMER: Paul VI. schlug einen anderen Kurs ein, sprach sich in seinen Enzyklika weiterhin für die die Ehelosigkeit der Priester und gegen die Geburtenregelung aus. Benedikt XVI. zeigte sich in jungen Jahren offen, bis er von Studenten der 68er Generation bedrängt wurde. Am Ende hatten die Kirchenoberen Angst vor zu vielen Öffnungen und Veränderungen. Und wo die Bischöfe weiterhin die Mundkommunion forderten, mussten die Pfarreien die Handkommunion selbst durchsetzen oder begleiteten schon lange Ministrantinnen, als dies offiziell noch verboten war.

Welche weiteren Veränderungen erwarten Sie nun von Papst Franziskus?

HOFFSÜMMER: Die Basis ist begeistert von Franziskus, aber große Reformen, die die Menschen zurück in die katholische Kirche bringen, fallen ihm wegen der Gegner in seinem Umfeld schwer. Ich hoffe, er kann noch überschaubare Maßnahmen anstoßen und Frauen den Weg zur Diakonatsweihe und Diakonen den Weg zur Priesterweihe ebnen.

Im offenen Brief heißt es, die neuen Großpfarreien seien eine Zumutung. Welche Alternativen gibt es, wenn sowohl die Zahl der Gläubigen als auch die der Priester rückläufig ist?

HOFFSÜMMER: Pfarreien können in pastoralen Räumen ihre gemeinsamen Interessen bündeln, aber die neuen Großpfarreien sind zu anonym und zentralistisch. Die kirchliche Seelsorge muss vor Ort bleiben. Hier müssen „viri probati“, das heißt rechtschaffene verheiratete zu Diakonen geweihte Männer stärker in die Leitung eingebunden werden.

Wie könnte ein Zeitplan aussehen, um dem Priestermangel durch Aufhebung des Pflichtzölibats zu begegnen und Frauen zur Priesterweihe zuzulassen?

HOFFSÜMMER: Die Aufhebung des Pflichtzölibats reicht nicht aus. Wer das geistliche Amt anstrebt, sollte keinen gut bezahlten Beruf suchen, sondern ein berufener Vollblutindianer sein. Das fällt heute sehr vielen jungen Frauen und Männern schwer. Um hier das Feuer neu zu entfachen, sollte ein Papst bei Amtsantritt wenigstens unter 70 sein, damit er seine Reformen länger begleiten kann.

Welche wichtigen Signale würden von der Öffnung der katholischen Kirche für Wiederverheiratete und gemeinsamen Abendmahlsfeiern mit anderen Konfessionen ausgehen?

HOFFSÜMMER: Dass wir am gemeinsamen Tisch die Versöhnung in der Vielfalt suchen, weil wir anerkennen, dass niemand im Besitz der einzig gültigen Wahrheit ist.

Was wünschen Sie sich für die Podiumsdiskussion in Sankt Georgen?

HOFFSÜMMER: Dass die jungen Leute mit vielen kritischen Fragen aufzeigen, wohin die Reise gehen soll. Denn wenn wir Alten unsere letzte Chance verpassen, stehen wir in wenigen Jahren alleine da.

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