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Anti-Doping-Gesetz beschäftigt Zoll: Online-Handel mit Anabolika boomt

Von Das neue Anti-Doping-Gesetz beschert den Frankfurter Zollfahndern zusätzliche Arbeit. Anders als früher stellen die Beamten jetzt auch Anabolika-Präparate sicher, die nur auf dem Versandweg durch Deutschland sind. Heute Morgen wurde bekannt, dass gegen eine bekannte hessische Sportlerin wegen des Verstoßes gegen das Gesetz ermittelt wird.
Zollamtmann Hans-Jürgen Schmidt zeigt einen sichergestellten Fund, hier einen Karton mit gefälschten Arzneimitteln. Foto: Holger Menzel Zollamtmann Hans-Jürgen Schmidt zeigt einen sichergestellten Fund, hier einen Karton mit gefälschten Arzneimitteln.
Frankfurt. 

Die drei großen Pakete aus der indischen Millionenmetropole Mumbai sollten eigentlich in der bulgarischen Stadt Pernik landen. Im Frachtbereich des Frankfurter Flughafens hatte der Versandweg im Februar aber ein vorzeitiges Ende: Zollbeamte öffneten die Pakete bei einer Routinekontrolle und fanden darin Anabolika-Präparate mit dem Wirkstoff Boldenon. Dieser ist in Deutschland durch das Anti-Doping-Gesetz verboten. Die 12 500 Ampullen und Tabletten, die wohl dem Muskelaufbau von Bodybuildern dienen sollten, liegen nun im Frankfurter Zollfahndungsamt. „Der Schwarzmarktwert der Ware beträgt schätzungsweise 150 000 Euro“, sagt Fahnder Hans-Jürgen Schmidt.

Bis vor kurzem hätten die Zollmitarbeiter die Pakete, für die der Flughafen nur eine Zwischenstation sein sollte, gar nicht oder nur im Fall einer falschen Auszeichnung aus dem Verkehr gezogen. Das hat sich mit dem Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes (AntiDopG) am 18. Dezember 2015 geändert. Die neuen Regelungen verbieten nicht nur die Einfuhr von Dopingmitteln mit verbotenen Wirkstoffen in größerer Menge, sondern auch den Transport durch den Geltungsbereich des Gesetzes, wie es im Paragraf 2 heißt.

Für die Zollbehörden, die Dopingmittel mit verbotenen Wirkstoffen früher auf Grundlage des Arzneimittelgesetzes (AMG) sicherstellten, brachte das neue Gesetz mehr Arbeit mit sich: Konkrete Zahlen liegen nach etwa drei Monaten zwar noch nicht vor, „wir rechnen aber damit, dass es zusätzliche Verfahren wegen der Verbringung illegaler Wirkstoffe durch Deutschland geben wird“, sagt Zollamtmann Schmidt. Der Sprecher des Zollfahndungsamts berichtet, dass das Anti-Doping-Gesetz dem Gesundheitsschutz der Sportler, der Fairness und Chancengleichheit und auch der Integrität des Sports dienen soll.

Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Anabolika haben sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten Themen für die deutschen Zollbehörden entwickelt. Schmidt weist darauf hin, dass sich die Zahl der Verfahren beim Frankfurter Zollfahndungsamt in den vergangenen Jahren vervielfacht hat. Im Jahr 2011 hatte die Behörde mit Zuständigkeit für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und einige benachbarte Landkreise gerade mal 113 entsprechende Verfahren gezählt, im Jahr 2014 waren es 991. Die Zahlen für 2015 werden voraussichtlich im April veröffentlicht. Ein weiterer Anstieg wäre für niemanden eine Überraschung.

Auch Arzneien gefälscht

Außer Dopingsubstanzen stellen die Frankfurter Zollmitarbeiter auch regelmäßig andere Arzneimittel sicher, die gefälscht oder mit illegalen Wirkstoffen hergestellt wurden. Schmidt berichtet, dass Potenzmittel wie Viagra und Cialis am häufigsten gefälscht werden. Die Tabletten für den Schwarzmarkt würden häufig in Hinterhofküchen in China und Indien – auch von Kindern – hergestellt. Die Dosierung der Wirkstoffe schwanke oft, zur Farbgebung würden auch Lacke verwendet, die für Lebensmittel verboten seien. Schmidt sagt: „Alle Medikamente, die man aus unsicheren Quellen bezieht, stellen ein Gesundheitsrisiko dar.“ Die unsicheren Quellen finden sich vor allem im Internet: Eine repräsentative Umfrage der „Apotheken Umschau“ ergab im Februar, dass fast jeder 30. Deutsche nach einer Internetbestellung schon einmal ein gefälschtes Arzneimittel erhalten hat. Schmidt rät, im Zweifelsfall die Apotheke um die Ecke aufzusuchen oder eine Internetapotheke mit Sicherheitssiegeln zu wählen.

Auf Seriosität achten

Der Blick auf das Impressum von Online-Shops lässt Rückschlüsse auf die Seriosität zu. Sind nur Adressen in exotischen Ländern oder gar keine Kontaktdaten angegeben, ist Vorsicht geboten. Oft wird so verschleiert, wer tatsächlich hinter einem Versandhandel steckt.

Im Hinblick auf eine in Deutschland verbotene Substanz hatte der Frankfurter Zoll im Februar übrigens einen weiteren, größeren Fund; Die Mitarbeiter stießen im Frachtbereich des Flughafens auf vier Fässchen mit dem Wirkstoff Levamisol. Diese sollten von China über Frankfurt in die Niederlande geschickt werden. Levamisol ist ein Stoff, der gegen Fadenwürmer bei Tieren, aber auch als Streckmittel für Kokain verwendet wird. Einen legalen Bezug als Arzneimittel schließen die Zollfahnder noch aus. Die Ermittlungen laufen.

Sportlerin aus Hessen unter Doping-Verdacht


Wie das Frankfurter Zollfahndungsamt heute bekannt gab, ist eine Sportlerin im Rahmen eines bayerischen Wettkampfes im Februar positiv auf ein Dopingmittel (Metandienon) getestet worden. Die Zollfahnder durchsuchten im Auftrag der Staatsanwaltschaft München I – einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Verfolgung von Dopingdelikten – am 14. März die Wohnung der Sportlerin und zwei weitere Objekte in Kassel und Umgebung. In einer Wohnung, in der sich die Verdächtige nach eigenen Angaben öfter aufhalte, seien 124 Tabletten verschiedener Arzneimittel, darunter auch Tabletten mit dem Wirkstoff Metandienon, sichergestellt worden. Um diese Präparate zuordnen zu können, seien auf freiwilliger Basis Haar- und Urinproben genommen worden. Gegen die 32-Jährige wird nach Angaben des Zollfahndungsamts wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Anti-Doping-Gesetz ermittelt. Ihr droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.
 

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