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Pädagogik-Übung im Museum

Die Verzahnung von Praxis und Theorie gilt als ein neuralgischer Punkt im Studium der Sozialpädagogik. Die Berta-Jourdan-Schule lässt darum schon seit vier Jahren Studenten auf Kinder los – im Museum.
Bunte Runde: Die Sozialpädagogikstudentin Martina Beuth spricht mit Kita-Kindern aus Bonames im Weltkulturen Museum	Fotos: Holger Menzel Bilder > Bunte Runde: Die Sozialpädagogikstudentin Martina Beuth spricht mit Kita-Kindern aus Bonames im Weltkulturen Museum Fotos: Holger Menzel
Frankfurt. 

„Regel Nummer fünf: Nichts anfassen ohne Handschuhe und Regel Nummer sechs . . .“ – der vierjährige Abdul aus der Kindertagesstätte in der Theodor-Thomann-Straße in Bonames kommt kurz ins Stocken. Dann fällt es ihm wieder ein: „Nicht herumrennen und leise sein.“ Leise sein und nichts anfassen, diese Regeln für den Museumsbesuch hatten Gizem Ulugagli (22) und Martina Beuth (47), Studentinnen der Sozialpädagogik an der Berta-Jourdan-Berufsschule, ihren sechs Schützlingen aus der Kita schon im Vorfeld beigebracht.

Beuth und Ulugagli nehmen als Erzieherinnen in spe am Programm „Weltkulturen unter der Lupe“ teil. Das Gemeinschaftsprojekt des Frankfurter Kita Bildungsnetzwerkes mit dem Weltkulturen Museum und der Berta-Jourdan-Berufsschule gibt es seit vier Jahren. Dieses Jahr haben insgesamt 14 Studentinnen und Studenten der Sozialpädagogik zuerst Praktika in den sieben Kindertagesstätten des Amtes Kita Frankfurt absolviert und dann mit Hilfe der Bildungsabteilung des Museums einen kindgerechten Zugang zur aktuellen Ausstellung „Ware & Wissen“ im Weltkulturen Museum erarbeitet.

Lernen soll Spaß machen

Um die vier- bis zehnjährigen Kinder nicht zu überfordern, beschränken sich die Studenten dabei auf jeweils ein besonderes Exponat aus der aktuellen Ausstellung. Gizem Ulugagli und Martina Beuth haben Skulpturen von Krokodilen und rituelle Masken aus Neuguinea gewählt. Diese Exponate sind Teil der Ausstellung, die die europäische Kolonialzeit einer kritischen Analyse unterzieht. „Das Thema der Ausstellung ist sehr komplex und nachdenklich“, sagt Beuth. „Wir wollten aber nicht nur steife historische Fakten vorlesen, damit würden wir die Kinder schnell verlieren. Es muss den Kindern Spaß machen, wir lassen da viel laufen, und die Kinder nehmen die Objekte ganz natürlich wahr.“

Die Kindergruppe sitzt vor den fremdartigen Exponaten auf dem Museumsparkett: Zahlreiche große Masken und Krokodilskulpturen aus Holz. Die Kinder lauschen Gizem Ulugagli, die eine selbst verfasste Kinderversion der mythologischen Entstehungsgeschichte des Inselstaats Neuguinea vorliest. „Mit der Geschichte wollen wir die Kinder einfach in den Bann ziehen und zeigen, was hinter diesen Objekten steht“, sagt Ulugagli. Das Krokodil häufte der Sage nach so viel Sand auf dem Meeresboden auf, dass sich die Insel aus dem Wasser hob.

Nach der Mythologie und Geschichte lassen die Studenten die „Seminare“ im Weltkulturen Museum mit Workshops ausklingen: Bei Martina Beuth und Gizem Ulugagli bemalen die Kinder Kekse mit Zeichen, die für sie Mut symbolisieren, und nebenan wird getöpfert und ein Tagebuch gebastelt.

Das erste Mal im Museum

Für Kinder und Studenten steckt das Projekt voller Premieren: Die angehenden Pädagogen setzen sich erstmals mit historischen Quellen auseinander, und für viele der vier- bis zehnjährigen Kinder war der Besuch im Museum mit ihrer Kita-Gruppe der erste überhaupt. Das sorgt für Unsicherheit, sagt Student Dimitri Pavolotski (26): „Mit den Kindern komme ich super klar. Sogar sonst laute und herumwirbelnde Kinder waren ruhig und haben aufgepasst. Schwierig war nur, die Fakten und Zusammenhänge simpel zu transportieren.“

Während seine Kommilitonin Ulugagli die Krokodilgeschichte beendet, zollt Inge Schmittinger, Dozentin an der Berta-Jourdan-Schule, den angehenden Pädagogen Respekt. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben sei hoch. „Das Projekt ,Weltkulturen unter der Lupe’ ist für die Studierenden eine doppelte Herausforderung. Sie betreuen die Kinder und erzählen dabei parallel die Geschichten der Objekte. Sie lernen und lehren also gleichzeitig“.

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