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Ringen um Finanzierung: Paradieshof-Umbau verzögert sich

Von In das seit Jahren leerstehende Gebäude der früheren Gaststätte Paradieshof soll eigentlich die „European School of Design“ einziehen. Doch die Verhandlungen zwischen der privaten Hochschule und der Stadt Frankfurt ziehen sich in die Länge. Bislang konnte keine Einigkeit erzielt werden, wer den mehrere Millionen Euro teuren Umbau bezahlen soll.
So stellt sich die private Design-Hochschule den umgebauten Paradieshof am Paradiesplatz vor.  Visualisierung: European School of Design Bilder > So stellt sich die private Design-Hochschule den umgebauten Paradieshof am Paradiesplatz vor. Visualisierung: European School of Design
Sachsenhausen. 

Mitte 2016, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit, stellte der damalige Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) noch das Konzept für den Umbau des Paradieshofes vor. Eine Frankfurter Privathochschule für Kommunikationsdesigner sollte in die Problemimmobilie in Alt-Sachsenhausen einziehen. Die Stadt hatte das einst als Gaststätte genutzte, heruntergekommene Gebäude bereits 2010 gekauft. Doch die ursprünglichen Pläne, daraus ein Theater zu machen, scheiterten an den Kosten.

Seitdem wurde nach einer anderen Nutzungsmöglichkeit gesucht. Ziel war es, ein Gegengewicht zum Ballermann-Ambiente des Kneipenviertels Alt-Sachsenhausen zu schaffen. Aus einem Ideenwettbewerb ging dann die „European School of Design“ als Sieger hervor. Die Hochschule stellte fertige Architektenentwürfe vor, wie die Großgaststätte zur Designerschmiede umgewandelt werden kann. Entstehen sollen neben Unterrichtsräumen und Büros auch Studenten-Apartments, ein öffentliches Café sowie eine große Lobby, die für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt werden kann. Doch getan hat sich seitdem nichts. Der Grund: Die Verhandlungen zwischen der Stadt und der Privathochschule ziehen sich in die Länge, weil unklar ist, wer den rund 3,5 Millionen Euro teuren Umbau bezahlen soll.

„Horrende Kredite“

Schulleiter Detlef Wildermuth sagt: „Da wir nur von Studiengebühren leben, ist das für uns kaum zu finanzieren. Wir müssten horrende Kredite aufnehmen.“ Ihm wäre daher eine andere Lösung lieber: Die Stadt investiert als Eigentümerin in den Umbau des Gebäudes und holt sich das Geld langfristig über die Mietzahlungen der „European School of Design“ wieder herein.

Auf Seiten der Stadt hält sich die Begeisterung für diese Idee offenbar in Grenzen. „Wir verhandeln noch über die genauen Konditionen“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, will aber zum genauen Inhalt und dem Stand der Verhandlungen nichts verraten. Doch bestätigt er, dass es auch darum gehe, ob die Stadt oder die Hochschule den Umbau finanziert. „Wir hoffen, möglichst noch in diesem Jahr zu einer Einigung zu kommen“, so Gellert.

Lange Hängepartie

Gelingt dies nicht, würde sich die Hängepartie um das seit Jahren leerstehende Gebäude noch weiter in die Länge ziehen. Der Paradieshof wurde Ende der 1960er Jahre von der Henninger-Brauerei gebaut, in den oberen Geschossen waren Wohnungen. Zuletzt befand sich eine große Discothek darin, seit 2008 steht es leer.

Danach kaufte zunächst eine Immobiliengesellschaft mit städtischer Beteiligung das Gebäude. 2010 beschloss dann die Stadtverordnetenversammlung, dass die Stadt den Paradieshof direkt übernimmt. Der Kaufpreis betrug damals rund 1,3 Millionen Euro. Es handele sich um „eine Schlüsselliegenschaft für das Stadterneuerungsverfahren Alt-Sachsenhausen“, hieß es in der Beschlussvorlage. „Sie liegt im zentralen Bereich des Altstadtquartiers und zählt zu den Liegenschaften, die aufgrund ihrer Lage und ihrer Größe von entscheidender Bedeutung für die künftige Entwicklung des Viertels sind.“

Weitere fünf Millionen Euro hätten in den Umbau des Gebäudes investiert werden sollen. Michael Quasts „Fliegende Volksbühne“ sollte dort eine Spielstätte bekommen, ergänzt durch Wohnungen. Doch das Projekt sprengte den Kostenrahmen und wurde gekippt. Quast zieht mit der Volksbühne jetzt neben das neue Romantik-Museum in der Innenstadt.

Danach tat sich einige Zeit nichts. Mit dem Wettbewerb, den 2016 die „European School of Design“ gewann, kam wieder Bewegung in die Suche nach einem neuen Nutzer. Insgesamt gingen acht Bewerbungen ein. Die „Wohnrauminitiative Frankfurt“ wollte im Paradieshof Studentenwohnungen einrichten, ein Verein Künstler-Ateliers. Andere Interessenten wollten ein afrikanisches Kulturzentrum, Räume für Existenzgründer oder einen „Lernort für Nachhaltigkeit und Umwelt“ einrichten. Auch Hausbesetzer interessierten sich zwischenzeitlich für den Bau: Ihre Idee eines selbstverwalteten Flüchtlings- und Obdachlosenheims fand jedoch keinen großen Anklang.

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