Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Parteien schelten Pro Flughafen

Mit zwei erneuten Wortmeldungen zieht die „Bürgeraktion Pro Flughafen“ den Zorn der Politik auf sich. Die Flughafen-Befürworter warnen die Parteien davor, das Thema Fluglärm als Wahlkampfthema zu instrumentalisieren, und sehen den Wirtschaftsstandort Frankfurt in Gefahr.
Knut
Dörfel Bilder > Knut Dörfel
Frankfurter Süden. 

Die „Bürgeraktion Pro Flughafen“ warnt in der Mai-Ausgabe ihrer Monatszeitschrift „Luftpost“ davor, die Debatte um die Ausweitung des Nachtflugverbots als Thema im bevorstehenden Landtagswahlkampf aufzugreifen. Zwar sehe auch die Bürgeraktion das Problem gestörter Nachtruhe. Doch Lärm sei „nun einmal ein Abfallprodukt unseres Wunsches nach Mobilität“, so „Pro Flughafen“-Geschäftsführer Ernst Müller. Ferner stehe die Region „nur so gut da, weil es den Flughafen“ gebe. Dieser Umstand werde in der Fluglärmdebatte jedoch gerne ausgeblendet.

Bei den Landtagskandidaten im Frankfurter Süden (Wahlkreis 37) kommt diese Warnung nicht gut an. „Das Ausspielen von wirtschaftlichem Interesse gegen die Gesundheit so vieler Menschen folgt einer zweifelhaften Logik, denn an kranken und unausgeschlafenen Mitarbeitern kann dem Arbeitgeber Fraport nicht gelegen sein“, kontert SPD-Kandidat Ralf Heider. Die grüne Landtagskandidatin Ursula auf der Heide wertet die Aussagen von „Pro Flughafen“ als „peinliche Wortmeldung“: „Meiner Meinung nach schadet sich die Luftfahrtindustrie mit der Unterstützung dieser Initiative mehr als es ihr nutzt“, so auf der Heide. Das zu kurz geratene Nachtflugverbot treibe die Betroffenen um, „egal ob die Politiker es sich wünschen oder nicht“.

Extremere Töne schlägt Knut Dörfel, Landtagskandidat der Linken im Wahlkreis 37, an: Dörfel wertet die Einlassungen von „Pro Flughafen“ gar als „empörende Dokumente skrupelloser Wirtschaftslobbyisten“. Wer der Öffentlichkeit suggeriere, die Gesundheit von Hunderttausenden, die täglich mit sechs Stunden Nachtruhe leben müssen, stehe hinter wirtschaftlichen Interessen an, der vertrete einen „geradezu unmenschlichen Standpunkt“, so Dörfel.

Doch „Pro Flughafen“ legt noch eins drauf und zitiert Dr. Temel Kotil, den Chef von Turkish Airlines. Kotil zufolge ist die Flugbranche ein 24-Stunden-Geschäft. „Wer nicht rund um die Uhr fliegen darf, kann kein weltweites Netz anbieten“, so Kotil. Zwar respektiere „Pro Flughafen“ das derzeitige Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr. Jedoch registriere man „mit Sorge, dass es in der Politik zunehmend Stimmen gibt, die das Nachtflugverbot ausweiten wollen“. Eine Ausweitung des Nachtflugverbots würde zudem nicht nur die Fraport treffen, sondern Tausende Arbeitsplätze in der gesamten Region gefährden, so die „Pro Flughafen“-Vorsitzende Christel Karesch. Die Politik müsse sich dieser Gefahr bewusst sein, statt populistischen Forderungen nachzugeben.

Das Schreckgespenst der Gefährdung internationaler Wettbewerbsfähigkeit sei bereits beim Bau der Startbahn 18 West ins Feld geführt worden, entsinnt sich Ursula auf der Heide. Dabei seien die Arbeitnehmer am Flughafen vielmehr durch die geplante Liberalisierung des Abfertigungsdienstes gefährdet. Ralf Heider macht geltend, dass sich das Versprechen auf neue Arbeitsplätze aus heutiger Sicht „nicht einmal ansatzweise erfüllt“ habe. Darüber hinaus sei die Flughafen-Expansion in einer dicht besiedelten Region ein wirtschaftliches Risiko, „das nur mit der Unterstützung der CDU-FDP geführten Landesregierung möglich war“.

(Mirco Overländer)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse