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Disco-Betreiber klagen: Partyverbot: Eiertanz um fröhliche Ostern

Von Die Debatte um das Tanzverbot an Karfreitag und teilweise an Ostern entbrennt jedes Jahr. Nun hat der Hotel- und Gaststättenverband einen Appell zur Lockerung des Hessischen Feiertagsgesetzes gestartet. Er will am Sonntag und Montag auch nach 4 Uhr noch feiern lassen.
Leere Tanzflächen, tote Hose: So sieht’s an Ostern in den Discotheken aus. Deren Betreiber ärgeren sich über die verlorenen Einnahmen. Leere Tanzflächen, tote Hose: So sieht’s an Ostern in den Discotheken aus. Deren Betreiber ärgeren sich über die verlorenen Einnahmen.
Frankfurt. 

Karfreitag ist jährlich ein Ärgernis für Disco-Betreiber. Denn Tanzen ist streng verboten – und das nicht nur am Freitag, sondern auch am Samstag, Ostersonntag und sogar noch am Ostermontag. Dennoch konzentriert sich der Streit um den Feiertag auf den Karfreitag.

Robin Knecht vom Voices-Club in Sachsenhausen ist gegen den gesetzlichen Schutz für den Karfreitag: „Wir müssen zwei Tage zumachen, Freitag und Samstag. Das ist für uns Gastronomen schmerzhaft, denn so viele Tage gibt es nicht, an denen wir Umsatz machen können.“ Sein Laden, eine Karaoke-Bar mit Tanzfläche, könne notfalls offen bleiben. „Ich kann sagen, wir machen Karaoke, die Leute singen, aber tanzen nicht.“ Doch es gebe jedes Jahr die Unsicherheit mit dem Ordnungsamt – ist es streng oder nicht? „Wir Gastronomen lauern immer etwas und warten ab, was die anderen in der Straße machen, und wir warten auf ein Zeichen vom Ordnungsamt.“

Fokus auf das Leid Christi

Für Dr. Achim Knecht, den evangelischen Stadtdekan, ist der Karfreitag heilig. „Es geht nicht nur um die Kirchen. Es geht um unsere Zivilisation insgesamt.“ Der Karfreitag sei nicht irgendein Feiertag, sondern der Feiertag, an dem des Kreuzestodes Christi gedacht werde „und damit aller Menschen, die leiden.“ Das dürfe nicht zur Disposition gestellt werden. Ob hingegen das Tanzverbot auch an Ostern noch gelten müsse, am Sonntag und am Montag, sieht Knecht nicht so. „Ostern ist ein fröhliches Fest. An der Stelle bestehe ich nicht auf dem strengen Feiertagsgesetz.“

Auch Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) ist der Karfreitag heilig: „Ich bin entschieden dafür, am Tanzverbot festzuhalten. Wir können nicht den Verlust an Werten beklagen und dann die Ankerpunkte unserer Kultur und Tradition auflösen. An dem Tag, an dem an das Leiden Jesu Christi erinnert wird, gehört es sich nicht zu tanzen. Auch wenn man nicht gläubig ist, sollte man gegenüber dieser Tradition den Respekt wahren.“

Taylan Burcu, rechtspolitischer Sprecher der Grünen im Römer, hält die strenge Regelung für nicht mehr zeitgemäß. „Es ist eine Privilegierung des Christentums. Was ist mit hohen Feiertagen der Moslems, der Juden, die bei uns leben?“ Er wisse jedoch nicht, ob die Grünen, Koalitionspartner der CDU im Landtag, in dieser Legislaturperiode noch einen Vorstoß unternehmen werden. „Es hängt dann auch an der CDU“, so Burcu.

PRO & CONTRA

Kommentar zum Tanzverbot Pro: Das Jahr braucht besondere Tage

Muss es im Leben wirklich mehr als alles geben: Kirschen im Dezember, Skifahren im August, Tanzen an Karfreitag? Muss jeder Tag wie der andere sein? Das muss er nicht.

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Kommentar zum Tanzverbot Contra: Wer in Clubs tanzt, stört keinen Gläubigen

Muss man immer alles verbieten? In der modernen Gesellschaft gibt es mehr als genügend Menschen, die mit christlichen Bräuchen nichts mehr anfangen können.

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Philip Krämer von der Grünen Jugend Frankfurt erwägt an Karfreitag eine Social-Media-Kampagne mit geteilten Fotos (Share Pics) gegen das Tanzverbot. Er setzt sich für eine vollständige Abschaffung von Sonderregelungen für gesetzliche Feiertage ein. „Die Ausübung von Religion ist für uns eine private Angelegenheit, die keine Auswirkungen auf gesellschaftliche Abläufe haben sollte.“

Michael Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Römer, sieht das anders: „Das Karfreitagsverbot aufzuheben, ist eine völlig abwegige Idee. Man muss nicht jeden Tag Party machen. Dafür gibt es andere Tage.“

Den Konflikt zwischen Gastronomie und Kirchen trägt Eduard Singer jedes Jahr aufs Neue aus. Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Frankfurt sagt: „Wir versuchen immer zu vermitteln, sprechen mit den Discothekenbetreibern, mit dem Ordnungsamt. Es kocht immer vor Ostern hoch, tatsächlich jedoch dürfte man an keinem Sonntag tanzen. Das hessische Feiertagsgesetz ist sehr streng. Die Frage ist, ob es so streng sein muss und ob dies noch von den Kirchen gefordert wird.“

Der Verband hat bereits vor Wochen die hessischen Feiertagsgesetze als zu streng kritisiert, restriktiver als selbst in Bayern und Baden-Württemberg. „Wir wollen gar nicht an Karfreitag und Karsamstag tanzen, auch nicht am Volkstrauertag und anderen stillen Feiertagen“, sagt Julius Wagner, der Hauptgeschäftsführer des hessischen Dehoga. „Da sollte man sich schon an die Regeln halten.“ Wagner kritisiert nur, dass man sonntags ab vier Uhr morgens nicht mehr tanzen darf. Und streng genommen auch keine Sportveranstaltungen stattfinden dürfen.

Allein Frankfurts Jugendfußballer aber sind jeden Sonntagmorgen aktiv, mehr als die Hälfte ihrer Ligaspiele sind dann angesetzt, auf manchen Plätzen ist nach dem Spiel vor dem Spiel, wird stundenlang fast pausenlos gekickt. „Wettkämpfe am Sonntagmorgen gibt es nur selten“, findet Roland Frischkorn trotzdem. Der Frankfurter Sportkreisvorsitzende weiß, dass mit einem strengen Verbot am Sonntag das Vereinsleben kaum aufrecht zu erhalten wären. Dort, wo es zu Konflikten kommen könnte, weil etwa Gottesdienste gestört würden, müssen sich Vereine und Gemeinden eben arrangieren. Frischkorn: „Es ist immer ein Geben und Nehmen.“

Kaum Beschwerden

Julius Wagner vom Hotel- und Gaststättenverband kann berichten, dass nicht hinter jedem Gesetz ein strenger Hüter steht. „Wir haben den Eindruck, dass das Ordnungsamt in Frankfurt nicht gezielt nach Verstößen Ausschau hält.“ Dies bestätigt Ralph Rohr, Sprecher des Ordnungsamts. „Im Vorjahr haben wir an Karfreitag kein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Es gab eine einzige Beschwerde, die sich jedoch als unbegründet herausgestellt hat.“

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