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Religion: Paul-Gerhardt-Gemeinde hat eine neue Pfarrerin

Anja Bode ist die neue Pfarrerin der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad. Sie ist eine Suchende und konnte sich deshalb diesen Beruf einst nicht für sich vorstellen. Am Ende passte er doch zu gut zu ihrem Glaubensverständnis.
Anja Bodes offenes und modernes Glaubensverständnis passt zu dem hellen Kirchenraum im Bauhausstil an der Gerauerstraße. Foto: Michael Faust Anja Bodes offenes und modernes Glaubensverständnis passt zu dem hellen Kirchenraum im Bauhausstil an der Gerauerstraße.
Niederrad. 

Manche Fragen kann der Mensch nicht abweisen, obwohl – oder gerade weil – sie sich nicht beantworten lassen. Anja Bode, die neue Pfarrerin der Paul-Gerhardt-Gemeinde, wird von solch einer angetrieben. „Wie sollte ein Leben gelebt werden, dass der Glaube es in all seinen Facetten durchzieht?“, versucht Bode die Frage zu formulieren und hält gleich wieder inne. Das „sollte“ passt ihr nicht. „Was wir sollten, hängt ja immer von unseren individuellen Fähigkeiten ab.“ Bode beugt sich vor, fährt mit den Händen durch die dunklen Haare und lehnt sich wieder zurück. Die 53-Jährige sucht passendere Worte, wo Sprache an ihre Grenze stößt.

Diese Frage beschäftigt sie schon, da sitzt sie noch als Jugendliche in Limburg an der Lahn am großen Esstisch ihrer Eltern. Die Mutter ist im Kirchenvorstand und Krankenschwester, der Vater Mediziner und sie mit ihren Geschwistern zu sechst. „Glaube, Gott und die Welt war bei uns immer ein Thema“, sagt sie.

Von Biologie zur Theologie

Wegweisend wird die Frage im ersten Semester. Die Arbeit einer Humanbiologin hat nach ihrem Geschmack zu wenig mit Menschen und zu viel mit Labor zu tun. Das Studium bricht sie ab und weil da die unbeantwortbare Frage ist, beginnt sie, sie zu studieren: Theologie in Mainz und Heidelberg.

Die Antworten sucht Bode nicht nur innerhalb ihrer evangelischen Konfession. Judaistik ist ihr Nebenfach. Ihr erster Ansprechpartner bei theologischen und seelsorgerischen Fragen zu der Zeit ist Katholik, der Limburger Domkapitular Werner Böckenförde. „Alle Religionen verbindet etwas Gemeinsames. Das war mir immer wichtig.“

Dass sie am Ende ihres Studiums eine Vikariatsstelle in Wiesbadenantritt, der praktische Teil der Pfarrerausbildung, ist eine Vernunfts-Entscheidung. Eigentlich plant sie erst einmal, die wissenschaftliche Arbeit fortzuführen. Thema und Betreuer für eine Doktorarbeit hat sie schon. Das Studium konnte die Frage schließlich nicht beantworten, sondern nur mehr ihrer Aspekte aufzeigen: Sozial- und Umweltethik, Gerechtigkeit, Toleranz.

„Es ist eine so schöne Welt, die uns anvertraut wurde“, sagt Bode. „Soll der Glaube mehr als ein Sonntagsglaube sein, dann dreht er sich darum, sie zu erhalten.“ Das könne verschiedene Formen annehmen: Vom Friedensgebet bis dahin, seinen Konsum ethisch zu hinterfragen. Die Kirchengemeinde versteht sie als Team, um gemeinsam der Verantwortung für die Welt gerecht zu werden. „Als Pfarrerin erfülle ich nur eine Aufgabe neben anderen in der Gemeinde“, sagt Bode. „Kirchen-Strukturen sind dafür da. Sie haben keinen Selbstzweck. “

Die Gemeindearbeit in Wiesbaden fühlt sich für Bode deshalb richtig an. So wird sie doch Pfarrerin. In Glashütten im Taunus ist sie es 14 Jahre lang in der Lukasgemeinde. Die wird in dieser Zeit umstrukturiert, führt einen Fairtrade-Standard ein und die Kindertagesstätten bekommen eine christliche Ausrichtung nach ihrem Verständnis: offen und tolerant, auch gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Es gibt da ja dieses Gemeinsame, das alle Religionen teilen.

2016 wechselt Bode, inzwischen Mutter von drei erwachsenen Kindern, mit ihrem Mann nach Frankfurt. Arbeitet kurz als theologische Referentin, später als Vertretungspfarrerin in der Sankt-Katharinen-Gemeinde im Nordend und in der Jugendkultur-Kirche Sankt Peter an der Bleichstraße. Seit August ist sie in der Paul-Gerhardt-Gemeinde.

Eine engagierte Gemeinde

Die Gemeinde mit über 4000 Mitgliedern passe zu ihr, sagt sie. „Ob es um Umwelt-Themen oder Flüchtlinge geht; die Paul-Gerhardt-Gemeinde ist sehr engagiert, bringt sich in gesellschaftliche Entwicklungen ein, oft auch kritisch.“ Das ist Bode wichtig. Diese gesellschaftliche Verantwortung ist für sie unmittelbar mit der Frage verbunden, die sie schon als Jugendliche umtrieb.

In der Gemeinde ist sie für die Kinder- und Jugendarbeit zuständig. „Meist gibt es unterschiedliche Angebote für verschiedene Generationen.“ Sie will dagegen mit Projekten Jung und Alt zusammenbringen, „um ein Gemeindegefühl zu schaffen, das es sonst nicht mehr gibt. Bei ihren Predigten bleibt Bode nah am biblischen Text, um ihn auf die Gegenwart hin zu auszulegen. „Die Bibel ist nicht nur ein Leitfaden. Man kann mit ihr auch streiten. Dann ist sie sogar am fruchtbarsten.“ Den Dialog braucht Anja Bode. Es gibt da ja diese unbeantwortete Frage.

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