Pferdefleisch ist mein Gemüse

Von Jana Kötter und Thomas J. Schmidt
Konsumenten, die Pferdefleisch kennen und gar mögen, sind eine Ausnahme. Ein Metzger bietet in Frankfurt die Spezialitäten an. Dass jetzt alle über Pferdefleisch reden, belebt sein Geschäft.
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Frankfurt. 

Pferdefleisch ist sein Gemüse – Metzgermeister Klaus Schneider hat sich darauf spezialisiert und weiß: "Es ist eine Delikatesse!"

Das Ordnungsamt sieht das nicht ganz so. Die Beamten haben wegen des Skandals momentan eine Menge mehr zu tun. Bei einem Import-Export-Unternehmen in Frankfurt wurden gestern vier Lebensmittelproben genommen. Die Ordnungsbehörden suchen Pferdefleisch in Fertigprodukten wie Lasagne. "Wer sicher sein möchte, kein Pferdefleisch zu verzehren, sollte derzeit auf Fertiggerichte mit Hack aus Rindfleisch verzichten und lieber zu frischem Rindfleisch greifen", rät Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. Normalerweise könnten die Verbraucher sich auf die Kennzeichnung auf der Verpackung verlassen. Dass jetzt Pferdefleisch in der Lasagne auftaucht, sei ein Skandal, so Schauff.

Ein Skandal, aber nicht wegen des Fleisches. Metzgermeister Klaus Schneider kommt aus Krombach im Spessart. Jeden Donnerstag steht er auf dem Wochenmarkt im Kaisersack. Er hat vor zehn Jahren umgestellt auf Pferd, Ziege und Schaf.

Am Anfang lief es schleppend. Doch über Mundpropaganda kamen mehr und mehr Kunden. Inzwischen – es ist gerade zwölf Uhr geworden – stehen sie vor dem Verkaufswagen fast Schlange. Skandal um Pferdefleisch? Schneider kann nur lachen. "Gut für mich", scherzt er, "Werbung."

Pferd essen die wenigsten

Nur wenige essen Pferdefleisch. Laut Geschäftsbericht des Deutschen Fleischerverbandes lag der Pro-Kopf-Verzehr von Pferdefleisch im Jahr 2011 bei 25 Gramm, im Jahr 1950 lag dieser Wert noch bei 600 Gramm pro Kopf. Heute ist Pferd damit das Schlusslicht hinter allen anderen Fleischsorten.

Thomas Reichert, Obermeister der Fleischerinnung glaubt: "Dass Pferdefleisch in Deutschland nicht beliebt ist, hat mehr kulturelle als qualitative Gründe. Schaut man sich die Geschichte des Menschen an, war Pferdefleisch eher das Fleisch der Armen, weil beispielsweise kranke Tiere geschlachtet wurden, die nicht mehr zur Arbeit eingesetzt werden konnten. In Frankreich, Italien und Belgien hingegen ist Pferdefleisch eine Delikatesse. Qualitativ steht das Fleisch dem Rindfleisch in nichts nach." Pferdefleisch enthält weniger Cholesterin und weniger Fett als andere Fleischsorten, ist aber reich an Eiweiß und Mineralien.

Wer nicht selbst kochen will und Restaurants sucht, in denen Pferd zubereitet wird, muss lange suchen. Frankfurt gilt als internationale Stadt, auch kulinarisch. Trotzdem: Pferd steht nirgends auf der Karte der Restaurants und in den Regalen der Feinkost-Läden. In Frankreich hingegen gibt es in Supermärkten eigens Kühltheken für Pferdefleisch.

Metzger Schneider verkauft Pferd etwa so teuer wie Rind. "Es ist kein Arme-Leute-Essen mehr, wie früher einmal", sagt der Metzger. In der Kleinmarkthalle gab es früher auch einen Pferdemetzger, aber der habe auf Schwein umgestellt. "Momentan", sagt Schneider, "bin ich der Einzige in Frankfurt, der Pferd verkauft."

Auf der nächsten Seite: Alles streng geregelt

Bei Schneider steht alles unter behördlicher Kontrolle. Pferde dürfen nur verarbeitet werden, wenn sichergestellt ist, dass sie keine Medikamente erhalten haben. Die Besitzer bringen ihm die Tiere – Kalt- und Warmblüter, junge und ältere, im Schnitt zehn Jahre alte Pferde. Klaus Schneider schlachtet selbst, er kocht und räuchert Mettwurst, Salami, Fleischwurst und Krakauer, Presskopf und sogar Blut- und Leberwurst. Ein eigenes Ladengeschäft hat Schneider nicht. An vier Tagen in der Woche verkauft er seine Wurst auf Wochenmärkten in Frankfurt, Offenbach und Hanau.

Obermeister Reichert empfiehlt: "Fleisch sollte man möglichst frisch kaufen. Der Metzger weiß, welches Tier er in der Theke liegen hat – da kann der Kunde dann sicher sein, was er kauft." Alternativ kann man Pferd auch über das Internet bestellen. Metzgereien bieten diesen Service an: www.haushobbold.de und

www.rossschlachter.de

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