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Börse informierte über lohnende Ziele: Pilgern ist in Mode

Pilgern liegt im Trend und ist mittlerweile ein großes Geschäft. Dies zeigte Frankfurts erste Pilger-Börse.
Antje Goy hat ein Buch über ihre Erlebnisse beim Pilgern geschrieben. Auf der ersten Pilger-Börse in Frankfurt stellte sie es vor. Foto: Michael Faust Antje Goy hat ein Buch über ihre Erlebnisse beim Pilgern geschrieben. Auf der ersten Pilger-Börse in Frankfurt stellte sie es vor.
Niederrad. 

Kurz nach Eröffnung der ersten Frankfurter Pilger-Börse ist es bereits ziemlich eng im Gemeindezentrum der Offenen Kirche Mutter vom Guten Rat in der Bruchfeldstraße 51. Die Gänge sind voller Menschen, sie tummeln sich um 15 Stände, die allerlei Produkte zum Thema Pilgern verkaufen: Bücher, Landkarten, Poster, DVDs, Zeitschriften, Liederhefte oder gar ein Brettspiel. Schnell wird deutlich: Pilgern liegt im Trend und ist ein großes Geschäft. Alleine Santiago de Compostela, dem Ziel der bekanntesten Pilgerroute, zog im vergangenen Jahr über 260 000 Menschen an.

An weiteren Pilgerzielen mangelt es dabei nicht: Im Bistum Limburg alleine sind sechs Routen zu begehen, die christliche Touristikfirma Tobit wirbt mit dem Slogan „Reisen zwischen Himmel und Erde“ für organisierte Gruppenwallfahrten und Pilgerrouten in ganz Europa und bis nach Russland, Marokko, Nepal. Am Stand von Claudia Rhein findet sich derweil Stärkung für unterwegs: „Himmlische Köstlichkeiten“ aus den Editionen „PilgerSchnitte“, „PowerKick“ oder „ImpulsGeber“ – vegane Fruchtschnitten mit Superfood-Zutaten wie Lupine, Moringa oder Chia-Samen. Als Bonus bieten die Schnitten obendrein inspirierende Verse aus der Luther-Bibel oder „heilige Worte des Franz von Assisi“.

Süße Superhelden

„Wir wollen das Christentum und ökologisches Bewusstsein verknüpfen, weil beides zusammengehört“, sagt Claudia Rhein, Inhaberin der Firma „Inspiration mit Genuss“. Unter den Christen nämlich gäbe es „wenig Ökos“ und umgekehrt „wenig Christen unter den Ökos“. Für Kinder hält Rhein auch Fruchtschnitten mit Superhelden-Motiven bereit, um ihnen die richtige Perspektive auf Ernährung zu vermitteln. „Mein eigenes Kind habe ich zuckerfrei großgezogen“. Die Schnitten seien „ein Energieschub für zwischendurch, wie ein trockener Smoothie“, erklärt die Tochter Ina Rhein, eigentlich Sozialpädagogin, die gelegentlich beim Verkauf und der Betriebsorganisation hilft.

Am Stand nebenan sitzt die Unternehmensberaterin Dr. Antje Goy und präsentiert ihr Buch „Schrittwechsel“, ein Erlebnisbericht über den Weg nach Santiago. „Ich wollte was Neues machen, etwas, das ich noch nie gemacht habe“, erzählt sie. 2009 lieh sie sich einen Rucksack und machte sich auf den Pilgerweg – ganz ohne Wanderequipment, wie sie betont. Während andere Pilger sich von Kopf bis Fuß professionell ausrüsteten, sei sie mit Latschen und einem Regenschirm gegen die Sonne losgezogen, meistens auch ohne Plan, wo sie nachts unterkommen würde.

Wichtig war ihr dabei, ein eigenes Tempo zu finden und dieses zu befolgen, anstatt 42-Kilometer-Etappen hinter sich zu bringen, wie jene Menschen, die man auf dem Pfad „TGV“ nenne, eine Anlehnung an die französischen Schnellzüge. „Ich muss gar nichts“, sagte sich Goy, während viele andere „im Wettbewerb mit sich selbst standen, um die eigene Leistungsfähigkeit zu beweisen“. Das Buch habe sie daher geschrieben, um anderen zu zeigen, dass man Pilgern auch so begreifen kann: „Es geht darum, seinen Weg und Gelassenheit zu finden“.

Gut beobachten ließ sich auf dem Weg auch „das Riesengeschäft“ rund ums Pilgern, berichtet die 52-jährige: „Es gibt immer mehr organisierte Touren, bei denen das Reisegepäck im Bus transportiert und die Übernachtung geplant wird“. Viele Leute suchten eine Art „Abenteuer im Wattepaket“, um sich „im Schutzraum ausprobieren zu können“.

Angebot gesucht

Der Initiator der Pilger-Börse, Pfarrer Werner Portugall, findet das alles eher erfreulich: „Wenn manche Kirche oder Kapelle dann nicht verrottet, sondern für die Pilger gepflegt wird, ist das nicht verwerflich“. Das Geschäft zeige eben an, „dass die Leute solche Angebote suchen“ – zumal es auch Menschen helfe, die weniger gut zu Fuß seien. Mit dem Besucherandrang zeigt sich Portugall zufrieden, eine Wiederholung ist wahrscheinlich. Vielleicht sogar im größeren Maßstab.

(peh)
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