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Schießerei in Frankfurt: "Plötzlich rannten alle umher"

Der Schreck sitzt in Frankfurt auch einen Tag nach der Schießerei am Friedrich-Stoltze-Platz noch tief. Dort waren mitten am Tag mehrere Schüsse abgegeben worden, zwei Männer wurden verletzt. Die Polizei ermittelt im Rockermilieu.
Das Kennzeichen des Geländewagens endet mit den Zahlen „1881“ (1 steht für A und 8 für H), einer beliebten Kombination in Hells-Angels-Kreisen. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Das Kennzeichen des Geländewagens endet mit den Zahlen „1881“ (1 steht für A und 8 für H), einer beliebten Kombination in Hells-Angels-Kreisen.
Frankfurt. 

Am Friedrich-Stoltze-Platz sieht es am Tag nach der Schießerei so aus, als sei Normalität eingekehrt. Hastig laufen die Menschen zur Mittagszeit über den Platz in Richtung Hauptwache, von der anderen Seite kommt eine Schulkasse mit einem Stadtführer, der ihnen etwas über den Platz erklärt. In den Cafés und Restaurants rund um den Stoltze-Platz genießen die Menschen entspannt das schöne Wetter, wo am Donnerstag noch das blanke Chaos geherrscht hatte.

Es waren Szenen, die Augenzeugen wahrscheinlich so schnell nicht vergessen werden. Als vor der „Helium“-Bar in der Straße „An der Katharinenpforte“ ein weißer Mercedes-Geländewagen mit Gelnhausener Kennzeichen hält, fallen Schüsse. Die Insassen des Autos, zwei 20 und 41 Jahre alte Männer mit Bezug zur Rockergruppe Hells Angels, wurden teils schwer verletzt.

Polizei und Rettungskräfte am Tatort Stoltze-Platz nach der Schießerei: Wie stark ist die Rockerszene in Hessen?
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Ein Luxus-Schlitten mit Szene-Kennzeichen, ein schweres, typisches Motorrad, die Art der Tat - alles deutet bei den Schüssen auf ein Auto im Herzen Frankfurts auf Krach im Milieu hin. Wie stark ist die Rockerszene in Hessen?

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„Wir gehen davon aus, dass es ein Streit zwischen Rockern war“, sagte Nadia Niesen, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Und obwohl sich die blutige Schießerei vor Hunderten von Zeugen abgespielt hatte, wurde auch gestern noch nach dem oder den Schützen und der Tatwaffe gesucht. Es habe mehrere Durchsuchungen gegeben, sagte Niesen. Einzelheiten nannte sie aber nicht.

Auch die Frage nach dem angeblichen Fluchtfahrzeug des oder der Täter sowie der Zusammenhang zu den Motorrädern, die am Tatort stehen geblieben sind, auch weiterhin offen. Könnte eine Gruppe auf Vergeltung aus sein? Da man noch nicht wisse, welche Rockerkreise da aufeinander geschossen haben, gibt es laut Niesen bislang auch keine Vorkehrungen, um eventuelle Racheakte zu verhindern.

Das 41-jährige Opfer wurde von mehreren Kugeln getroffen. Der Mann zog eine Pistole, kam aber nicht mehr zum Schuss, sondern brach vorher verletzt zusammen. Die Waffe ließ er fallen, sie wurde sichergestellt. Der 20-Jährige wurde ebenfalls angeschossen. Beide Männer waren gestern noch in der Uniklinik, aber außer Lebensgefahr. Der Jüngere wurde vernommen, über seine Aussage wurde nichts bekannt. Vor der Uniklinik standen mehrere Polizisten sowie Anhänger des Gießener Ablegers der Hells Angels, um die Opfer zu bewachen.

Bilderstrecke Schüsse in der Frankfurter Innenstadt: Zwei Schwerverletzte
Nachdem in der Frankfurter Innenstadt Schüsse am hellichten Tag aus einem fahrenden Auto gefeuert worden sind, hat die Polizei den Tatort um den Stoltze-Platz weiträumig abgesperrt. Sie fahndet intensiv nach den bislang unbekannten und flüchtigen Tätern. Hintergrund der Tat, bei der zwei Personen schwerverletzt wurden, ist offenbar eine Auseinandersetzung in der Rockerszene.Die Cafés und Restaurants rings um den Friedrich-Stoltze-Platz sind wegen ihrer Außenplätze sehr beliebt an sonnigen Tagen. Gestern Nachmittag (05.05.) fielen dort mehrere Schüsse.Ein weißer Mercedes-Geländewagen (im Bild) war an der Restaurant-Bar "Helium" in der Bleidenstraße vorgefahren. Mindestens zwei Männer seien aus dem Fahrzeug gestiegen – und aus einer Gruppe von "Helium"-Gästen heraus sofort unter Beschuss genommen worden.

Spontan umentschieden

Auf dem Stoltze-Platz deutet indes nichts mehr auf die Tat von Donnerstag hin. Einzig ein Kamerateam steht am Rande des Platzes und schaut sich den Tatort noch einmal an.

Beim genaueren Hinhören merkt man aber schnell, dass Frankfurt diese Tat nicht so leicht verkraften wird. Passanten, die den Platz überqueren, reden teils aufgeregt, teils interessiert über das Geschehen vom Vortag, zeigen auf die rosa Kreise der Spurensicherung, die vor der „Helium“-Bar überall auf die Straße gemalt sind. Dort hatte man nach der Schießerei zahlreiche Patronenhülsen gefunden.

Die Schüsse sind eben verhallt, die Tatwaffe liegt noch auf dem Boden - mitten in der City.
Schießerei in der Innenstadt Rocker-Krieg eskaliert mitten in Frankfurt

Szenen wie aus einem Krimi: In der Frankfurter Innenstadt werden zwei Menschen durch Schüsse schwer verletzt. Einen Terroranschlag schließt die Polizei schnell aus - sie geht von einem Kampf zwischen Rockern aus.

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Ein Passant, der sich gerade auf eine der Bänke auf dem Stoltze-Platz gesetzt hat, zeigt am Tag nach der Tat keine Angst. Ganz im Gegenteil: „Ich bin fast ein bisschen traurig, dass ich gestern nicht hier war. Da war bestimmt einiges los hier“, sagt der Frankfurter. In der „Bar Celona“ ist man da anderer Meinung. Die beiden Freundinnen Lucy und Vanessa (beide 16) sitzen an dem Tisch, zu dem sich eines der Opfer schwer verletzt geschleppt hatte. „Das ist schon ein bisschen gruselig“, sagt Vanessa. Sie beschäftige dieses Verbrechen sehr, sagen die Freundinnen. Als sie den Grund erklären, wird deutlich warum. „Eigentlich wollten wir bereits gestern hierher kommen. Wir haben uns spontan für eine andere Location entschieden“, sagt Lucy. Sie seien einen Tag später gekommen, um zu zeigen, dass sie keine Angst haben.

Alles zurückgelassen

An den Ort des Verbrechens zurückgekehrt ist auch ein Kellner aus dem Restaurant „Leib und Seele“. Er ist Augenzeuge und steht am Tag danach noch unter Schock. Deshalb möchte er auch nicht namentlich genannt werden. „Innerlich bin ich sehr nervös, wir alle haben Angst“, sagt er. Nachdem er mehrere Schüsse gehört hatte, habe er zunächst an einen Terroranschlag gedacht. „Ich glaube, wir alle dachten das. Ich habe den Mann am Boden gesehen, bin zu ihm hingerannt, wollte ihm helfen, doch da standen schon viele Menschen um ihn herum.“ Dann sei Panik ausgebrochen, Kinder und Erwachsene seien umhergerannt, hätten geschrien. „Das sind Bilder, die ich so schnell wohl nicht mehr aus meinem Kopf kriege“, so der Kellner.

Spurensuche am Tatort nach der Schiesserei am Stolze-Platz
Staatsanwaltschaft ermittelt nach Schießerei Polizei nimmt sich Rocker-Kreise vor

Der Schreck sitzt in Frankfurt auch am Tag danach noch tief. Schüsse auf offener Straße vor einer Bar - alles deutet auf einen Rocker-Streit hin. Seit Jahren kämpfen verschiedene Gruppen um die Vorherrschaft in der Bankenstadt.

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Diese Szenen, die sich am Donnerstag abspielten, kann auch Ömer G. (35) bestätigen. Er arbeitete am Donnerstag in einem kleinen Tabakladen am Stoltze-Platz. „Ich war im Landen, plötzlich hörte ich mehrere Schüsse kurz hintereinander. Dann ging alles ganz schnell. Plötzlich rannten sämtliche Gäste der Cafés Richtung Hauptwache. Sie stießen Tische um, ließen Handtaschen und Kinderwagen zurück“, berichtet der Augenzeuge.

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