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Kein Einzelfall: Polizei ermittelt nach Schuss auf U-Bahn

Von Nach dem Schuss auf eine U-Bahn der Linie 5 an der Deutschen Nationalbibliothek laufen die polizeilichen Ermittlungen auf Hochtouren. In Frankfurt werden immer mal wieder öffentliche Verkehrsmittel angegriffen. Meist werden dafür aber keine Schusswaffen, sondern Steine benutzt.
Eine U 5 vor der Deutschen Nationalbibliothek, wo am Samstag ein Zug beschossen wurde. Foto: Rainer Rüffer Eine U 5 vor der Deutschen Nationalbibliothek, wo am Samstag ein Zug beschossen wurde.
Frankfurt. 

Die 30 Personen in der U 5 dürften vor Schreck zusammengezuckt sein: Als sie am Samstag gegen 10.45 Uhr in Richtung Norden fuhren und dabei an der Deutschen Nationalbibliothek vorbeikamen, gab es plötzlich einen lauten Schlag. Ein Geschoss, das jemand von rechts mit einem Luftdruckgewehr oder einer Schleuder abgefeuert hatte, schlug in einer Scheibe der dritten Zugtür ein. Es beschädigte das Sicherheitsglas, durchschlug es aber nicht. Wohl deshalb wurde niemand verletzt. Die U-Bahn hielt an, die Passagiere mussten aussteigen. Die Polizeifahndung nach dem Täter verlief erfolglos.

Beamte des 3. Reviers ermitteln jetzt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr – „mit Hochdruck“, wie Behördensprecherin Chantal Emch gestern sagte. Wer den Schuss abfeuerte, ist unklar. Welche Waffe der Schütze gebrauchte, muss ebenfalls ermittelt werden, obwohl derzeit alles für eine Schleuder oder ein Luftgewehr spricht. Die Ermittler prüfen wohl auch, ob die Tat in Zusammenhang mit dem Beschuss eines Linienbusses in Bergen-Enkheim genau drei Wochen zuvor steht. Am 11. November gegen 18.55 Uhr war an der Haltestelle Barbarossastraße in der Triebstraße ein fahrender Bus mutmaßlich mit einer Zwille beschossen worden. Bei der Suche am Tatort fanden Polizisten eine Metallkugel. Auch in diesem Fall konnte der Schütze entkommen.

Mit Luftgewehr auf ICE

Dass Verkehrsmittel in Frankfurt mit Schusswaffen angegriffen werden, kommt nach Angaben der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und der Bundespolizei am Hauptbahnhof selten vor. Umso bemerkenswerter ist die Häufung von gleich drei Fällen im laufenden Quartal. Im ersten und aufsehenerregendsten Fall wurde am 2. Oktober gegen 15.30 Uhr ein fahrender ICE am Bahnhof Louisa (Sachsenhausen) mit einem Luftgewehr beschossen. Die Bundespolizei stellte hinterher Schäden an mehreren Zugscheiben fest. Die drei Männer, die sich in einem Waldstück postiert hatten, sollen mindestens ein Luftgewehr benutzt haben. Die Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr hätten bislang nicht zum Erfolg geführt, sagte Bundespolizeisprecher Ralf Ströher gestern.

Dass es in den drei genannten Fällen keinen Verletzten gab, hat auch damit zu tun, dass die Scheiben in öffentlichen Verkehrsmitteln aus Verbund- oder Sicherheitsglas bestehen. „Das ist so beschaffen, dass es selbst bei Kollisionen nicht in 1000 Splitter zerspringt“, sagte Bernd Conrads gestern. Der VGF-Sprecher berichtete, dass die beschädigte Scheibe des U-Bahn-Zugs bereits ersetzt wurde.

„Bodenloser Leichtsinn“

Ströher und Conrads sagen, dass die meisten Angriffe auf Züge in Frankfurt mit Steinen geführt werden. Ströher spricht in diesem Zusammenhang von „bodenlosem Leichtsinn“. Bei den Steinewerfern handele es sich häufig um Jugendliche, die gar nicht einschätzen könnten, wie gefährlich ihr Handeln ist. „Denn falls doch mal ein Stein eine Scheibe durchschlägt, können schwerste, wenn nicht tödliche Verletzungen die Folge sein“, betont Ströher. Zu Festnahmen komme es nach Attacken auf fahrende Züge eher selten. Oft postierten sich die Täter an einer entlegenen Stelle der Bahnstrecke und flüchteten nach der Tat. Auch für sie seien Steinwürfe auf fahrende Züge übrigens gefährlich, sagt Ströher. „Steine können auch auf Werfer zurückgeschleudert werden.“

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