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Waffeneinsatz: Polizei kündigt hartes Durchgreifen gegen Schreckschusspistolen bei Großhochzeiten an

Von Immer wieder kommt es bei türkischen Hochzeitsfeiern zu Freudenschüssen auf offener Straße. Die Frankfurter Polizei will nun konsequent dagegen vorgehen. In mehreren Fällen ermittelt sie bereits wegen Verstößen gegen das Waffengesetz.
Foto: Boris Roessler (dpa)
Frankfurt. 

In herausgeputzten Karossen war die deutsch-türkische Festgesellschaft an einem Aprilnachmittag unterwegs. Ein Autokorso, wie er bei solchen Großhochzeiten üblich ist. Doch zwischen Praunheim und Rödelheim fand die Paradefahrt ein jähes Ende. Polizisten stoppten die Hochzeitsgäste und durchsuchten alle 25 Autos. Sie fanden, was sie suchten: zwei Waffenkoffer samt Schreckschussmunition. Die beiden dazugehörenden Pistolen lagen in einem Gebüsch am Straßenrand, offenbar wurden sie aus dem Autofenster geworfen.

Aufgeschreckte Anwohner hatten zuvor die Polizei gerufen, weil sie lautes Knallen gehört hatten. Es waren wohl Freudenschüsse zu Ehren des Brautpaares. Ein Phänomen, das die Frankfurter Ordnungshüter derzeit häufiger beschäftigt.

Seit April kam es schon an drei Wochenenden zu ähnlichen Vorfällen. Gegen mindestens vier Gäste türkischer Hochzeitsfeiern wird seitdem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. Bei dem jüngsten Vorfall, vergangenen Samstag in Oberrad, zielte ein Hochzeitsschütze aus dem fahrenden Auto heraus sogar auf einen Fußgänger. So hat es der 64-Jährige jedenfalls in seiner Zeugenaussage geschildert.

Auch Platzpatronen verboten

„Da hört der Spaß wirklich auf“, sagt Polizeisprecherin Isabell Neumann. „Solche Schreckschusswaffen sind auf den ersten Blick von echten Pistolen kaum zu unterscheiden.“ Und egal ob es sich um Platzpatronen oder um scharfe Munition handelt: Auf offener Straße herumzuballern ist generell verboten – auch bei Hochzeiten oder an Silvester.

Die Frankfurter Polizei hat diese Woche daher eine Warnung veröffentlicht: „Wir werden diese Vorkommnisse nicht tolerieren und konsequent, unter Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten, verfolgen.“

Das Problem bleibt nicht auf Frankfurt beschränkt. Knallfreudige Hochzeitsgäste sind auch in anderen deutschen Großstädten unterwegs, die Berichte über solche Probleme häufen sich.

In Hannover zum Beispiel rückte die Polizei am Osterwochenende gleich drei Mal aus, weil türkische Großfamilien Eheschließungen mit Schusswaffen feierten. Ein Jahr zuvor musste dort sogar die Autobahn gesperrt werden, weil die Feier spontan auf die Fahrbahn verlegt worden war. Ermittelt wurde daraufhin wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Autos spielen bei solchen Feiern ohnehin eine wichtige Rolle. Wer im Internet nach Stichwörtern wie „Turkish Wedding Cars“ sucht, findet zahlreiche Videoaufnahmen protziger Luxusschlitten, die in langen Reihen durch Hamburg, Berlin oder eben Frankfurt rollen. So lange sich die Autokorso-Fahrer an die Verkehrsregeln halten, sei das kein Problem, sagt Polizeisprecherin Neumann. Nur ist das eben nicht immer der Fall.

Illegales Autorennen

Anfang Mai stoppten Zivilbeamte einer neu gegründete Sondereinheit der Frankfurter Verkehrspolizei drei PS-starke Wagen: zwei Mercedes und einen BMW. Sie waren mit mehr als 90 Kilometer die Stunde durch die Innenstadt Richtung Hanauer Landstraße gebrettert. Wegen dieses illegalen Autorennens drohen ihnen empfindliche Konsequenzen: Nicht nur der Führerschein steht auf dem Spiel. Auch die teuren Autos könnten ihnen abgenommen werden.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass zwei der drei jungen Männer „Teil einer Hochzeitsgesellschaft“ waren, wie es in der Polizeimeldung heißt. Sie waren wohl vor der gestoppten Rennfahrt in einem größeren Autokorso unterwegs.

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