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Polizei räumt besetztes Gebäude in Frankfurt

Von Sandra Trauner Das «Institut für vergleichende Irrelevanz» war eine Mischung aus linker Wohngemeinschaft, Gegen-Universität und alternativem Kulturzentrum. Nun wurde das letzte besetzte Haus Frankfurts geräumt. Die Polizei hat das seit vielen Jahren besetzte «Institut für vergleichende Irrelevanz» im Frankfurter Westend am 22. April geräumt. Foto: dpa Die Polizei hat das seit vielen Jahren besetzte «Institut für vergleichende Irrelevanz» im Frankfurter Westend am 22. April geräumt. Foto: dpa

Frankfurt.  Zehn Jahre lang hatten linke Studenten ein Gebäude im Frankfurter Westend besetzt - nun ist das «Institut für vergleichende Irrelevanz» (IVI) Geschichte. Am Montagmorgen wurde das denkmalgeschützte Gebäude aus den 1960er Jahren von der Polizei geräumt. Zu größeren Ausschreitungen kam es nicht. In Frankfurt, der ehemaligen Hausbesetzer-Hochburg, endet damit auch eine Ära: Das IVI war das letzte besetzte Haus der Stadt.

Am frühen Morgen war die Polizei mit Einsatzwagen, bewaffneten Beamten und Hunden angerückt. Sie baute vor dem Eingang Gitter auf und sperrte umliegende Straßen. Rund 50 Demonstranten, die die Beamten vor dem Eingang erwartet hatten, ließen sich ohne größeren Widerstand abführen. Danach flexte die Polizei die Tür auf und durchkämmte Zimmer für Zimmer mit Hunden das Gebäude. Rund ein halbes Dutzend Bewohner wurden herausgeführt. Zwischen 100 (Polizeiangaben) und 250 (IVI-Schätzung) Sympathisanten beobachteten die Aktion.

Das besetzte Gebäude diente seit rund zehn Jahren unter dem Motto «Theorie Praxis Party» als Wohn- und Veranstaltungsraum. Die Immobilienfirma Franconofurt hatte das Gebäude Anfang 2012 von der Goethe-Universität gekauft. Im Februar 2013 hatte sie vor Gericht einen Räumungstitel erstritten, demzufolge die Besetzer das Haus verlassen müssen. Da diese sich weigerten, freiwillig zu gehen, war die Räumung erwartet worden.

«Ich bin froh, dass es so friedlich über die Bühne ging», sagte Franconofurt-Vorstand Christian Wolf. Um eine Wiederbesetzung zu vermeiden, werde das Haus nun rund um die Uhr bewacht, die Fenster würden zugenagelt, die Türen zugemauert. In einigen Wochen wolle man mit der Räumung des zugemüllten Hauses beginnen und danach mit dem Bauamt die künftige Nutzung besprechen.

«Wir werden den Kampf auf allen Ebenen fortsetzen», kündigte IVI-Sprecher Oliver Sonnenschein an. Die Stadt müsse ein anderes Haus zur Verfügung stellen: «Ein Ort wie das IVI ist und bleibt notwendig in dieser Stadt, und wir werden so lange weiter besetzen, bis wir ein adäquates Ersatzobjekt haben.» Sonnenschein kritisierte den Polizeieinsatz als «vollkommen unverhältnismäßig», es habe drei Verletzte gegeben.


Der AStA (Allgemeine Studierenden-Ausschuss) der Universität gibt der Hochschule der Stadt eine Mitschuld. «Die Uni hat das Gebäude ohne Rücksprache verkauft und das Räumungsszenario somit klar mit zu verantworten», sagte AStA-Vorsitzender David Malcharczyk. «Doch auch die Stadt hätte eine Räumung verhindern können.» Die Polizei blieb den ganzen Montag vor Ort, einer Sprecherin zufolge blieb es aber ruhig.

Am späten Nachmittag protestierten nach Angaben eines Polizeisprechers etwa 160 Menschen mit einem Demonstrationszug von der Galluswarte zum Römer gegen die Räumung. Auch der AStA der TU Darmstadt solidarisierte sich mit den Besetzern. Bei den Protesten sei es friedlich geblieben, sagte der Polizeisprecher. Für Dienstagabend (23. April) planen IVI-Unterstützer eine weitere Demonstration in der Innenstadt.



Bilderstrecke Polizei räumt besetztes Haus in Frankfurt Aus und vorbei: Die Polizei hat das seit vielen Jahren besetzte «Institut für vergleichende Irrelevanz» im Frankfurter Westend am 22. April geräumt. FNP.de zeigt Bilder zu der Räumungsaktion in einer Fotostrecke. Mit Fotos von dpa und Bernd Kammerer (5). Begleitet von Protesten führten die Beamten am Morgen des 22. April mehrere Demonstranten aus dem «Institut für vergleichende Irrelevanz», einem früheren Uni-Gebäude. Das besetzte Gebäude diente seit etwa zehn Jahren unter dem Motto «Theorie Praxis Party» als Wohn- und Veranstaltungsraum.
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