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Linke Aktivisten in Bockenheim: Polizisten räumen besetzte Villa

Nach der Besetzung einer leerstehenden Villa und der Räumung durch die Polizei drohen den linken Aktivisten Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs und obendrein Schadensersatzforderungen. Die städtische Gesellschaft ABG, Eigentümerin der Immobilie, will die Sache nicht auf sich beruhen lassen.
Die Hausbesetzer stehen in lockerer Runde auf dem Balkon beisammen. Bilder > Die Hausbesetzer stehen in lockerer Runde auf dem Balkon beisammen.
Frankfurt. 

„Tür nur notdürftig gesichert – keine Polizei vor Ort – Neubesetzung????“, schrieb der Bankenkritiker und Berufsdemonstrant Thomas Occupy gestern um 14.20 Uhr auf der Internetseite Twitter. Dazu stellte der Aktivist ein Foto der mit Holzplatten und Brettern verbarrikadierten Eingangstüren des Hauses Georg-Voigt-Straße 10. Gut 24 Stunden zuvor hatte eine Gruppe namens L_rst*ll* (Leerstelle) die Villa in Bockenheim besetzt.

Die meisten der 26 Besetzer gehörten zum Kreis der Aktivisten, der seit der Räumung des „Instituts für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) im Kettenhofweg unter wechselnden Namen schon mehrfach leerstehende Gebäude – darunter auch die OB-Villa auf dem Lerchesberg – okkupiert hatte. Der süffisante Ton, den Thomas Occupy für seine Kurznachricht wählte, verdeutlicht die Selbstverständlichkeit, mit der die Straftat des Hausfriedensbruchs inzwischen wieder begangen wird.

Bilderstrecke Polizei räumt besetzte Villa
Am Samstag haben linke Aktivisten eine Villa in der Georg-Voigt-Straße besetzt und Barrikaden davor aufgebaut. Die Besetzung sollte nicht nur eine Kritik am geplanten Kulturcampus darstellen, sondern auch einen selbstverwalteten Ort für Schüler und Studenten schaffen.

Fotos: KammererDie Polizei räumte die Villa nach gescheiterten Verhandlungen zwischen dem Eigentümer des Hausen, der ABG-Holding, und den Besetzern.Zahlreiche Menschen - Anwohner, Schaulustige und Symphatisanten - hatten sich rund um das Haus versammelt.

Die Besetzer drangen in die Immobilie in direkter Nähe des gesprengten AfE-Turms ein und versahen die Fassade und den Zaun mit Transparenten. Darauf stand unter anderem „Eure Grenzen kotzen uns an!“ und „ABG?! Ich geb dir Kulturcampus!“ Die letztgenannte Parole war an die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Frankfurt Holding gerichtet. Diese hatte die Villa im vergangenen Jahr von der Universität gekauft und will darin im Rahmen des Projekts Kulturcampus zwei oder drei Wohnungen einrichten.

Nach der Räumung des IvI, eines linksalternativen Studentenprojekts, wollten die Besetzer in der Georg-Voigt-Straße nach eigenen Angaben eine neue Stätte des Austauschs schaffen: „Es soll hier ein Ort entstehen, der für alle offen ist, die an dem Versuch einer herrschaftsfreien Kultur partizipieren wollen“, heißt es in einer Mitteilung. Unter anderem sei ein generationen- und milieuübergreifendes Café geplant, das gleichermaßen „Treffpunkt zum Rumhängen“ und „alternativer Ort der Reflexion“ sein könnte.

Mit reichlich Proviant haben sich die Hausbesetzer auf eine längeren Verbleib in der Professoren-Villa eingerichtet.	Foto: Overländer
Die Sonntagsruhe nach dem Sturm

Am Tag nach der polizeilichen Räumung steht die vorübergehend von L_rst*ll*-Aktivisten besetzte Stadtvilla in der Georg-Voigt-Straße 10 wieder einsam und verlassen da.

clearing

Weil die Polizei und der ABG-Geschäftsführer Frank Junker Wind von der Besetzung bekamen, war diese allerdings relativ schnell beendet. Mehrere Polizeiautos mit Dutzenden von Beamten rückten an. Außer ihnen versuchte auch Junker, die Aktivisten zu einer freiwilligen Räumung des Hauses zu bewegen. „Ich habe ihnen gesagt, dass eine Hausbesetzung eine strafbare Handlung ist, die wir nicht tolerieren können“, sagte Junker gestern. Die Besetzer hätten sich allerdings nicht einmal auf das Angebot eingelassen, ohne Feststellung der Personalien abzuziehen.

So kam es, wie es kommen musste: Im Beisein von etwa 100 Schaulustigen – nach Polizeiangaben waren die meisten von ihnen Sympathisanten der Besetzer – packten behelmte Polizisten in schwerer Schutzmontur gegen 18 Uhr eine Ramme aus und brachen die verbarrikadierten Türen des Gebäudes auf. Darin trafen sie auf 26 Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren, die nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen wurden. Zu Auseinandersetzungen kam es nicht, allerdings wurde nach der Räumung in der Beethovenstraße ein Fahrzeug in Brand gesetzt. Die Polizei ermittelt.

ABG-Chef Junker sagte gestern, dass er gegen die Besetzer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet habe. Auch das Geld für die Beseitigung der an zwei Türen entstandenen Schäden und die Notsicherung – „insgesamt mehrere 1000 Euro“ – gedenke sich die ABG von den Besetzern zu holen. Junker findet die Aktion und die Schäden „in hohem Maße ärgerlich“.

 

 

Fotos von der Räumung des besetzten Hauses finden Sie im Internet unter
www.fnp.de/villa

 

(chc)
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