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Stadtteil-Serie (Teil 28): Praunheim: Alles neu machte (Ernst) May

In unserer Serie stellen wir Frankfurts Stadtteile vor. Unser Reporter Ben Kilb schaute sich diesmal in Praunheim um.
Praunheim. 

Architekten prägten Frankfurt immer – einer von ihnen ganz besonders: Ernst May. Von 1925 bis 1930 war er als Siedlungsdezernent verantwortlich für das Projekt „Neues Frankfurt“. Und nur darum zählt Praunheim heute über 16 000 Einwohner, die auf 4,6 Quadratkilometern leben. Die Bewohner der Siedlung Praunheim bildeten auf einer ersten Versammlung am 30. Juni 1927 den „Siedlerverein der Siedlung Frankfurt a. M. – Praunheim“, der nach wie vor besteht. Besiedelt ist der Stadtteil indes seit über 6000 Jahren. Die römische Stadt Nida lag an der Grenze Praunheims, das seinen Namen auch den Römern verdankt: Der Ortsname geht auf das Wort „prunus“ zurück, lateinisch für Pflaume. Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Brumheim“ 804; nach Frankfurt eingemeindet dann am 1. April 1910. Kein Scherz!

Trotz vieler Bauprojekte hat sich der Stadtteil Idylle bewahrt: Die Nidda-Auen sind ein beliebtes Ausflugsziel, am Altarm fühlt sich ein Biber wohl. Und zwischen der Nidda und den Adlerwiesen liegt das Vereinsgelände der SG Praunheim: Der 1. FFC Frankfurt ging aus der Frauenfußball-Abteilung hervor und zählt zu den erfolgreichsten Vereinen weltweit. Jeder Frankfurter kennt auch die „Praunheimer Werkstätten“ in der Maria-Claar-Straße, eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Bauarbeiten „quälten“ Bewohner (und Pendler) in den letzten Jahren. So dauert die Sanierung der Heerstraße über drei Jahre und war erst 2016 fertig. Auch die Nachverdichtung in der Heinrich-Lübke-Siedlung ging nicht ohne Lärm vonstatten – dafür leben die Menschen dort nun in modernisierten Wohnungen und genießen eine bessere Nahversorgung. Es gibt fünf Schulen inklusive der Landesfachschule für das Kfz-Gewerbe. Noch nicht beendet ist die millionenschwere Erweiterung am Gymnasium Nord in der Siedlung Westhausen. Unser Reporter Ben Kilb schaute sich im Stadtteil um.

Das neue Frankfurt

„Neues Frankfurt“ titelte nach dem Ersten Weltkrieg ein Programm der Stadt Frankfurt, um der Wohnungsnot Herr zu werden, die der Krieg mit sich gebracht hatte. Auf Äckern entstand dabei auch die Siedlung Praunheim, die älteste Siedlung des „Neuen Frankfurts“. Auf dem zum Niddatal abfallenden Berg Ebel entstanden Häuser Am Ebelfeld, die ohne das spätere Zutun ihrer Bewohner wohl einen tristen Anblick bieten würden. Gab anfangs ein „Heimstättenvertrag“ die Farbgebung der Häuser vor, so hielten sich nach 1945 immer weniger Bewohner daran und strichen die Häuser nach Belieben.

Platz da für den Platzwart!

Peter Hofacker ist seit über 25 Jahren Platzwart bei der SG Praunheim. 2017 musste er sich umstellen, wurde doch der langersehnte Kunstrasenplatz endlich gebaut. „Leider aber sorgt der Platz nicht automatisch für gute Ergebnisse“, sagt Hofacker. Die erste Mannschaft der SG liegt derzeit auf dem 11. Platz der Kreisliga A Frankfurt-Nordwest. In dem Taditionsverein hatte schon Cenk Tosun, der seit 2018  beim FC Everton in England spielt, das Kicken gelernt.

Ein Biber schätzt den Nidda-Altarm

Südlich des Sportareals der SG Praunheim fließt träge ein Altarm der Nidda. Er trägt zur besonderen Kulisse der Niddaauen bei, die im Jahr 1989 sogar die Bundesgartenschau in den Stadtteil gelockt  hatten. Dieses idyllische Ambiente genießt seit ein paar Jahren auch ein Biber, der sich nach Angaben von Tierschützern dort niedergelassen haben soll. Dass er sich dort so wohlfühlt, hat sicherlich auch mit der Renaturierung des Gewässers in den vergangenen Jahren zu tun. Dadurch findet der streng geschützte Biber am Ufer alles, was er zum Überleben braucht.

Die historische Zehntscheune

Aus dem 18. Jahrhundert stammt die Zehntscheune. Historiker vermuten jedoch, dass sie bereits im 14. Jahrhundert erbaut wurde. In dem eingeschossigen Bau aus Bruchsteinmauerwerk mit Satteldach mussten Bauern einst ihren Zehnt abgeben, also Ernte oder Vieh. Nachdem das heutige Kulturdenkmal seine ursprüngliche Funktion verlor, war es Gefängnis, Leichenhalle und Feuerwehrgarage. In den 1990er Jahren tagte dort der Ortsbeirat, nun hat der Bürgerverein dort seinen Sitz und organisiert seit 1985 jährlich das Zehntscheunenfest anlässlich der gelungenen Restaurierung.

Nach Lübke benannt

Bis vor einigen Jahren galt die Heinrich-Lübke-Siedlung als vernachlässigt. Junge Familien und Einzelhändler kehrten ihr nach und nach den Rücken, das Quartier verödete prompt . Doch die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG ließ Häuser sanieren und neue bauen. Auch die schlechte Nahversorgung wurde verbessert: So entstanden ein Supermarkt mit 500 Quadratmeter Einkaufsfläche und eine kleine Ladenzeile.

Die U-Bahn sorgt für Verbindung

Seit 1986, der Eröffnung der C-Strecke, verbindet eine U-Bahn-Linie die Heerstraße mit dem Zoo in der Innenstadt. Bereits 1963 wurde die Omnibuslinie 60 bis zur Heerstraße verlängert. Ab den 1970er Jahren verkehrte auf der Strecke bis 1986 eine Straßenbahn. Zur Eröffnung der C-Strecke waren daher kaum Umbaumaßnahmen erforderlich, es wurden nur bestehende Bahnsteige auf eine einheitliche Länge von 90 Metern gebracht. Ein weiterer Ausbau erfolgte erst in den vergangenen Jahren, die Strecke wurde mit barrierefreien Hochbahnsteigen und Zugängen ausgerüstet.

Vespa-Museum: Italienisches Lebensgefühl auf zwei Rädern

Vespa-Liebhaber Jochen Haseleu hat 2017 mit Gleichgesinnten in einem Hinterhof in Alt-Praunheim ein kleines Vespa-Museum eröffnet. Dort finden sich Modelle des italienischen Kult-Rollers sowie etliche Devotionalien. Haseleu und seine Mitstreiter sind Fans: „Das Museum ist  unser Baby, in dem wir unsere Faszination für das Lebensgefühl Vespa zeigen möchten“, sagt er, der Hunderte Stunden in den Umbau gesteckt hat. Geöffnet ist es jeden ersten Dienstag im Monat jeweils von 10 bis 16 Uhr.

Das Klinikum

Das Pflegeamt der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist beschloss 1957, ein Schwerpunktkrankenhaus im Nordwesten Frankfurts zu errichten. Sechs Jahre später eröffnete das Nordwest-Krankenhaus mit 615 Betten. Heute bietet es unter anderem eine medizinische und radioonkologische sowie eine Klinik für Hämatologie und Onkologie und eine Palliativstation.

Ernst May

Der Architekt, Frankfurter Stadtbaurat und Siedlungsdezernent Ernst May entwarf um 1925 auch Häuser in der Heerstraße im Städtebauprogramm „Neues Frankfurt“. In den 1920er und 1930er Jahren waren rund 30 000 Wohnungssuchende gemeldet. In die sogenanten „Reichsheimstätten“ zogen vor allem ein: Kriegsteilnehmer, Witwen von Gefallenen, kinderreiche Familien, Frankfurter, die der Stadt im Gegenzug eine brauchbare Altbauwohnung überließen, und jene, die seit einem Jahr als Wohnungssuchende gemeldet waren. Unter Mays Regie entstanden 12 000 Wohnungen als öffentlich-private Partnerschaft, 2000 mehr als geplant. Die Wohnungen setzten Standards im Wohnungs- und Siedlungsbau, beispielsweise mit der Frankfurter Küche.

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