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Eckkneipe an der Ostendstraße: Prosit: Kutscherklause ist gerettet!

Von Die Saisoneröffnung des Eintracht Fanclubs Kutscherklause-Ostend wird am Samstag eine große Sause. Nach langem Hin und Her steht nun nämlich fest: Die Heimatkneipe des Clubs muss zum Jahresende doch nicht schließen.
Darauf genehmigen sich Manuela Loew (li.), Monika Berkenkopf und ihre Stammgäste im Hintergrund einen Schluck: Die Gaststätte »Zur Kutscherklause«muss nun doch nicht zum Jahresende schließen. Der Vermieter hat es sich anders überlegt und die Kündigung zurückgezogen. Foto: Christian Christes Darauf genehmigen sich Manuela Loew (li.), Monika Berkenkopf und ihre Stammgäste im Hintergrund einen Schluck: Die Gaststätte »Zur Kutscherklause«muss nun doch nicht zum Jahresende schließen. Der Vermieter hat es sich anders überlegt und die Kündigung zurückgezogen.
Ostend. 

Manuela Loew und Monika Berkenkopf können wieder lachen und mit ihren Stammgästen auf bessere Zeiten anstoßen. Zuvor mussten die Schwestern allerdings durch die Hölle gehen – einen ganzen langen Monat. Die berufliche Existenz der Betreiberinnen der Gaststätte „Zur Kutscherklause“ in der Ostendstraße 47 stand nämlich auf dem Spiel. Nachdem ihnen ein Schreiben ins Haus geflattert war, in dem ihnen der Mietvertrag zum 31. Dezember diese Jahres gekündigt wurde, wussten sie nicht, wie es weitergehen sollte.

„Das war echt schlimm. Einen Plan B hatten wir nicht. Nachdem endlich alle Schulden abbezahlt waren, hätten wir nun endlich Geld verdienen können“, erinnert sich Monika Berkenkopf und betont: „Unser Herzblut häng an der Kutscherklause. Wir sind hier ja quasi aufgewachsen.“ Ihre Eltern hatten die Eckkneipe rund 30 Jahre bewirtschaftet, ehe die Schwestern vor zehn Jahren übernahmen und kräftig ins Inventar investierten.

Die Kündigung sei völlig überraschend gekommen. Vermieter Michael Loulakis habe bereits Nachfolger für die Räume gehabt. Diese hätten angeblich eine noble Weinbar eröffnen wollten.

Ein empörter Aufschrei ging deshalb durch das ganze Viertel. Denn die Nachbarn wollten ihre geliebte Eckkneipe behalten. Diese ist nämlich seit jeher Treffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen aus dem Stadtteil. „Die Kutscherklause ist die letzte bürgerliche Gaststätte im Kiez. Das ist für die Menschen hier wir ihr zweites Wohnzimmer“, sagt Stammgast Andreas Sondergeld. Die Atmosphäre sei sehr herzlich, ganz so wie sie Peter Alexander in seinem Lied „Die kleine Kneipe“ besinge.

Das bestätigt Sportstudent Johannes (25) aus eigener Erfahrung. Es sei völlig nebensächlich, welchen Beruf oder Status ein Gast habe. „Hier ist jeder willkommen und wird direkt aufgenommen. Zur Orientierung im neuen Umfeld ist das eine gute Adresse für Neuzugezogene. Wir sind wie eine Familie. Wir streiten uns manchmal und wir lachen sehr viel zusammen.“ Brigitta Brandl stimmt zu. Sie wohnt seit 1958 an der Ostendstraße und gehört schon zum Inventar der Kutscherklause, wie sie selber sagt. Hätte die Kneipe schließen müssen, wäre dieser Freundeskreis auseinandergebrochen – und sie hätte sich einen anderen Platz zum Mittagessen suchen müssen.

 

Dank an die FNP

 

Woher Loulakis` plötzliches Einlenken kam, weiß Berkenkopf nicht. „Die Frankfurter Neue Presse hat sicher auch einen großen Teil dazu beigetragen“, vermutet sie, dass Loulakis wahrscheinlich schlechte Presse gescheut habe. In ihrer Not hatte sie sich nämlich an diese Zeitung gewandt. Allerdings hatte er nicht auf unsere Nachfrage reagiert. Jedenfalls haben Manuela Loew und Monika Berkenkopf einen neuen Mietvertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren erhalten. Der Mietzins wurde allerdings etwas erhöht. „Das ist aber verkraftbar“, freut sich Berkenkopf.

Ein Stein vom Herzen fällt auch Wolfgang Fritz. Er ist Präsident des Eintracht Fanclubs Kutscherklause-Ostend, dem rund 40 Mitglieder angehören. Seit dem Jahr 2007 ist der Club offizieller Fanclub der Eintracht. „Wir hätten Ende des Jahres keine Heimat mehr gehabt und wahrscheinlich auch keine mehr gefunden, weil es kaum noch Kneipen wie die Kutscherklause im Viertel gibt“, sagt er. Betreiber noblerer Adressen würden Fanclubs eben nicht willkommen heißen.

 

Saison wird eröffnet

 

In die Eckkneipe eingeladen sind für Samstag, 8. August, alle Fußballbegeisterten. Ab 13 Uhr feiert der EFC Kutscherklause-Ostend Saisoneröffnung. Club-Mitglieder stehen am Grill und servieren Spezialitäten. Um 15.30 Uhr wird es dann ernst, im ersten offiziellen Spiel der Saison trifft die Eintracht auf den Bremer SV. Wenn die Truppe von Trainer Armin Veh ihre Erstrundenbegegnung im DFB-Pokal dann noch erfolgreich gestaltet, geht die Party anschließend so richtig los. Mit einer Pleite rechnet Fritz aber ohnehin nicht.

Für Monika Berkenkopf und Manuela Löw stellt sich jetzt allerdings die Frage, was sie tun, um nicht in fünf Jahren eventuell mit der gleichen Situation konfrontiert zu werden. Die Suche nach neuen Räumen für ihre Gaststätte ist aussichtslos. „Wir sind im Ostend verwurzelt und wollen es auch bleiben. Alle Gewerbeflächen, die in Frage gekommen wären, sind belegt“, sagt Berkenkopf und will im Moment erst einmal den Moment genießen.

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